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Vater und Tocher - ein gutes Team: Dirk Christian Bender und Dorothea Bender Fernández.

Strom sicher machen - überall, weltweit

  • Burkhard Bräuning
    VonBurkhard Bräuning
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Strom ist nützlich - und gefährlich. Aber man kann ihn zähmen. Es gibt dafür allerdings nicht die eine Lösung, weil die Anwendungen so verschieden sind. Die Firma Bender in Grünberg hat seit 75 Jahren eine Vision: Den Strom sicher machen. Überall, weltweit. Das heißt im Umkehrschluss: Wo Strom ist, ist Bender.

Videokonferenz im oberen Stockwerk der Bender-Unternehmenszentrale in Grünberg. Seniorchef Christian Bender (77 Jahre) sitzt entspannt an einem großen Tisch, auf einem riesigen Bildschirm ist seine jüngste Tochter Dorothea zu sehen. Sie ist nicht der CEO der Firma Bender, aber sie hält als Vorsitzende des Unternehmensbeirates die Fäden in der Hand. Mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern lebt die 35-Jährige in Madrid. Vater und Tochter erzählen, wie es kommt, dass Bender so erfolgreich ist, wie man in dem Familienunternehmen die Zukunft plant und wie das 75-jährige Firmenjubiläum gefeiert wird. Immer im Blick dabei: Das Wohl der Mitarbeiter.

Ihr Unternehmen wird 75. Sie stehen für die zweite und dritte Generation der Inhaberfamilie. Wie wichtig ist Ihnen denn so ein echtes Jubiläum? Hat das eine Bedeutung?

CHRISTIAN BENDER (CB): Ja, das Jubiläum zeigt die Konstanz des Familienunternehmens, der Mitarbeiter und der Produkte, die wir seit 75 Jahren entwickeln und herstellen. Von meinem Vater angefangen - mit dem idealen Patent von 1939 - haben wir der Welt etwas gegeben, wir haben sie sicherer gemacht, wenn es um elektrischen Strom geht.

DOROTHEA BENDER (DB): Für mich ist es natürlich ein bisschen anders, klar. Da ist der Stolz, Teil dieses Unternehmens zu sein. Wir haben uns auch ein neues Unternehmensmotto gegeben: »Make an Impakt«. Weil das wirklich das ist, was ich machen möchte. Ich möchte gar nicht so sehr zurückschauen. Ich möchte die Zukunft planen. Es geht also im Jahr des Jubiläums auch darum, ob und wie wir in 25 Jahren das 100-Jährige feiern können.

Wie genau feiern Sie den 75. Geburtstag?

DB: Das ist natürlich dieses Jahr schwierig. Weil Fest und Corona - das passt nicht zusammen. So ist Social Media zu unserer Partylocation geworden. Alles digital. Wir haben verschiedene Online-Aktionen gestartet, eine Birthday-Challenge und Mystery Coffebreaks. Auch habe ich online mit den Mitarbeitern gekocht. Das war sehr schön.

CB: Wir haben uns aber auch dafür entschieden, zusammen mit dem Hilfswerk SELAM ein Ausbildungsprojekt in Äthiopien zu starten. Dort werden 20 junge Menschen zu Elektrotechnikern ausgebildet.

Stichwort Corona. Wie sehr ist Bender als weltweit tätiges Unternehmen davon betroffen?

DB: Corona war schlimm. Aber für uns als Unternehmen hat die Pandemie auch etwas in Bewegung gesetzt. Hört sich vielleicht ein bisschen krass an. Wir haben tatsächlich geschafft, von einem auf den anderen Tag online zu gehen, was es bei uns vorher so nicht gab. Ich bin stolz auf unsere IT, die das von heute auf morgen hinbekommen hat. Das hat uns einen riesigen Schub mit Blick auf Digitalisierung gegeben. Auch, weil alle Mitarbeiter mitgezogen haben.

Wie hat sich das Unternehmen seit der Gründung verändert. Können Sie Kennzahlen nennen?

