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Vom Brautkleid bis zu den Flitterwochen - manche Paare verbringen Monate mit der Planung ihrer Hochzeit. In der Pandemie ist nun aber bisweilen Spontanität gefragt. SYMBOLFOTO: BEN BIRCHALL/DPDA

Trauen sich viele nun doch?

  • Lena Karber
    VonLena Karber
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Viele Auflagen und wenig Planungssicherheit: Heiratswilligen, die von einer riesigen Hochzeit mit allem möglichen Schnickschnack träumen, macht die Pandemie im zweiten Jahr in Folge einen Strich durch die Rechnung. Doch nicht jeder lässt sich abschrecken. Für einige bietet die Situation sogar Vorteile.

Ein leicht zu merkendes Datum oder doch der Wunschtermin im Frühsommer? Ein Prinzessinnenkleid oder eher schlicht? Eine schicke Location oder lieber eine romantische Scheunenfeier? Damit von der Einladungskarte über die Sitzordnung bis zum Menü alles perfekt ist, verbringen Paare zum Teil Monate mit der Planung ihrer Hochzeit - schließlich gilt der Termin noch heute oftmals als »der große Tag« im Leben. Wenn dann eine weltweite Pandemie plötzlich alles über den Haufen wirft, kann das schon einmal für Unsicherheit sorgen. Trotzdem feiern oder verschieben? Diese Frage hat im vergangenen Jahr wohl viele hochzeitswillige Paare beschäftigt.

Doch wer seine Hochzeit auf 2021 verschoben hat, steht in diesem Jahr wieder vor denselben Fragen. Bis in den Frühsommer hinein hatte die dritte Corona-Welle das Leben hierzulande fest im Griff und auch jetzt sind Trauungen nur im kleinen Rahmen und Feiern ohne Auflagen nur mit maximal 25 Personen möglich - von der weiterhin fehlenden Planungssicherheit ganz zu schweigen. Wie wirkt sich das auf die Trauungen im Landkreis Gießen aus?

»Es gibt einige Brautpaare, die in 2020 nach 2021 verschoben hatten und die Trauung nun auch durchführen werden, da sie nicht mehr länger warten wollen«, berichtet die Wettenberger Standesbeamtin Sonja Tembeck. »Es haben viele Verschiebungen stattgefunden, aber auch etliche Trauungen in sehr kleinem Rahmen«, sagt ihre Staufenberger Kollegin, die in den vergangenen Monaten zudem festgestellt hat, dass nicht jedem die Begrenzung der Gästezahl etwas ausmacht. »Manche Brautpaare sind darüber froh, manche bedauern es.«

Wenig zu schaffen machen den Heiratswilligen nach Einschätzung der Langgönser Standesbeamtin Nadine Riesner jedenfalls die Beschränkungen im Trauzimmer selbst - also die Begrenzung der Personenzahl, Maskenpflicht, Kontaktdatenerfassung und Testpflicht.

»Daran haben sich die Brautpaare mittlerweile gewöhnt, da dies sozusagen auch Teil unseres alltäglichen Lebens geworden ist«, sagt sie. Stattdessen spiele bei der Entscheidung für oder gegen eine Hochzeit vor allem die Frage, unter welchen Bedingungen die anschließende Feier stattfinden kann, eine Rolle. »Gerade Brautpaare, die nur eine standesamtliche Ehe schließen und keine kirchliche, möchten den wichtigen Moment mit all ihren Lieben teilen und auch eine Hochzeitsfeier ohne Einschränkungen erleben«, sagt Riesner.

Wie stark der Rückgang der Trauungszahlen bei den Standesämtern ausgefallen ist, ist in den einzelnen Kommunen indes sehr unterschiedlich. Während in Pohlheim im ersten Halbjahr 2021 fast genauso viele Hochzeiten stattgefunden haben wie 2019, hat sich deren Zahl in Wettenberg oder Staufenberg mehr als halbiert. Hier scheinen vor allem die örtlichen Begebenheiten eine Rolle zu spielen.

»Der Rückgang ist auch damit begründet, dass wir viele Brautpaare aus anderen Kommunen haben, die sich gerne auf Burg Gleiberg das Jawort geben möchten«, heißt es etwa aus Wettenberg. Diese Paare seien dann darauf angewiesen, dass die Gastronomie geöffnet habe - was bis in den Mai hinein ja nicht der Fall war. Dies dürfte auch in Staufenberg eine Rolle spielen, wo laut Wagner nur wenige der 16 bis Juni geschlossenen Ehen auf der Burg besiegelt wurden. »Trauungen, die von außerhalb auf der Burg Staufenberg stattfinden sollten, sind in einigen Fällen dann doch im Heimatstandesamt vorgenommen worden«, sagt sie.

Aufgrund der inzwischen geöffneten Gastronomie und den Lockerungen der Kontaktbeschränkungen wandelt sich das allerdings deutlich - und viele Paare buchen nun kurzfristig einem Trauungstermin. »In den letzten Wochen bekommen wir täglich mehrere Anfragen, ob noch Termine für 2021 verfügbar sind«, sagt Tembeck. Somit stünden in Wettenberg am Ende des Jahres sicherlich deutlich mehr als die bislang eingetragenen 36 Hochzeiten im Kalender. Je nach Verlauf der Pandemie könnte durchaus ein ähnlicher Effekt einsetzen wie im vergangenen Jahr, wo sich die Haupt-Hochzeitszeit etwas nach hinten verschoben hatte: von Mai und Juni auf Juli und August.

Nach 89 Eheschließungen im Jahr 2019 standen 2020 am Ende dann 76 Hochzeiten zu Buche - viele davon als »Freilufttrauungen« auf der Burg, die ebenso wie die »Parktrauungen« in Buseck in der Pandemie sehr beliebt sind.

»Den größeren Nachholeffekt wird es vermutlich erst nächstes Jahr geben«, meint allerdings der Busecker Standesbeamte Alexander Ringelhof. Damit rechnet man auch in Langgöns.

»Trotzdem halten sich die Brautpaare mit Reservierungen von Terminen für das kommende Jahr zurück«, sagt Riesener. Angesichts der anhaltenden Planungsunsicherheit wird Spontanität beim Heiraten offenbar wieder vermehrt Trumpf.

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