Das interdisziplinäre Therapiezentrum Cooperando in Lich bietet ein neues Beweglichkeitstraining an. "Five" soll helfen, wichtige Muskelketten wieder auf Zug zu bringen. Physiotherapeut Ferdinand Jeske zeigt, wie am "Hip" die vordere Muskelkette gedehnt wird. FOTO: US
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Das interdisziplinäre Therapiezentrum Cooperando in Lich bietet ein neues Beweglichkeitstraining an. "Five" soll helfen, wichtige Muskelketten wieder auf Zug zu bringen. Physiotherapeut Ferdinand Jeske zeigt, wie am "Hip" die vordere Muskelkette gedehnt wird. FOTO: US

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Täglich 15 Minuten "Five"

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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"Five" heißt ein Trainingskonzept, das verkürzte Muskelketten wieder auf Zug bringen und so bei Rücken- und Gelenkschmerzen helfen soll. Im Therapiezentrum Cooperando in Lich kann man es jetzt ausprobieren.

Zwanzig, dreißig oder vierzig Kilometer laufen: Für die Jäger und Sammler in der Steinzeit war das ganz normal. Bis heute ist unser Körper genetisch auf Bewegung programmiert. Doch der Mensch im digitalen Zeitalter läuft nicht. Er sitzt. Stundenlang. Im Auto, vor dem Computer und abends auf dem Sofa. Auf Dauer tut das dem Körper nicht gut. Rücken- und Gelenkbeschwerden gelten als Volkskrankheit Nummer 1. Auch Anja Croes, die Gründerin des Therapiezentrums Cooperando in Lich, blieb vor vier Jahren davon nicht verschont. Damals stieß sie auf "Five", ein spezielles Beweglichkeitstraining. "Es erschien mir einleuchtend", sagt die gelernte Physiotherapeutin. Sie hat es ausprobiert, es hat ihr geholfen. Und sie fand, dass "Five" auch gut zum interdisziplinären Konzept von Cooperando passen würde. Jetzt sind Croes, ihr Mann Andreas Stocker und ihre Kollegen am Ziel. In diesem Jahr haben sie ihr Therapiezentrum im Carl-Benz-Ring erweitert. Im neu angebauten Gruppenraum entstand ein großer "Five"-Parcours, auf dem nun die ersten Kurse angeboten werden.

Bei "Five" stehen nicht einzelne Muskeln im Vordergrund, sondern Muskelketten, die den ganze Körper durchziehen. Mit der vorderen, der hinteren, der seitlichen, der diagonalen und der zentralen, inneren Kette spricht das Konzept die fünf wichtigsten an; daher auch der Name: Five.

"Wie ein Gummiband hat jede Muskelkette einen Anfang und ein Ende und eine maximale Ausdehnung", sagt Physiotherapeut Ferdinand Jeske, der in den vergangenen Wochen bereits mit einigen Patienten im "Five"-Zirkel trainiert hat. "Aber wir bewegen uns nicht mehr artgerecht." Durch das ständige Sitzen mit gebeugten Gelenken verkürze sich das Gewebe. "Der Köper kann das bis zu einem gewissen Punkt kompensieren", weiß Jeske. Doch irgendwann kommt der Schmerz.

"Five" soll helfen, die gesamte Kette mit Muskeln, Gelenken und Faszien wieder auf Zug zu bringen. "Die Geräte stabilisieren und sorgen für einen gesicherten Bewegungsablauf", erläutert Andreas Stocker, der zum Leitungsteam von Cooperando gehört. Später sollen die Nutzer die Übungen eigenständig ohne Hilfsmittel zu Hause absolvieren können. "In 15 Minuten pro Tag kann man viel erreichen", versichert Jeske. "Da reicht schon die Mittagspause."

Der "Five"-Zirkel im neuen Gruppenraum von Cooperando ist ziemlich umfassend. Es gibt Stimulatoren für Fußreflexzonen und Faszien und Geräte, die Namen tragen wie "Ischio", "Chest", "Spagat" oder "Hip". Hip wie Hüfte. Das Gerät ist ein Klassiker für alle, die viel am Schreibtisch sitzen. Es trainiert die hüftbeugende Muskulatur in die Streckung. Wer sich kniend auf dem hölzernen Rundbogen weit nach hinten streckt, dabei Unterschenkel und Füße fest in die Matte presst und fünfmal tief atmet, merkt schnell, wie die Bauchmuskulatur zu zittern beginnt. Das muss so sein, denn bei "Five" geht es nicht um Dehnung, sondern um aktives Muskellängentraining, wie Stocker erläutert. In Großstädten sei "Five" schon weit verbreitet. Hier in der Region aber sei die Zahl der Anbieter überschaubar.

Die Investitionen für den Anbau des Gruppenraums und den umfangreichen "Five"-Zirkel hat Cooperando mithilfe von Fördermitteln für den ländlichen Raum gestemmt. "Das war wichtig", betont Anja Croes. "Ohne diese Unterstützung hätten wir es nicht geschafft."

Bei Cooperando kann man "Five" allein oder in Kleingruppen trainieren, aber immer begleitet von Therapeuten. "Das ist uns wichtig", sagt Ferdinand Jeske. "Ohne kompetente Anleitung bleibt man in der Komfortzone. Dann bringt es nichts."

Grundsätzlich sei das Training für fast alle Menschen geeignet, für Kinder genauso wie für Senioren, für die Reha genauso wie für die Prävention oder für Sportler. Und Stocker berichtet von einem Vortragsabend über das Beweglichkeitskonzept, zu dem Cooperando vergangene Woche eingeladen hatte. Ganz unterschiedliche Interessenten seien gekommen. "Die älteste Besucherin war 82."

Cooperando wurde von Anja Croes als Physiotherapiepraxis gegründet. Aus der Kooperation mit anderen Praxen entwickelte sich das interdisziplinäre Konzept. Heute vereint Cooperando verschiedene Therapieformen für Säuglinge, Kinder und Erwachsene unter einem Dach. Dazu kommt einumfangreiches Kursangebot. Das Zentrum im Carl-Benz-Ring, in dem 24 Mitarbeiter beschäftigt sind, wurde in diesem Jahr um einen Five-Gruppenraum und ein Café für Gespräche erweitert.

www.cooperando.de

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