CB: Meine Familie ist 1946 zum Opa nach Grünberg gekommen. Mein Vater hat sich dort auf seine Patente besonnen und in der Waschküche die ersten Geräte für den hier in der Gegend befindlichen Bergbau gebaut. 1972 bekam ich dann die Chance, das kleine Unternehmen mit 16 Mitarbeitern zu übernehmen, und hatte die Idee, das geniale System meines Vaters in die Welt hinaus zu tragen, erst nach Deutschland, dann nach Europa und weiter in die Welt. Und das ist mir mithilfe meiner Mitarbeiter auch gelungen.

DB: Heute sind wir über 1000 Mitarbeiter weltweit. Das ist beeindruckend.

Inwieweit ist die Familie noch in das operative Geschäft eingebunden?

DB: Früher waren wir ein traditionell inhabergeführtes Unternehmen - heute haben wir eine ganz andere Struktur. Ich habe 2019 den Vorsitz des Unternehmensbeirates übernommen, den gab es so vorher bei Bender noch gar nicht. Außer mir sind da zwei externe Beiratsmitglieder. Und was auch noch interessant ist: Wir haben uns für eine andere Art der Geschäftsführung entschieden. Wir haben keinen CEO, also keinen Ober-Chef. Wir haben drei gleichberechtigte Geschäftsführer: Winni Möll, unser CTO, Monika Schuster unsere CFO und Heinz Nowicki, unseren CSO. Sie leiten das operative Geschäft. Und wir im Unternehmensbeirat sind dafür zuständig, die Leitplanken für die Zukunft zu setzen, und das klappt wirklich in der Zusammenarbeit ganz hervorragend.

CB: Ich freue mich sehr, dass alle meine Kinder, dazu auch bereits eine Enkelin und ich als Unruheständler gemeinsam als Eigentümer die Unternehmensführung unterstützen können.

Eine Enkelin ist auch schon dabei?

DB: Meine Nichte Hanna. 2020 ist sie als Gesellschafterin dazugekommen. Sie ist nur drei Jahre jünger als ich. Es ist spannend, zu sehen, welche Ideen sie hat und welche Themen ihr wichtig sind.

Würden Sie sich bei dieser Größe überhaupt noch als Familienbetrieb bezeichnen?

CB: Ja, aber es ist eben heute alles anders. Früher kannte man jeden Mitarbeiter, man kannte die Familien, war mit allen hier in Grünberg verwurzelt. Wir haben zusammen gearbeitet und zusammen gefeiert. Das ist aber aufgrund des stark gewachsenen Unternehmens nicht mehr möglich. Das ist schon irgendwie schade.

DB: Klares Ja! Wir sind ein Familienunternehmen und wir wollen es auch bleiben. Das Wichtigste in einem Familienunternehmen ist nicht, dass wir alle aktiv mitarbeiten. Sondern es ist uns ein Anliegen, der nächsten Generation ein stabiles und erfolgreiches Unternehmen zu übergeben. Familienunternehmen denken langfristig.

Sie wachsen und wachsen und wachsen. Arbeiten Sie bewusst darauf zu, also ist es ein Ziel, oder sind Ihre Produkte so gut, dass Sie Ihnen sozusagen aus den Händen gerissen werden?

CB: Je mehr die Welt elektrifiziert wird, und es gibt noch viele weiße Flecken auf der Erde, umso zuverlässiger muss auch die entsprechende Stromversorgung sein. Dafür entwickeln wir intelligente Lösungen. Und die sind gefragt.

DB: Die Frage ist wirklich sehr spannend. Es stimmt, wir wachsen und wachsen. Unsere Mission heißt: Wo Strom ist, ist Bender. Es ist so, wie mein Vater sagt: Wir leben in einer Welt, die immer weiter elektrifiziert wird. Das heißt, für uns ergeben sich zwangsläufig neue Chancen. Wir stellen jedes Jahr mehr Entwickler ein, weil für uns immer neue Anwendungsgebiete dazukommen. Wenn man in seinem Bereich vorne bleiben will, muss man zwangsläufig wachsen.

