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Trafohaus wird Naturschutzoase

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
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Raum ist in der kleinsten Hütte, sogar für einige Hundert Lebewesen. Etwa in einem Fünfzigerjahre-Bau am Turnerplatz in Rodheim-Bieber. Das alte Trafohaus wird umgebaut und soll Heimstatt für Fledermäuse werden. Möglich macht’s die Umweltlotterie GENAU.

Hochspannung, Lebensgefahr!" - die Aufschrift auf dem gelben Blechschild ist eindeutig, aber veraltet. Von dem um 1957 erbauten Transformatorenhäuschen in Rodheim-Bieber, das am Turnerplatz in der gleichnamigen Straße unmittelbar an der Mauer zum Gail’schen Park steht, ist heute kein Stromschlag oder ähnliches Ungemach mehr zu befürchten.

Das ortsbildprägende Türmchen hat mit der Modernisierung des Stromnetzes seine ursprüngliche Funktion verloren. Die hat längst eine Kabelfertigstation übernommen, die alten Freileitungen wurden - bis auf einige "Nachzügler" - durch Erdkabel ersetzt.

Ein "Eigenheim" für 24 000 Euro

Schon lange hatte Inge Mohr, rühriges Vorstandsmitglied des Naturschutzbund-Ortsvereins (NABU) Rodheim-Bieber mit einer speziellen Verwendung des Trafohauses geliebäugelt. Nachdem der Bau vom Stromversorger EON in den Besitz der Gemeinde Biebertal übergegangen war, hatte zunächst ein Abriss zur Debatte gestanden - vor allem, um drohende Kosten für die Verkehrssicherung zu vermeiden. Da aber das Trafohaus inzwischen als das einzige seiner Art in der Großgemeinde übriggeblieben ist und in gewisser Hinsicht zum Gesamtensemble der historischen Parkmauer gehört, trat der NABU als Pächter auf den Plan.

Mohr begeisterte die NABU-Verantwortlichen um den 1. Vorsitzenden Markus Schmidt von der Idee, genau dort Lebensraum für bedrohte Tierarten zu schaffen. Die Finanzierung des Projektes war anfangs unklar. "Es gibt interessante Projekte, deren Umsetzung langfristig der Bevölkerung zugutekommen, die aber eben nur wünschenswert, erhaltenswert oder schön sind", sagt Inge Mohr. Bei der finanziellen Situation der Gemeinde könnten viele Dinge nicht aus Steuermitteln finanziert werden. Mohr: "Ich setze mich dafür ein, dass anderweitige Quellen gefunden und genutzt werden."

Schon bei der Umgestaltung des Kreisels zwischen Rodheim und Heuchelheim vor zwei Jahren hatte der NABU-Ortsverband mit Erfolg beim Hessischen Umweltministerium eine Förderung aus der Umweltlotterie GENAU beantragt. Mit diesem Geld, immerhin 16 000 Euro, konnten insektenfreundliche Pflanzen und Sträucher sowie 4000 Blumenzwiebeln rechtzeitig vor dem Wintereinbruch in die Erde gebracht werden - heute ist das Areal eine Bienen- und Augenweide.

Vor wenigen Tagen gab es dann die nächste Überraschung: Der Antrag für das Projekt "Vom Trafohaus zur Naturschutzoase" wurde positiv beschieden - es gibt 24 200 Euro aus Mitteln der Umweltlotterie.

Für das Große Mausohr, das Braune Langohr und den Großen Abendsegler, für die bereits im und rings um den Gail’schen Park optimale Bedingungen herrschen, sind nun auch die entscheidenden Weichen zum neuen "Eigenheim" gestellt.

"In einer einzigen ›Wochenstube‹ können sich leicht 70 bis 200 Mamas und Kinder tummeln", verweist der NABU-Vorsitzende auf die künftigen Bewohner. An der Fassade sollen Mauersegler ein Quartier finden. Nach der bereits im Februar fristgerecht erledigten Entbuschung der von Efeu umrankten Außenmauern arbeitet Schmidt nun am Innenleben des Bauwerkes. In etwa neun Metern Höhe hat er einen Zwischenboden und ein schickes Spaltenquartier für die Fledermäuse eingezogen. Der "harte Kern" bei solchen Einsätzen besteht meist aus einer Handvoll Ehrenamtlicher - doch wenn der NABU zum Anpacken ruft, finden sich auch schon mal viele weitere Kräfte aus den Reihen der insgesamt 290 Mitglieder ein.

Versammlungsstätte

Finanziell dickster Brocken des Projektes sind die Dachsanierung und der neue Außenanstrich; die Aufträge gehen an örtliche Handwerksfirmen. Hinzukommen Nisthilfen für Höhlen- und Nischenbrüter und ein Insektenhotel. Am Boden könnten Lurche ein Winterquartier finden. All das wird sich prächtig einfügen in den künftigen Gesamtkomplex am alten Turnerplatz. Dank einer 14 000-Euro-Förderung der Region Gießener Land wird die Gemeinde Biebertal unter den mächtigen Eschen einen Lern- und Kommunikationsort für Kindergärten, Schulen und weitere Gruppen schaffen, über den "Treffpunkt mit Fledermäusen und Energie" informieren. Der Platz wird - wie früher - zur Versammlungsstätte.

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