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In der Braugasse in Lich war die Diskothek »Schuppen« einst ein beliebter Treffpunkt. Vor 40 Jahren wurde dort der Pächter in seinem Lokal getötet.

Mord verjährt nicht

Toter Wirt auf der Tanzfläche

  • Susanne Riess
    vonSusanne Riess
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Als die Putzfrau wie jeden Morgen in der Diskothek »Schuppen« in der Licher Braugasse ihren Dienst antritt, macht sie eine grausige Entdeckung: Auf der Tanzfläche liegt eine Leiche.

Die Diskothek mit der markanten Holvertäfelung an der Außenwand und dem schwarzen Kochtopfdeckel als Türgriff ist vor 40 Jahren ein beliebter Treffpunkt in Lich. Pächter ist der in Gießen lebende Perser Majid Majidan. Am 3. Dezember 1981 wird er kurz nach Beginn der polizeilichen Sperrstunde in seiner Diskothek überfallen und gewaltsam getötet. Der 36-Jährige kennt die Täter sogar: es sind die Brüder Wilfried und Robert N. aus Lich. Die Polizei muss nicht lange nach den Tätern suchen. Bereits am Tag nach der Gewaltat sind sie gefasst. Und beide legen sofort ein Geständnis ab.

Es ist kurz nach 1 Uhr, der letzte Gast hat das Lokal in der Braugasse gerade verlassen. Majid Majidan ist allein im »Schuppen«. Die beiden 22 und 26 Jahre alten Männern aus Lich lauern ihrem Opfer an der Hintertür der Disko auf. Als Majidan herauskommt, drängen die Täter ihr Opfer ins Lokal zurück und schlagen zu. Der Perser stürzt auf die Tanzfläche, der ältere der beiden Brüder tötet ihn. In der Tatnacht ist er zuvor als Gast kurz im »Schuppen« gewesen, dann ruft er seinen vier Jahren jüngeren Bruder Robert um Hilfe, er soll ihm bei dem Überfall zur Seite stehen.

Ist es eine von langer Hand geplante Tat? Was sind die Hintergründe für dieses Verbrechen? Die Details bringt ein Jahr später der Prozess ans Licht. Beide Brüder müssen sich wegen Raubmordes vor Gericht verantworten.

Leiche ndin Braugasse in Lich: Brüder hatten für den Wirt gearbeitet

Der Ältere von ihnen, Wilfried N., ist ein ehemaliger Geschäftspartner von Majidan und will ihm in der Tatnacht »einfach nur eine reinhauen, weil ich betrunken war, und der Perser mir wieder gedroht hatte, wenn ich ihm nicht die angeblich geschuldeten 5000 D-Mark zahlen würde, dann würde er sich meine Freundin vornehmen. Ich hatte plötzlich eine furchtbare Wut auf ihn«.

Beide Männer haben zuvor für den Getöteten gearbeitet. Robert N. als arbeitsloser Hilfsarbeiter als »Mädchen für alles«, der Ex-Schaustellergehilfe Wilfried N. zunächst als DJ, dann als »zweiter Mann« und schließlich als Geschäftsführer. Sie geraten mit dem Perser immer wieder in Streit. Robert N.: »Der war oft recht unwirsch und sauer, wenn ich nicht gleich tat, was er von mir wollte. Und Wilfried N.: »Als ich die Disko schließlich alleine führte, sollte ich Majidan monatlich 2500 Mark zahlen. Dazukam noch die Pachtgebühr von 1300 D-Mark.« Als das Geschäft ab Sommer nicht mehr floriert, und er dem Perser den vereinbarten Betrag nicht mehr zahlen kann, kommt es zum Bruch: »Im Juni schmiss er mich raus, später forderte er dann 5000 D-Mark von mir, obwohl ich ihm nur 1200 Mark schuldete«, sagt der Angeklagte. Der gefeuerte Kellner sinnt auf Rache. Und so nimmt der Plan der Brüder immer weiter Gestalt an: »Wir wollten ihm eigentlich nur ein Abreibung verpassen, aber er hatte sich so verbissen gewehrt.« Den Tod des Mannes hatten sie wohl nicht gewollt.

Raubmord in Licher Disco: Motiv war wohl Hass auf den Wirt

Laut Staatsanwalt hat sich die Tat vor fast 40 Jahren wie folgt zugetragen: Aus Hass auf den Wirt lauern die Brüder ihrem Opfer auf. Beide haben zu diesem Zeitpunkt bereits reichlich Alkohol konsumiert, Robert N. lässt sich von Majidan noch etwas zu trinken geben, dann ruft er seinen Bruder Wilfried. Der stürmt in die Disko, greift den überraschten Mann sofort an. Doch dieser wehrt sich, ruft um Hilfe. Beide Brüder kämpfen nun mit dem Perser, bis er bewusstlos auf die Tanzfläche stürzt. Wilfried N. würgt den Überfallenen, Robert N. knebelt ihn mit einem Handtuch von der Bar. Der ältere der beiden Brüder bestreitet, sein Opfer gewürgt zu haben. »Ich fasste ihn nur am Hals, als er schon bewusstlos am Boden lag. Ich wollte wissen, ob der Mann noch lebte.« Doch die Obduktion beweist etwas anderes, am Hals werden deutliche Würgemale entdeckt.

Als die Täter realisieren, dass Majidan tot ist, gibt es nur noch eines: »Nichts wie weg!«. Sie rauben zwei Geldtaschen aus der Thekenkasse, in denen sich fast 700 D-Mark befinden, fahren noch ein Stück mit dem Auto des Getöteten und legen sich dann zu Hause ins Bett. »Am nächsten Morgen kam mir alles wie ein Traum vor. Ich wusste erst nicht, war es Wirklichkeit oder eine Vision gewesen«, erinnert sich Robert N. Es war keine Vision.

Zwar werden die Brüder aus Lich schließlich nicht wegen Raubmordes verurteilt. Der Vorsitzende Richter: »Trotz der Motivbündel Hass, Habgier und Raub war’s kein Mord.« Dennoch müssen sie lange Zeit hinter Gitter. Wilfried N. wird wegen Totschlags und schweren Raubes zu zehn Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe, sein vier Jahre jüngerer Bruder Robert wegen Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu fünf Jahren Haft verurteilt.

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