Ein Bewohner eines Altenheims geht mit seinem Rollator über einen Flur.
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Für viele Menschen in Pflegeheimen bedeutet Corona große Einsamkeit.

Corona-Pandemie

Trotz hohen Alters keine Symptome: Zwei Senioren aus dem Kreis Gießen litten am meisten unter der Isolation

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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  • Stefan Schaal
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In den Seniorenzentren im Kreis Gießen hat Corona schwer gewütet, viele Bewohner sind gestorben. Doch Marie Jaworski (89) und Robert Brück (94) hatten trotz Infektion keine Symptome. Sie litten unter der Isolation.

Vor allem in den Seniorenzentren im Kreis hat das Coronavirus schwer gewütet, viele Bewohner sind gestorben. Doch es gibt auch Geschichten wie die von Marie Jaworski und Robert Brück. Die beiden Senioren hatten sich ebenfalls mit dem Virus angesteckt, erkrankten aber nicht an Covid-19. Für beide ist es deshalb vor allem die quälende Zeit der Isolation, die sie mit dem Virus verbinden. 

Kreis Gießen: Seniorin (89) hat gar nicht mitbekommen, dass sie Corona hatte

Als Marie Jaworski von ihrer Infektion erzählt, ist sie die Ruhe in Person. »Ich habe gar nicht mitbekommen, dass ich das Virus hatte«, berichtet die 89 Jahre alte Bewohnerin des Seniorenzentrums in Leihgestern. Weder Fieber noch andere Beschwerden habe sie gespürt. »Ich habe wohl ein gutes Immunsystem«, sagt sie. Seit September vergangenen Jahres lebt Jaworski in dem Altenheim.  Dass sie infiziert war, habe sie erst später und eher beiläufig erfahren. Als die Bewohner des Altenheims vor wenigen Tagen im großen Saal geimpft wurden, habe sie in ihrem Zimmer gewartet und sich auf die Verabreichung des Präparats eingestellt. Doch es sei niemand gekommen. »Ich habe irgendwann die Nachtschwester gefragt, wann ich endlich dran bin. Sie hat mir dann gesagt, dass ich Corona hatte und nicht geimpft werde.« 

Vom Ausbruch der Pandemie und den Todesfällen in ihrem Heim habe sie erfahren, erzählt Jaworski. Allerdings hätten die Bewohner isoliert in Quarantäne gelebt und die Bereiche seien streng getrennt, sie habe daher wenig von der Situation mitbekommen. 

„Da ist es im Gefängnis erträglicher“ – Senior (94) aus dem Kreis Gießen empfand Isolation als bedrückend

Ähnliches erzählt der 94 Jahre alte Robert Brück, der im Gießener Johannesstift lebt. Corona mache ihm keine Angst, sagt Brück. Dennoch habe ihn die Zeit der Schließung des Pflegeheims für Besucher und vor allem die Quarantäne getroffen. »Da ist es im Gefängnis erträglicher«, sagt Brück, der einst als Prokurist der Zigarrenfabrik in Heuchelheim gearbeitet hat. »Da haben die Insassen wenigstens Freigang.« 

Am 3. Dezember sei er positiv auf Corona getestet worden. Körperlich habe er von der Infektion nichts gespürt. Wegen der Isolation sei der Ausbruch der Pandemie bedrückend gewesen, räumt Jaworski ein. Die Kinder und das Enkelkind hätten sie nicht besuchen können. Angst verspüre aber auch sie nicht. Sie halte sich an die Regeln, wasche sich regelmäßig die Hände und trage einen Mund-und-Nase-Schutz. »Angst«, sagt Jaworski, »hatte ich im Zweiten Weltkrieg, als die Bomben auf Gießen gefallen sind.« 

Gießener erzählen Corona-Geschichten

Vor einem Jahr, am 28. Februar 2020, wurde der erste Corona-Fall im Landkreis publik. Mehr als 8700 Menschen haben sich seitdem mit dem Virus infiziert. Ein Großteil gilt als genesen. Aber was heißt schon genesen? Nicht jeder findet zurück in den Alltag. Manche kämpfen noch Monate später mit Beschwerden. In einer kleinen Serie erzählen sechs Menschen aus dem Landkreis ihre Corona-Geschichte-

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