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Verabschiedung von Grünbergs Bürgermeisters Ide: Das Foto zeigt ihn mit Stadtverordnetenvorsteher Erdmann (l.), da auch er dessen Verdienste würdigt.

»Themen der Menschen gesehen«

  • Thomas Brückner
    VonThomas Brückner
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Am 31. Januar endet die letzte Amtsperiode von Grünbergs Bürgermeister Frank lde. Ergebnis der Wahl im September, als der 59-Jährige mit 48,7 Prozent dem örtlichen CDU-Chef Marcel Schlosser (31) unterlegen war. Die Bitternis ob dieser Enttäuschung durchdrang auch noch die Rede, die er nun, elf Wochen später, bei seiner Verabschiedung hielt.

Demokratie bringt immer wieder Veränderungen mit sich. Dafür braucht es Persönlichkeiten, die sich zur Wahl stellen, dabei aber zur Zielscheibe von Zorn werden können«, konstatierte Landrätin Anita Schneider in Grünberg. Mit Blick auf jüngste Übergriffe von Impfgegnern auf Politikerinnen in Ostdeutschland fügte sie an: »Demokratie braucht auch eine Kultur des Respekts.«

Schneider eröffnete damit den Reigen der Reden, mit denen Wegbegleiter von Frank Ide dessen 18-jähriges Wirken als Bürgermeister würdigten. Im Rahmen der Stadtverordnetensitzung fand am Donnerstag nun die offizielle Verabschiedung statt.

Ide, so die Landrätin, habe in den 18 Jahren die Entwicklung Grünbergs geprägt. Dafür gebühre ihm Respekt und Anerkennung. Vieles, was er angestoßen habe, werde bleiben, sei es der Ausbau des Fremdenverkehrs, die Aufwertung zur familienfreundlichen Stadt, die Förderung des Vereinswesens und der Feuerwehr oder die Dorfentwicklung. Die Landrätin direkt an Ide gewandt: »Sie haben die Themen der Menschen gesehen und dafür Lösungen erarbeitet.«

Seit 36 Jahren in Grünbergs Kommunalpolitik engagiert - da nimmt es nicht Wunder, dass von den 37 Stadtverordneten Reinhard Ewert die Laudatio hielt. Wie seine Vorrednerin würdigte er Ides »großes Engagement«, mit dem er die Geschicke der Gemeinde geleitet habe.

Zu dessen Verdiensten zählte Ewert aber auch das: »Uns, dem Parlament, und Ihnen gelang es über die Jahre, dass es keine Blockbildung, kaum festgefahrene Mehrheiten gab.« Auch bei aller Gegensätzlichkeit habe dies die Atmosphäre positiv geprägt.

Dem FW-Politiker gab der Grünen-Sprecher diesen Rat auf den Weg: »Die Enttäuschung über die nicht gewonnene Wahl weicht allmählich, Konturen eines neuen Lebensabschnitts werden erfahr- und sichtbar. Sie werden es schätzen lernen. Herr Ide: Es gibt zwar kein Leben ohne Politik, aber ein Leben ohne Kommunalpolitik.«

Namens der Bürgermeister im Landkreis verriet Stefan Bechthold, was die Kollegen an Ide besonders schätzten (»abgesehen von seiner Kassenführung für die Klausurtagungen«): Fast nichts habe diesen aufregen können - außer allzu lange Verfahren und ideologisierte Debatten. So formulierte es der Fernwälder Rathauschef, der zum Monatsende ebenfalls, aber aus »freien Stücken« aus dem Amt scheidet. Ein Bürgermeister, das als Bechtholds Maxime, müsse nicht nur Ideen für die Zukunft seiner Gemeinde kreieren, sondern auch Strategien entwickeln, um die Visionen, die er mit den Bürgern teile, umsetzen zu können. »Das, Frank, ist Dir gelungen.«

Bernhard Linker, Grünbergs Kämmerer, erinnerte an die »gewaltigen Umstellungen«, die zum Amtsantritt Ides 2004 auf die Verwaltung zukamen, erst recht mit dem Wechsel von Kameralistik zur Doppik. Sein Wirken in der Stadtverwaltung, sein Einsatz als Chef und Kollege, »wenn auch nicht immer pflegeleicht«, sei vorbildlich gewesen.

»Ich habe ständig auf was Negatives gewartet, alle haben sich aber offensichtlich zurückgehalten« - mit launigen Worten eröffnete Frank Ide seine Rede. Und erinnerte zunächst an seine Amtseinführung am 30. Januar 2003: Freud und Leid lägen halt oft dicht beieinander, damals die Trauer über den Tod der Mutter fünf Tage zuvor, heute das Glück, seinen 88-jährigen Vater im Saal sehen zu dürfen.

Wie die Rede anlegen, korrekt, flapsig oder kritisch, nach den Enttäuschungen der letzten Monate? Auf Letzteres habe er am Ende doch verzichtet, sei dem Rat guter Freunde gefolgt: »Frank, Du hast es nicht nötig, dich auf dieses Niveau zu begeben.« Die Bitternis über die Wahlniederlage klang in diesen Worten deutlich nach. Er habe es wohl versäumt, meinte der FW-Politiker, seine Leistungen deutlicher zu machen. Gewiss habe er nicht alles richtig gemacht, doch stets versucht, daraus zu lernen.

»Es waren interessante, auch herausfordernde 18 Jahre«, fuhr er fort. Dass sich währenddessen die politische Kultur im Parlament »unaufgeregt und kooperativ« gestaltete, sah Ide auch als sein Verdienst an. Jetzt aber gelte es nach vorn zu schauen. Grünbergs Zukunft weiter erfolgreich zu gestalten, lautete da sein Appell an all jene, die nach ihm Verantwortung tragen. »Das gelingt nicht mit Missgunst, sondern Freude im Herzen.«

Am Ende verlas der 59-Jährige, im »Indianerviertel« aufgewachsen, einen »Liebesbrief an mein Grünberg«. Eine Art Bilanz seines Wirkens, erwähnte er doch die Fortschritte bei der Kinderbetreuung, im Fremdenverkehr und kulturellem Leben, die Förderung des Ehrenamts, geleistet auch von 300 Feuerwehrleuten, das Prädikat »Einkaufsstadt«, aber auch den Beitrag zur Energiewende dank der Windparks. »Ich bin stolz auf das, was ich mit Ihnen geleistet habe«, schloss Ide mit Blick auf die Stadtverordneten, und diese wie auch die Gäste quittierten es mit stehendem Applaus.

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