Halt! Wertstoffe wie Metall gehören ebenso wenig in die graue Restmülltonne wie biogene Abfälle. Eine nun veröffentlichte Studie des Umweltbundesamtes beziffert den Anteil der Fehlwürfe auf 68 Prozent. Eine ältere Erhebung für den Landkreis hatte exakt den selben Wert ergeben. FOTO: DPA
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Halt! Wertstoffe wie Metall gehören ebenso wenig in die graue Restmülltonne wie biogene Abfälle. Eine nun veröffentlichte Studie des Umweltbundesamtes beziffert den Anteil der Fehlwürfe auf 68 Prozent. Eine ältere Erhebung für den Landkreis hatte exakt den selben Wert ergeben. FOTO: DPA

Mülltrennung

Trennen die Kreis-Gießener den Müll richtig?

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Nur 32 Prozent der Stoffe in der grauenTonne sind "echter Restmüll - bundesweit." Wie ist es um den heimischen Müll bestellt? Und was tut der Kreis für mehr Disziplin, wenn es ums Trennen geht?

Vergleichende Analyse von Siedlungsrestabfällen zur Bestimmung des Anteils an Problemstoffen und verwertbaren Materialien" - hinter dem "etwas" sperrigen Titel verbirgt sich eine bundesweite Erhebung aus dem Jahr 2018. Das Umweltbundesamt griff soeben die Ergebnisse auf. Und die sind alles anders als weltmeisterlich. So wird des Deutschen graue Tonne im Schnitt zu mehr als zwei Dritteln (!) mit Fehlwürfen gefüllt. Trockene Wertstoffe wie Papier, Plastik oder Glas machen 28 Prozent aus, biogene Abfälle wie Grünschnitt oder Speisereste sogar 39 Prozent.

Lassen sich die Ergebnisse des deutschlandweiten Griffs in die Tonne aufs Gießener Land übertragen? Im Grundsatz ja, lautet die Antwort des Kreises, als der für Abfallwirtschaft zuständigen Behörde.

Was auch dafür spricht: Vor acht Jahren hatten Kreis und Stadt Gießen das Projekt "WERTvoller 2020" in Auftrag gegeben, den Restmüll sortieren lassen. Die Fehlwürfe hatten mit 68 Prozent exakt den Wert der bundesweiten Studie. Hinzu kamen aber weitere interessante Details.

Wenig überraschend: Der Stadt-Gießener produziert mehr Restmüll als der Umlandbewohner. In Zahlen: 168 statt 102 Kilo. Ein Ergebnis, dass sich auch in der vom Umweltbundesamt zitierten Erhebung findet und mit der größeren Zahl von Großwohnanlagen korrespondiert.

Was zunächst den Anteil der biogenen Fehlwürfe im Kreis Gießen betrifft, machte der 28 Prozent aus. "Viel zu hoch", unterstreichen die Abfallwirtschaftler mit Sitz an den Rivers Barracks. Erschreckend aber war vor allem der hohe Anteil der Lebensmittel. "Die lagen zum Teil wie frisch gekauft in der Tonne."

Immerhin rangiert der Kreis-Gießener noch vor dem deutschen Durchschnittsbürger, dessen graue Tonne zu 39 Prozent für Bioabfall missbraucht wird.

Und auch bei den trockenen Wertstoffen erhält er bessere Noten im Fach Mülltrennung, liegt mit 16 Prozent weit vor dem Bund mit 28 Prozent.

Nicht vergessen sei grundsätzlich, dass beide Erhebungen ob der unterschiedlichen Methodik nur eingeschränkt vergleichbar sind. Die Studie "WERTvoller 2020" beschäftigte sich etwa mit dem deutlichen Anteil an Altbatterien und weiteren Einzelmaterialien im Restmüll.

Was aber an den Defiziten nichts ändert, wenn es um umweltgerechte Entsorgung geht. Dagegen hat der Kreis in den letzten Jahren einiges unternommen, wie dessen Pressestelle im Weiteren ausführt.

Erwähnt sei zunächst die Öffentlichkeitsarbeit, darunter Unterrichtsprojekte an Schulen. "Die Schonung unserer endlichen Ressourcen durch Recycling wird dabei praktisch erfahrbar gemacht." Im Fokus steht dabei gerade das Thema "Keine Lebensmittel im Müll".

Vor allem aber verweist die Behörde auf die kommunalen Wertstoffhöfe. Deren Zahl ist auf 14 gestiegen, samt erweitertem Annahme-Sortiment. Zumindest kleinere Mengen an Wertstoffen hätten so der Restmülltonne entzogen werden können.

Was die blauen Tonnen angeht, gibt es dagegen recht positive Nachrichten aus dem Kreishaus: "Generell ist deren Inhalt von guter Qualität." Was wohl daran liege, dass dieser Wertstoff als sauberer Abfall wahrgenommen werde, "aus dem ganz klar neues Papier oder Pappe wird." Die Schwelle, es mit Fremdstoffen zu vermischen, sei darum hoch.

Offensichtlich ist die bei der grauen Tonne viel niedriger. Zumal bei der Abfuhr der Restmülltonnen keine standardisierte Kontrolle gibt, kein Wiegen stattfindet. Würden aber durch Gewicht, Geräusch oder Sichtkontrolle falsch befüllte Behälter entdeckt, blieben diese stehen und würden gekennzeichnet. "Eine Leerung findet erst nach dem Entfernen des Störstoffes statt".

Mehr Kontrolle war und ist bei der Biotonne: Hier werden Fahrzeuge mit Detektoren eingesetzt, die Störstoffe wie Getränkedosen, Aluminiumfolie, Draht und selbst metallbeschichtet Chipstüten erkennen. Schlägt der Detektor an, verhindert eine Vorrichtung am Müllauto das Leeren der Tonne. Der Bürger findet dann eine "Rote Karte" an der grünen Tonne. Entweder der "Müllsünder" entfernt die Störstoffe oder die Tonne wird kostenpflichtig einmalig als Restmüll abgefahren.

Dank Störstoffdetektoren, so die Abfallwirtschaft, sei von einer Verbesserung der Bioabfallqualität auszugehen. Deren Einsatz war nötig geworden, da der Anteil nicht kompostierbarer Stoffe zugenommen hatte. Gerade Plastik sei ein Problem - und übrigens auch die biologisch abbaubaren Kunststofftüten, da deren Verrottung im Kompostierwerk nicht möglich sei.

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