+

Gefragte Autos

Trotz miesem Image: SUV-Absatz steigt

  • schließen

Nicht erst seit dem Lied von der Oma, die zur "Umweltsau" wird, hat der SUV ein mieses Image. Dem Absatz der "Pseudogeländewagen" kan dies nichts anhaben. Er steigt.

Schon ein flüchtiger Blick auf die Straßen wirft die Frage auf: Sind da nicht immer mehr dieser "Pseudogeländewagen" unterwegs? Der Eindruck täuscht nicht. Laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) wurde 2019 deutschlandweit im Segment SUV/Geländewagen erstmals die Millionenmarke bei den Neuzulassungen geknackt.

Ein Blick ins Detail lohnt sich: Bis November waren 692 425 SUVs neu angemeldet worden, 62 420 mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Anteil an den Zulassungen insgesamt stieg von 18,3 auf 20,8 Prozent. Auch bei den laut KBA-Systematik "offiziellen" Geländewagen nahmen die Neuzulassungen um 30 000 auf 333 111 zu. Der Anteil der "Jeeps" und artverwandter Modelle stieg von 8,8 auf 10,0 Prozent.

Mit knapp 31 Prozent Marktanteil machten somit SUVs und Geländewagen fast ein Drittel der Pkw-Neuzulassungen aus. Vor allem und trotz aller Kritik an der Ökobilanz: Kein anderes Segment wuchs 2019 so schnell.

Dem Blick aufs Gießener Land sei Grundsätzliches vorausgeschickt: Wie viel Kohlendioxid ein Auto nach der Produktion verursacht, hängt natürlich vom "Durst" ab. Dass dafür wiederum nicht nur das Gewicht ausschlaggebend ist, lernt man schon in der Fahrschule. Stichworte sind Kavaliersstart, Drehzahl, Kurzstrecke oder Autobahn und häufiges Anfahren im Stau.

Sehr hohe Nachfrage im Kreis

Carsten Müller ist Obermeister der Kfz-Innung Oberhessen, diese umfasst immerhin rund 350 Mitglieder in den Kreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau. In Lich betreibt er mit seinem Bruder Andreas das Autohaus Schmidt.

Trotz aller Klimadiskussionen und unabhängig von den Modell-Segmenten: Wie Müller konstatiert, bewegt sich die Nachfrage nach Neuwagen auch hierzulande auf sehr hohem Niveau. Dass alle Neufahrzeuge umweltfreundlich seien, unabhängig vom Antriebskonzept, fügt er an. Sicher hätten alte Diesel, Euro 4 und schlechter, einen sehr hohen Schadstoffausstoß. Zum 1. Januar aber seien verschärfte CO2-Grenzwerte in Kraft getreten, die nur dank der sparsamen Diesel mit Euro-6d-Temp-Motoren zu erreichen seien. Müller verweist auf einen Test von "auto motor und sport", wonach Euro-6d-Modelle unter bestimmten Bedingungen sogar die mit Feinstaub belastete Luft reinigen könnten.

Bescheidene Anzahl an E-Autos

Der Dieselantrieb spielt für ihn auch weiter eine wichtige Rolle, sagt Müller. Er freut sich über eine wieder starke Zunahme in der Verkaufsstatistik. Hingegen seien die Zuwächse bei Elektro- und Hybridfahrzeugen nur gering. Dies belegt eine Nachfrage beim Landkreis Gießen. Zum 8. Januar 2020 waren hierzulande 518 E-Autos sowie 1857 Hybridfahrzeuge zugelassen Bescheiden, was die absoluten Zahlen angeht, doch immerhin ein Plus von gut 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

"Wir benötigen eine technologische Offenheit bei alternativen Antriebskonzepten und Kraftstoffarten, wofür der synthetische Kraftstoff Care Diesel ein Beispiel ist", sagt Kfz- Obermeister Müller.

Um auf die zunehmend in der Kritik stehenden schweren SUV und Geländewagen zu kommen, so mahnt Müller, genau hinzuschauen: "Der Begriff SUV umfasst eine viel breitere Palette als meistens angenommen wird." So falle in dieses Segment der "Hummer" genauso wie ein "T-Roc" von VW. Weswegen nicht pauschal zu sagen sei, dass "Geländelimousinen" einen sehr hohen Spritverbrauch hätten.

Beliebt bei Frauen und Senioren

Laut Müller erfreut sich auch in seinem Innungsbereich der SUV weiter sehr großer Beliebtheit; gerade bei Frauen und älteren Kunden. Genaue Zahlen für den Kreis liegen zwar nicht vor. Doch oft genannte Vorteile sind etwa bequemer Ein- und Ausstieg und die Flexibilität bei der Beladung. "Bei den SUVs steigen die Verkaufszahlen stetig, der Handel spürt keine Zurückhaltung der Kunden", sagt Müller.

Aufregerthema der letzten Zeit sind natürlich auch die Fahrverbote zur Reduzierung der Feinstaubbelastung. Dass er von Verboten nichts hält, betont Müller. "Hier muss erst mal über Art und Weise der Luftmessung nachgedacht werden." Viel wichtiger bei der "Klima- und Feinstaubdiskussion" ist für ihn der Aspekt Nachhaltigkeit. Die Kfz-Werkstätten leisteten mit qualifizierten Reparaturen und Instandhaltung einen hohen Beitrag für eine längere Lebenszeit der Pkw. So würden im Sinne der Umwelt Ressourcen gespart. "Die 47 Millionen Pkw in Deutschland sind im Schnitt 9,4 Jahre alt." "Dieselmotoren haben da eine sehr hohe Lebensdauer. Das nenne ich nachhaltig." FOTO: TB

Im Durchschnitt verbrauchen SUVs laut Internationaler Energieagentur (IEA) rund ein Viertel mehr Energie als mittelgroße Fahrzeuge. Hauptgründe: höherer Luftwiderstand, konzeptbedingt höheres Gewicht und der in einigen Typen eingebaute Allradantrieb (über 100 kg mehr Gewicht und mehr Reibungsverluste im Antriebsstrang).

Einer IEA-Studie von 2019 zufolge trugen die Geländelimousinen nach dem Energiesektor seit 2010 am zweitstärksten zum Anstieg des weltweiten CO2-Ausstoßes bei. SUVs seien für den gesamten Anstieg der Ölnachfrage durch Pkw von 2010 bis 2018 in Höhe von 3,3 Millionen Barrel/Tag verantwortlich, während der Verbrauch bei anderen Fahrzeugtypen leicht zurückging.

Falls der Trend zum "Pseudogeländewagen" so weitergehe, würde er laut Internationaler Energieagentur nicht nur den globalen Ölbedarf bis 2040 um zwei Millionen Barrel am Tag steigern - er würde auch die CO2-Einsparungen durch 150 Millionen Elektroautos wirkungslos machen. tb

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare