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Andreas Heuser

Superwahltag im Gießener Land

  • Thomas Brückner
    VonThomas Brückner
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208 000 Menschen im Landkreis Gießen haben am 26. September die Wahl, rund 31 600 gleich dreimal: In Buseck, Grünberg und Wettenberg sind die Bürger aufgerufen, nicht nur ein Kreuzchen hinter ihre Favoriten bei der Bundestags- und Landratswahl zu machen. In den drei Kommunen fällt zudem die (Vor-)Entscheidung, wer in den nächsten sechs Jahren das Amt des Bürgermeisters versieht.

Gestern Abend endete die Bewerbungsfrist.

Am letzten Sonntag im September ist Wahltag im Gießener Land. Superwahltag. Schon gar für jene Kreisbürger, die gleich dreimal zur Stimmabgabe aufgerufen sind.

Anders als beim Bundestag, gelten für die Landrats- und Bürgermeisterwahlen die Vorgaben des Hessischen Kommunalwahlgesetzes (KWG). Nicht unerheblich dabei ist § 13 KWG: »Wahlvorschläge sind spätestens am 69. Tag vor dem Wahltag bis 18 Uhr schriftlich bei dem Wahlleiter einzureichen.«

Also ist gestern Abend, punkt 18 Uhr, die Frist abgelaufen. Wie Nachfragen bei den Wahlleitern von Landkreis sowie Buseck, Grünberg und Wettenberg ergaben, brachte der ultimative Blick ins elektronische Postfach oder den analogen Rathausbriefkasten keine Überraschung. Es bleibt bei den bekannten Kandidatinnen und Kandidaten.

Im Landkreis Gießen bewerben sich drei Kandidaten um das Landratsamt : Landrätin Anita Schneider (59) amtiert seit Anfang 2010 und strebt eine dritte Amtszeit an. Getragen wird ihre Kandidatur von der SPD. Die Ersten, die eine Kandidatin benannt haben, waren Bündnis 90/ Die Grünen: Sie haben ihre Spitzenkandidatin aus der Kreistagswahl, Kerstin Gromes aus Wieseck, aufgestellt. Die 52-jährige Lehrerin arbeitet als schulfachliche Aufsichtsbeamtin beim Staatlichen Schulamt Gießen/Vogelsberg. Die politische Newcomerin hat vor wenigen Tagen den Vorsitz ihrer Fraktion im Kreistag übernommen. Dritter Bewerber ist der Jurist Peter Neidel (51, CDU) aus Heuchelheim. Der Christdemokrat, ehedem Richter am Landgericht Gießen, ist 2017 ins politische Hauptamt bei der Stadt Gießen gewechselt. Dort endet seine Amtszeit Ende September. Die neue Mehrheit im Stadtparlament hat seine Abwahl vor wenigen Tagen eingeleitet.

In Wettenberg bewerben sich gleich vier Kandidaten um die Nachfolge von Bürgermeister Thomas Brunner (SPD). Der 57-jährige Amtsinhaber tritt nach zwölf Jahren kein drittes Mal mehr an. Er wechselt im Frühling 2022 in die Geschäftsführung des Zweckverbands Mittelhessische Wasserwerke.

Die SPD hat Ralf Volgmann (57) nominiert. Der Sozialdemokrat ist Geschäftsführer der Gießen@Schule GmbH, jener Gesellschaft, die in der Stadt Gießen den Ganztagsschulbetrieb organisiert. Volgmann ist Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Wettenberg, darüber hinaus in vielen Vereinen vernetzt, und leitete in den vergangenen Jahren den Sozialausschuss in der Gemeindevertretung. Er wirkt seit wenigen Wochen als Erster Beigeordneter.

