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Auf dieser Fläche am Ortseingang von Grünberg sollen vier Mehrfamilienhäuser entstehen. Für den Magistrat ist die Planung "zu erdrückend". FOTO: TB

Das Tauziehen geht weiter

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Grünberg(tb). Ein Ärgernis, das Grünbergs Kommunalpolitiker seit rund zehn Jahren nervt, hat sich verflüchtigt: Hunderte Tonnen Bauschutt und Erdaushub, gelagert auf der Brachfläche gegenüber vom Edeka-Markt, wurden in den vergangenen Tagen entsorgt.

Eine ebene Fläche bietet sich nun dem Auge dar. Geht es nach den Plänen einer privaten Projektträgergesellschaft, werden am Entree der Stadt in Bälde Mehrfamilienhäuser errichtet.

So bald wie von den Investoren erhofft, dürfte es jedoch nichts werden: Der Magistrat, so Bürgermeister Frank Ide auf Nachfrage, hat sein Einvernehmen zum Bauantrag aufs Neue verweigert. "Zu erdrückend" sei das Vorhaben für die Anwohner.

Zur Erinnerung: Im Vorjahr hatten Grünbergs Stadtväter den ursprünglichen Bauantrag, bei der Kreisbauaufsicht am 28. Mai 2019 eingereicht, erstmals zurückgewiesen. Demgemäß plante die private Projektträgergesellschaft in der Willy-Brandt-Straße 1-9 vier Gebäude; jeweils vier Stockwerke hoch, mit jeweils elf Wohneinheiten. Zudem 36 Garagen, die zur B 49 hin entstehen sollen.

Der Bebauungsplan "Gießener Weg", rechtsgültig seit Anfang der Nullerjahre, sieht an dieser Stelle jedoch nur bis zu drei Vollgeschosse vor. Im Grundsatz, sind doch Ausnahmen möglich: So darf ein Dach- zum Vollgeschoss ausgebaut werden, sofern im B-Plan festgesetzte Höhen eingehalten werden. In diesem Fall eine Traufhöhe von bis zu zehn, eine Firsthöhe von maximal 14 Metern.

Rechtliche Handhabe

Diese Grenzen aber wären, so damals Bürgermeister Ide, gerissen worden: Einzurechnen sei die geplante Geländeaufschüttung um 1,80 Meter. Die Nachbarn müssten somit auf eine über 15 Meter hohe Wand aus vier versetzt errichteten Häusern schauen. Fazit: "zu mächtig".

Dem Argument schloss sich die letztentscheidende Kreisbehörde an und verweigerte die Genehmigung. Die Projektierer avisierten darauf eine geänderte Planung. Seit Kurzem liegt sie nun vor. Wie der Landkreis auf Anfrage dieser Zeitung dazu erklärte, sei diese gegenüber der Urplanung "beinahe unverändert", etwa was die Gebäudezahl betrifft. Dagegen sei die Geländeaufschüttung reduziert worden. So weit, so gut. Weiter heißt es aber dann: "Bei zwei Baukörpern ist je ein Keller hinzugekommen, diese besitzen somit quasi fünf Geschosse."

Wie beim ersten Anlauf, so dürfte Grünberg wiederum über die rechtliche Handhabe verfügen, um ein "Veto" einzulegen: Für eine Ausnahmegenehmigung zum Ausbau eines Dachgeschosses zum Vollgeschoss, so erklärte der Landkreis selbst, sei das Einvernehmen der Kommune erforderlich. Die aber sieht sich dazu außerstande, erachtet man doch auch die neue Planung für die Umgebung als zu "erdrückend". Weitere Bedenken hat der Magistrat in puncto Brand- und Rettungseinsätze: Die Erschließung des Areals sei "nicht gesichert".

Wie geht es nun weiter? Die Bedenken der Stadt werden derzeit von der Bauaufsicht und dem Fachdienst Gefahrenabwehr des Landkreises geprüft. Die Antragstellerin erhält Gelegenheit zur Stellungnahme. Die Kreispressestelle: "Mit einer abschließenden Entscheidung ist in drei bis vier Wochen zu rechnen."

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