Ein vertrautes Bild: "Bloco Baiano" bei der Trommelnacht in Lich. Niemand weiß, wann die Sambagruppe wieder auftreten wird. ARCHIVFOTO: IK
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Ein vertrautes Bild: "Bloco Baiano" bei der Trommelnacht in Lich. Niemand weiß, wann die Sambagruppe wieder auftreten wird. ARCHIVFOTO: IK

Die Trommeln müssen schweigen

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
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Es sollte ein rauschendes Fest zum Start in ein mit Auftritten gut gefülltes Jahr werden. Allein für die Trommelnacht im Kino "Traumstern" liefen die Vorbereitungen über sechs Monate. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr der Sambaformation "Bloco Baiano" müssen deren Trommeln schweigen.

So lange das Wetter noch einigermaßen mitspielt, können sie draußen proben. Mal in Buseck, mal in Gießen. Doch die satten Sounds der mächtigen Trommeln sind für die breite Öffentlichkeit zumindest vorerst verstummt.

Seit 20 Jahren besteht die Sambaformation "Bloco Baiano", aber ein solches Desaster wie im Jubiläumsjahr 2020 haben die Musiker noch nicht erlebt. Coronabedingt mussten Veranstaltungen wie die traditionelle Trommelnacht im Kino "Traumstern" in Lich abgesagt werden. Beschallten die Trommler aus dem Gießener Land in der Vergangenheit so publikumsträchtige Events wie zum Beispiel den Frankfurt Marathon, das Lahnuferfest und den "Lahngenuss" in Gießen, den "Markt der Kulturen" in Buseck, den Maimarkt in Hüttenberg, den Mitternachtslauf und den Faschingsumzug in Heuchelheim, so herrscht für die Hobbymusiker um deren professionellen Leiter Herbert Elischer (Heuchelheim) vorerst eine gewisse Perspektivlosigkeit. Keiner weiß, wann und wie es weitergeht. Dabei wünschen sich die 13 Aktiven nichts sehnlicher, als endlich wieder in ihren bunten Kostümen grooven zu können.

Diese Faktenlage ist an sich nicht neu, seit März trifft sie die meisten Künstler. Die Geschichte über die Sambaformation aber zeigt, was das im Einzelfall auch für Hobbymusiker bedeutet. Sechs Monate hatten sie sich etwa auf die Jubiläumsshow vorbereitet, die ursprünglich am 22. Mai in Lich stattfinden sollte. Wöchentlich wurde geprobt, überdies hatten die "Blocos" sogar ein Tagungshaus im Taunus gemietet, um dort gemeinsam am Jubiläumsprogramm arbeiten zu können.

Wie üblich wurde die Miete aus der Gruppenkasse finanziert, die in der Regel durch Einnahmen und Honorare bei Auftritten gespeist wird. Bei mindestens 15 geplanten Auftritten für 2020 eigentlich kein Problem - bis ihnen Corona einen Strich durch die Rechnung machte. Bis dahin hatte man intensiven Kontakt mit Biros Santos in Salvador da Bahia (Brasilien) gepflegt. "Wir haben Ideen über musikalische Inhalte ausgetauscht, haben uns Musikdateien gesendet und gemeinsam an Stücken gebastelt", sagt Elischer.

Der Brasilianer war als "Special Guest" im Jubiläumsprogramm eingeplant. Dank Unterstützung des Gießener Kulturamtes, eines Gigs beim "Musikalischen Sommer" auf dem Schiffenberg und eines in der Folge geplanten öffentlichen Workshops von und mit Biros Santos in der Region wäre dessen Reise leicht zu finanzieren gewesen; weitere Workshops in Süddeutschland waren bereits festgezurrt. "Wir haben diesen Dingen entgegengefiebert", sagt Elischer. Mit Corona kam alles anders - Absage folgte auf Absage.

Die Hoffnung ruht auf 2021. Doch ob sich dies alles im kommenden Jahr umsetzen lässt? Dankbar ist man für die Zusage der "Traumstern"-Kinobetreiber, das Programm mit einjähriger Verspätung in Lich präsentieren zu können. Auch das Gießener Kulturamt hat Hilfe für 2021 signalisiert.

Die Corona-Misere betrifft Leiter Elischer auch persönlich - als Solo-Selbständigen. "Zeit und Energie, die in dieses Projekt geflossen sind, können mit keinem Honorar beglichen werden", sagt er.

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