Aktuell absolviert Carsten Butteron sein Training vermehrt auf dem Spinningrad. FOTO: PM
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Aktuell absolviert Carsten Butteron sein Training vermehrt auf dem Spinningrad. FOTO: PM

DIE AKTION

24 Stunden auf der Rolle

  • vonLena Karber
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Anfang Juli wollte Carsten Butteron 1100 Kilometer mit dem Rad von Flensburg nach Garmisch fahren, um Spenden für leukämiekranke Kinder zu sammeln. Da die Radtour wegen des Coronavirus nicht stattfinden kann, hat er sich einen Plan B überlegt: 24 Stunden auf dem Spinningrad in die Pendale treten - eine Herausforderung, vor der er großen Respekt hat.

So etwas braucht man unbedingt, hat Carsten Butteron behauptet, als er sich vor einiger Zeit sein Hochleistungs-Spinningrad gekauft hat. Zum Einsatz kam die Anschaffung in der Folge aber kaum. "Meine Frau war nicht besonders begeistert, weil ich das Teil in vier Jahren genau zweimal benutzt habe", erzählt er. "Sonst habe ich darauf nur meine nassen Klamotten zum Trocknen aufgehängt."

Doch wegen Corona lernt Butteron sein Spinningrad gerade neu schätzen, muss er sich doch auf eine außergewöhnliche Herausforderung vorbereiten: Anfang Juli will er 24 Stunden lang in die Pedale seines Hometrainers treten - für den guten Zweck.

Ursprünglich war der Plan ein anderer: Vom 3. bis 5. Juli wollte der 59-Jährige am "Race across Germany" teilnehmen und dabei in 57 Stunden die 1100 Kilometer zwischen Flensburg und Garmisch zurücklegen. "Da das ja eigentlich totaler Quatsch ist, wollte ich dem Ganzen einen Sinn geben" erzählt der Vorsitzende des Hungener Gewerbevereins und Ehrenpräsident des dortigen Radfahrvereins Germania 1912 über seine Idee, im Rahmen der Aktion Spenden für die Tour der Hoffnung zu sammeln. An dieser Benefiz-Radsportveranstaltung zugunsten krebs- und leukämiekranker Kinder hat er selbst schon einige Male teilgenommen.

Als das "Race across Germany" abgesagt wurde, entschied sich Butteron, trotzdem etwas machen. "Ich dachte mir: Jetzt erst recht", erzählt er. "Gerade weil auch die Tour der Hoffnung wegen Corona dieses Jahr nicht stattfindet, zählt doch jeder Euro noch mehr."

Auf die Idee hat ihn Jan Frodeno gebracht. Der Ironmansieger sorgte jüngst für Schlagzeilen, als er in den eigenen vier Wänden einen kompletten Triathlon für den guten Zweck absolvierte. "Ich dachte mir: Stay at home, das machst du auch", sagt Butteron.

Und so wird er am 3. Juli, einem Freitag, wenn eigentlich das Rennen starten sollte, sein Spinningrad auf den Balkon stellen und 24 Stunden fahren. Das Ganze wird per Livestream übertragen.

Butterons Spendenaufruf, den er einst für das "Race across Germany" startete, hat immer noch Bestand. Sein Ziel: 200 Spender finden, die bereit sind, jeweils mindestens 50 Euro zu geben. So will er 10 000 Euro generieren, die an krebs- und leukämiekranken Kinder gehen. Etwa 70 Unterstützer hat Butteron schon.

Für Butteron ist Radsport seit jeher mehr als nur ein gelegentlicher Freizeitspaß. Seit Jahren schon fährt er mit seinem Kumpel mindestens zweimal wöchentlich morgens um sechs von Hungen nach Gießen und zurück. "Auch bei Regen oder minus 11 Grad", erzählt Butteron. Doch auch er kennt den inneren Schweinehund. "Manchmal hat man um die Uhrzeit gar keinen Bock", sagt er. Zu zweit könne man sich jedoch gut motivieren und hinterher sei man froh, es gemacht zu haben. "Durch die frische Luft und die Bewegung tun wir unserem Körper etwas Gutes."

Butteron ist Inhaber einer Versicherungsagentur, Radfahren ist für ihn angesichts einer Arbeitswoche von 60 bis 70 Stunden ein wichtiger Ausgleich. "Man haut eine ganze Menge Stresshormone raus." Doch so ganz ohne Ziel hat es ihm irgendwann keinen Spaß mehr gemacht. Dass es dann gleich die ganz langen Kanten wurden, hatte wie so oft viel mit Zufall zu tun. Ein Bekannter bereitete sich auf eine Tour von Trondheim nach Oslo vor, Butteron absolvierte gleichzeitig ein Seminar zum Thema Zielsetzungen. So kam eins zum anderen und auch Butteron legte in Norwegen die 540 Kilometer zurück.

Seitdem hat er Blut geleckt. ist in Hungens französische Partnerstadt St. Bonnet (750 Kilometer) gefahren, nach Paris (666 Kilometer) oder nach München (870 Kilometer). Seine längste Tour war jene vor fünf Jahren, von Paris nach Brest und zurück. Für die 1225 Kilometer hatten die 6000 Teilnehmer 90 Stunden Zeit. "Ich habe das Ganze in 68 Stunden erledigt, aber da musste man natürlich auch mal Pause machen. Insgesamt habe ich vier Stunden geschlafen." Für solche Situationen trainiert er seit einigen Monaten gezielt Powernaps.

Mentale Willenstärke, sagt Butteron, mache bei Langstreckenrennen 60 Prozent der Leistung aus. "Aus Erfahrung kann ich sagen, dass Radfahren nach vier Stunden keinen Spaß mehr macht", sagt er. "Aber ich rede mich dann selbst mit Namen an und sage mir, dass das Rennen dort anfängt, wo andere aufgeben."

Angesichts der enormen Distanzen, die Butteron bislang am Stück auf dem Fahrrad zurückgelegt hat, erscheinen 24 Stunden auf dem Spinningrad auf den ersten Blick nicht besonders anspruchsvoll. Doch Butteron hat mittlerweile großen Respekt vor der Aufgabe. "Am Anfang habe ich das Monsterding wohl selbst unterschätzt", sagt er. "Aber es ist unfassbar anstrengend." Nicht nur, dass der Sattel deutlich unbequemer sei und die Erfrischung durch den Fahrtwind und Abwechslung fehle: "Es geht nie bergab, man muss immer treten".

Drei Stunden dauerte bislang seine längste Einheit. "Und nach zehn Minuten hatte ich schon viermal auf die Uhr geschaut und mich gefragt, wieso die nicht weiterläuft", sagt er. "Vom Mentalen wird das wohl fast vergleichbar mit der eigentlich geplanten Tour."

Am 3. Juli um 8 Uhr sollte das "Race across Germany" beginnen. Nun will sich Carsten Butteron zur gleichen Zeit zu Hause auf sein Spinningrad setzen und 24 Stunden lang für den guten Zweck in die Pedale treten. Für seine Aktion zugunsten der Tour der Hoffnung für krebs- und leukämiekranke Kinder sucht Butteron noch Spender, die bereit sind, jeweils mindestens 50 Euro zu geben. Bisher haben sich etwa 70 Unterstützer gemeldet. Wer interessiert ist, kann über carsten.butteron@allianz.de Kontakt aufnehmen.

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