Im Landkreis Gießen waren Mitte November 880 Elektroautos zugelassen, 373 mehr als im Vorjahr. SYMBOLFOTO: DPA
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Im Landkreis Gießen waren Mitte November 880 Elektroautos zugelassen, 373 mehr als im Vorjahr. SYMBOLFOTO: DPA

Run auf "Stromer" auch im Kreis

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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2050 will Deutschland das Ziel Klimaneutralität erreicht haben. Während es etwa beim Energieverbrauch der Gebäude gut vorangeht, hängt vor allem der Verkehrssektor nach. Ohne E-Autos, so sehen es Experten, holt der nicht auf. Beim jüngsten "Autogipfel" wurde daher eine verstärkte Förderung vereinbart. Zum Stand der Dinge im Landkreis.

Autos mit einer Batterie unter der Haube stoßen zunehmend auf Interesse: Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes weisen für den Oktober gut 23 000 Neuzulassungen aus - eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Marktanteile erreichten Rekordwerte von 8,4 Prozent bei "reinen E-Autos" und von 9,1 Prozent bei Plug-in-Hybriden. Die Aufholjagd der "Stromer" hat sicher mit staatlichen Kaufanreizen zu tun, die jüngst beim "Autogipfel" von Regierung und Herstellern erhöht bzw. verlängert wurden (siehe Zusatzelement). Den Trend zur Elektromobilität bestätigt die Statistik für den Kreis Gießen: Mitte November waren hier 880 E-Autos zugelassen, 373 mehr als im Vorjahr. Hinzu kamen 2982 Hybridfahrzeuge, ein Plus von 1209.

Private Wallboxes: starker Zuwachs

Bremsschuh aber ist weiterhin die unzureichende Ladeinfrastruktur. Ende September gab es so laut Verkehrsministerium bundesweit nur rund 30 000 öffentliche Ladepunkte Als Ergebnis des Autogipfels gewährt der Bund nun einen Zuschuss von 900 Euro für private Wallboxes.

Bei einer Leistung von bis zu 12 kW müssen die beim Netzbetreiber angemeldet, bei einer höheren Leistung sogar genehmigt werden. Im Grundversorgungsgebiet der Stadtwerke Gießen ist die Mittelhessen Netz GmbH (MIT.N) der Adressat. Laut Geschäftsführer Rüdiger Schwarz stieg die Zahl der Ladestationen von 65 im Vorjahr auf jetzt 123, davon allein 101 privat installiert. Nicht ausschließen mochte er, dass nicht alle bei der MIT.N beantragt wurden - insbesondere im Privatsektor.

Für den zweiten Versorger im Kreis, die OVAG, gab Pressesprecher Andreas Matlé die aktuelle Zahl der privaten Ladeeinrichtungen mit 31 an. Nehme man die teilöffentlichen hinzu - etwa auf privaten, aber öffentlich zugänglichen Gewerbegrundstücken -, seien es 48. Auch Matlés Erwartung: Dank der Förderung der Wallboxes werden sich die Zahlen sukzessive erhöhen.

Geht es um Elektromobilität, übernimmt die Kreisverwaltung seit Langem eine Vorreiterrolle. Wie die Pressestelle auf Anfrage mitteilte, sollen auch 2021 wieder vier E-Autos angeschafft werden.

Für den laufenden Betrieb stünden den Beschäftigten 13 batteriebetriebene Kfz zur Verfügung. Darüber hinaus gebe es 46 fest zugeteilte Dienstwagen, von denen aber einer ein Hybrid sei. "Für solche Fahrten, etwa mit viel Ladung oder einer weiten Strecke, sind E-Autos nur begrenzt einsetzbar."

Auf GAZ-Nachfrage hieß es, in der Regel werde nicht kontrolliert, ob bei Dienstfahrten mit Hybriden doch der Verbrenner eingeschaltet wurde. Man habe bei der Abgabe des letzten Leasingrückläufers ausgelesen, dass rund 30 Prozent rein elektrisch gefahren wurden, bei einer jährlichen Gesamtlaufleistung von 30 000 Kilometern.

Wie sieht es bei den anderen Kreiskommunen aus? Ein Argument, das trotz Subventionierung gegen E-Autos spricht, ist der hohe Preis. Darauf rekurriert Bürgermeister Peter Gefeller: "Für unsere Bedürfnisse gibt es keine ökonomisch vertretbar anzuschaffenden E-Fahrzeuge." Zu vertretbaren Preisen seien derzeit einzig Pkw auf dem Markt. Anders als große Verwaltungen mit großen Pkw-Flotten für Dienstfahrten könnten sich kleinere Kommunen wie seine, gerade aus dem "Schutzschirm" entlassen, die nicht leisten. Und brauchten sie auch nicht.

Benötigt würden Kasten- und Pritschenwagen, etwa für den Bauhof. Zu hohe Kosten und/oder zu geringe Nutzlasten sprächen auch da gegen eine Anschaffung. Nicht anders sieht es in Allendorf und Rabenau aus.

Wie sieht es bei Kommunen aus?

Ein (unvollständiger) Überblick übers Gießener Land, was reine E-Autos und die öffentlichen Ladestationen angeht:

Linden: zwei Elektrofahrzeuge, zwei Ladestationen.

Fernwald: ein E-Fahrzeug, weitere Anschaffungen von Pkw wie Nutzfahrzeugen ab 2021 geplant; eine Ladestation.

Lollar: zwei E-Autos, Leasing eines dritten geplant; zwei Ladestationen.,

Heuchelheim: je zwei E-Fahrzeuge und Ladestationen.

Hungen: zwei E-Fahrzeuge, 2021 ein weiteres für Bauhof geplant; fünf Ladesäulen.

Reiskirchen: kein E-Fahrzeug, für 2021 Anschaffung erwogen; zwei Ladesäulen.

Staufenberg: keine E-Fahrzeuge; eine Ladestation.

Buseck: vier E-Autos; sieben Ladesäulen.

Lich: ein E-Auto,vier Ladestationen.

Laubach: Anschaffung eines Elektroautos geplant; zwei Ladestationen, zwei geplant.

Lahnau: ein E-Auto; keine -Ladestation.

Wettenberg: drei E-Fahrzeuge (ein Transporter), zwei bestellt; drei Ladestationen, vierte bestellt..

Pohlheim: zwei E-Autos; zwei Ladestationen, zwei weitere 2021 in Planung.

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