Auch in der Floristikbranche wird besonders wenig bezahlt. SYMBOLFOTO: PM
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Auch in der Floristikbranche wird besonders wenig bezahlt. SYMBOLFOTO: PM

Arm trotz Arbeit

  • vonred Redaktion
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Gießen(pm). 40 Stunden Arbeit pro Woche und trotzdem herrscht Ebbe im Portemonnaie: Aktuell arbeiten im Landkreis Gießen 18 Prozent aller Vollzeit-Beschäftigten im Niedriglohnsektor. Insgesamt rund 10 900 Menschen erzielen trotz voller Stundenzahl ein Einkommen unterhalb der amtlichen Niedriglohnschwelle von derzeit 2 350 Euro brutto im Monat (Wert für Westdeutschland). Darauf hat die Gewerkschaft IG Bau hingewiesen. Die Zahlen gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag hervor.

"Dass selbst eine Vollzeitstelle häufig nicht ausreicht, um finanziell halbwegs abgesichert zu sein, ist alarmierend", sagt Doris Hammes, Bezirksvorsitzende der IG Bau Mittelhessen.

Landwirte und Floristen betroffen

In der Region zählten unter anderem die Landwirtschaft, die Gebäudereinigung und die Floristik zu den Branchen, in denen besonders wenig gezahlt werde. Ein Grund dafür sei die schwindende Tarifbindung. "Je mehr Firmen aus Tarifverträgen aussteigen, desto schlechtere Karten haben die Beschäftigten. Es droht eine immer tiefere Spaltung des Arbeitsmarktes", warnt Doris Hammes.

Die Gewerkschafterin ruft die Unternehmen im Landkreis dazu auf, sich zu Mitbestimmung und Tarifautonomie zu bekennen: "Die Sozialpartnerschaft ist ein Erfolgsmodell, das den Beschäftigten - und den Betrieben - über Jahrzehnte wachsenden Wohlstand beschert hat. Sie darf nicht unter die Räder kommen." Nach Untersuchungen der Hans-Böckler-Stiftung profitieren davon auch die Firmen. In tarifgebundenen Unternehmen steige die Produktivität, Mitarbeiter seien motivierter.

"Aber auch die Politik ist am Zug. Sie sollte mehr für die Tarifbindung tun", erklärt Gewerkschafterin Hammes und nennt das Beispiel des Maler- und Lackiererhandwerks: In diesem Handwerk haben Gesellen Anspruch auf einen tariflichen Mindestlohn von 13,50 Euro pro Stunde. Diese Lohnuntergrenze wurde von der Politik für die ganze Branche zur Pflicht gemacht. Zum Vergleich: Der gesetzliche Mindestlohn liegt aktuell bei 9,35 Euro pro Stunde.

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