Für die CDU kandidiert Andreas Heuser aus Frankenbach. Die Wurzeln des Ersten Hauptkommissars und Diplom-Verwaltungswirts bei der hessischen Polizei liegen in Krofdorf. Dort war der 55-Jährige viele Jahre als Sportler im TSV Krofdorf-Gleiberg sowie bei den Krofdorfer Fastnachtsfreunden aktiv. Er ist kommunalpolitischer Newcomer.

Marc Nees aus Wißmar tritt als unabhängiger Kandidat an und wird von den Freien Wählern unterstützt. Der Vertriebsleiter eines Getränkeunternehmens ist bislang ebenfalls ein kommunalpolitisch unbeschriebenes Blatt. Nees, Jahrgang 1969, ist über die heimischen Vereine, u. a. über die HSG Wettenberg und die IG Fremdensitzung, hervorragend vernetzt.

Vierter Bewerber ist Philipp Nickel (Jahrgang 1977) aus Krofdorf-Gleiberg. Der Unternehmer und Diplom-Agraringenieur (Fachrichtung Wirtschafts- und Sozialwissenschaften) tritt ebenfalls als unabhängiger Bewerber an. Vernetzt ist er in seiner Heimatgemeinde über sein Engagement im TSV Krofdorf-Gleiberg sowie bei den Krofdorfer Fastnachtsfreunden.

Bei der Bürgermeisterwahl in Buseck treten zwei Männer an: Dirk Haas (SPD), seit 2016 im Amt und zugleich Co-Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, kandidiert für eine zweite Amtszeit im Busecker Schloss. Zuvor war er Geschäftsführer einer Firma für Veranstaltungstechnik. Der 59-Jährige hatte seine Kandidatur bereits 2020 erklärt und ist von der SPD nominiert.

Als Herausforderer tritt Michael Ranft (CDU) an. Der 45-Jährige wird von FW und CDU unterstützt. Auch er hatte seinen Hut bereits 2020 in den Ring geworfen. Der Jurist hat eine Kanzlei in Gießen. Aktuell ist er Beigeordneter in Reiskirchen, war auch Mitglied des CDU-Kreisvorstands.

Überraschungen gab es am Montagabend nicht mehr: Laut der Busecker Wahlleiterin Ilona Schindler sind keine weiteren Kandidaturen eingegangen. Wahlberechtigt sind etwa 10 900 Personen.

Wie in Buseck fällt auch in Grünberg am letzten Septembersonntag in jedem Fall eine Entscheidung. Zumindest stehen die Chancen dafür gut - ziemlich gut. Die Wahrscheinlichkeit für ein Patt ist exorbitant gering (dass es aber nicht ausgeschlossen ist, hat sich im Dezember 2020 in Ahnatal im Landkreis Kassel gezeigt, wo das Los entscheiden musste - und der Amtsinhaber verlor).

Zur Wahl stellen sich in der Gallusstadt Bürgermeister Frank Ide von den Freien Wählern und Marcel Schlosser, Vorsitzender von Stadtverband und Fraktion der CDU.

Der 59-jährige Ide, gelernter Sparkassenbetriebswirt, wurde 2004 erstmals gewählt, strebt somit eine vierte Amtszeit an und hat auch diesmal die Rückendeckung der Freien Wähler. Nicht anders Schlosser (31), auch ihn nominierte eine Mitgliederversammlung mit dem maximalen Ergebnis von 100 Prozent. Der Verwaltungsfachwirt war zunächst bei der Gemeinde Reiskirchen beschäftigt und wechselte 2019 zum Verwaltungsverband Lich/Laubach, wo er nun Leiter der Stadtkasse ist.

Alles zur Oberbürgermeisterwahl in Gießen und zu den Direktkandidaten bei der Bundestagswahl lesen Sie auf Seite 19.

FOTOS: JWR (2), SO (3), TB (2), PM (4)

Marc Nees
Philipp Nickel
Ralf Volgmann
Kerstin Gromes
Peter Neidel
Anita Schneider
Frank Ide
Marcel Schlosser
Dirk Haas
Michael Ranft

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