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Taipeh, Frankfurt - Lich!

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Was verbindet Taiwan mit Mittelhessen? Wirtschaftskontakte. Austausche und Begegnungen zwischen Studenten und Lehrenden der Universitäten in Gießen und Marburg. Und die besonderen Beziehungen von Hermann Otto Solms zu diesem Staat.

Venedig als Kulisse beim feinen Italiener, der Generaldirektor der Frankfurter Vertretung von Taiwan, David W. T. Chang ist mit dem Direktor der Wirtschaftabteilung, Ching-Yun Huang, und Direktorin Ally Roan zu Gast bei Dr. Hermann Otto Solms. Lich international.

Fragt man den Generalkonsu l von Taiwan nach Wirtschaftskontakten zu hessischen Unternehmen, da fallen ihm sofort Optotech in Launsbach und Zeiss in Wetzlar ein. Und über Mittelhessen hinaus Hoechst und Merck. Hermann Otto Solms vernimmt das mit Freude. In seinen vielen Jahren als Bundestagsabgeordneter und Vizepräsident des hohen Hauses hat der Liberale stets für einen intensiven Austausch zwisch en Deutschland und Taiwan geworben. Mehrfach weilte er in der Inselrepublik vor dem chinesischen Festland - jetzt begrüßte er den Generaldirektor zum Austausch im heimischen Lich.

Taiwan befindet sich in einer besonderen politischen Situation, wird angesichts des Drucks der Volksrepublik China von etlichen Staaten, auch von der EU, völkerrechtlich nicht anerkannt. Die Drohung Chinas: Abbruch der Handelsbeziehungen. Dahingegen bekennt Solms: "Die FDP steht für eine Anerkennung von Taiwan." Das Land will selbstständig sein, Taiwan brauche niemanden, der von außen sagt, was zu tun sei, verweist der Liberale auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Er plädiert dafür, dass Deutschland und die EU in der Taiwan-Frage gegenüber China "energischer und selbstbewusster" auftreten sollten.

Denn die Welt könnte viel von dem 25-Millionen-Einwohner-Land lernen, ist sich Solms sicher. Taiwan ist sehr erfolgreich im Bekämpfen der Corona-Pandemie, könnte diese Erfahrungen etwa in der Weltgesundheitsorganisation einbringen. Die Infektionszahlen sind im weltweiten Vergleich mit am niedrigsten.

Die Regierung in Taipeh habe im Januar schnell angemessene Maßnahmen ergriffen, berichtet Chang: Die Grenzen wurden weitgehend geschlossen, die Maskenproduktion hochgefahren; zudem wurden eigene Masken mit einem Filtervlies entwickelt. Eine schnelle Reaktion deshalb, weil das Land 2003 bittere Erfahrungen mit SARS-CoV-1 gemacht hatte. Die Einschränkungen des täglichen Lebens der Menschen heute sind angesichts der niedrigen Infektionsrate gering.

Gleichwohl wirkt sich die Pandemie wirtschaftlich aus: Betroffen ist beispielsweise die Tourismusbranche. Die Taiwaner reisen aufgrund der Beschränkungen derzeit wenig, bleiben zu Hause. Und Urlaub in Taiwan? Das haben in den vergangenen Jahren rund 72 000 Deutsche gemacht. Umgekehrt reisten 2019 etwa 363 000 Bürger aus Taiwan nach Europa, 70 000 davon kamen nach Deutschland, Tendenz steigend. Zumindest bis die Pandemie kam. Vor Corona gab es einen täglichen Flug Taipeh-Frankfurt mit Passagieren und Fracht. Aktuell bleiben die Passagierdecks meist verwaist. Doch die wirtschaftlichen Beziehungen tragen auch in der Krise, Deutschland ist Taiwans größter Handelspartner in Europa. Allein das Exportvolumen aus Hessen in Richtung Taiwan beträgt rund 814 Millionen Euro im Jahr, in umgekehrter Richtung sind es 560 Millionen Euro. Das ist stattlich.

Noch eine Zahl: Rund 30 taiwanische Unternehmen sind mit Niederlassungen oder Vertretungen in Hessen zu finden - und es können noch mehr werden. Denn infolge des Brexit gewinnt Frankfurt als internationaler Finanzplatz an Bedeutung. Da ist die "Bank of Taiwan" bereits mit einer Vertretung präsent - und die "First Bank" prüft, eine Niederlassung in Frankfurt zu gründen. Starke Wirtschaftsbereiche in Taiwan wie etwa Informations- und Kommunikationstechnik seien von der Corona-Pandemie nicht negativ beeinflusst worden, konnten stattdessen beachtliche Zuwachsraten verzeichnen, berichtet der Generaldirektor.

Und die Justus-Liebig-Universität in Gießen und die Nationale Dong Hwa Universität haben in den vergangenen Jahren Begegnungen organisiert. Zudem gibt es einen Austausch zwischen der katholischen Fu-Jen-Universität und der Universität in Marburg. Hermann Otto Solms vernimmt auch das mit Freude.

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