Wie engagiert sind Sie im Bereich E-Mobilität?

DB: E-Mobility ist für uns ein neuer Anwendungsbereich für das, was wir wirklich gut können. Wir stellen sicher, dass beim Laden niemand einen Stromschlag bekommt, dass das Auto und die Ladesäule nicht beschädigt werden.

Frau Bender, es heißt, Sie seien sehr technisch ausgerichtet. Ist das so?

DB: Ich habe Elektrotechnik studiert. Das hat mich echt schon seit der Jugend interessiert. Ich fand Löten schon immer cool. Dann hat sich das so weiterentwickelt. Irgendwann war klar, ich möchte Elektrotechnik studieren.

Herr Bender, haben Sie noch einen offiziellen Titel im Unternehmen - oder sind Sie einfach der Seniorchef?

CB: Ich bin eigentlich der stille Berater von Dorothea, und ich gehe oft durchs Unternehmen und rede mit den Mitarbeitern, um sie zu begeistern für das, was wir hier tun.

Sie sind der Motivator?

DB: Genau das ist er!

CB: Aber ein stiller.

DB: So still ist er nicht. Für mich ist er eine riesengroße Hilfe. Wenn wir zwei zusammenkommen, unterhalten wir uns eigentlich immer über das Unternehmen, weil es für mich auch wichtig ist, die Ideen, die ich habe, mit ihm zu besprechen. Er ist ein hervorragender Sparringspartner!

Über die E-Mobilität haben wir schon gesprochen. Ist das ein ganz wichtiger Bereich geworden - oder ist es einer von vielen?

DB: Es ist einfach einer von vielen. Wir konzentrieren uns nicht nur auf eins, sondern es sind viele Märkte. Da ist der Solarmarkt, der einige Zeit das Wichtigste war. Jetzt ist es E-Mobility. Überall, wo Strom ist und wo es wichtig ist, dass er verfügbar und sicher ist, sind wir dabei.

CB: Mit der E-Mobility sind wir natürlich im Wettbewerb mit riesengroßen Unternehmen.

Weil Sie gerade von den ganz Großen reden, werden Sie denn von denen manchmal bedrängt?

DB: Schon, das ist auch ganz normal. Wir behaupten uns aber. Je wichtiger es ist, dass Strom überall auf der Welt verfügbar ist, desto mehr Player werden da auch reinkommen. Das muss man einfach ganz realistisch so sehen.

CB: Wir hatten natürlich viele Jahre einen Vorsprung, weil wir in nationalen und internationalen Normengremien sehr aktiv mitgearbeitet und gehört haben, wie die Entwicklung wohl in den nächsten Jahren weitergeht.

DB: Das ist heute noch so, wir sind in vielen Gremien. Wir haben zudem eine Abteilung in unserem Unternehmen, die sich überhaupt nicht mit unserem Firmengeschäft beschäftigt, sondern nur mit der elektrischen Sicherheit, und darüber nachdenkt, was morgen gebraucht werden könnte.

Was zeichnet Ihr Unternehmen besonders aus, auch im Blick auf die Mitarbeiter?

DB: Wichtig ist mir, dass bei Bender auch in der Zukunft dieses »Wir« echt großgeschrieben wird, dass es uns ein großes Anliegen ist, sichere Arbeitsplätze zu schaffen. Wir wünschen uns und tun alles dafür, dass wir motivierte Mitarbeiter haben, die gerne zur Arbeit kommen, die eine Aufgabe ausführen, die ihnen Freude bereitet.

Ein guter Verdienst gehört aber auch dazu ...

DB: Klar. Jeder braucht Geld, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren - und gute Arbeit muss gut vergütet werden. Aber gerade viele junge Menschen wollen auch etwas machen, was Sinn hat, die wollen nicht einfach nur dasitzen und ihren Arbeitstag abhaken. Die wollen abends sagen können: »Heute konnte ich mich einbringen. Meine Ideen haben dem Unternehmen geholfen, nach vorne zu kommen.«

Frau Bender, Sie sind noch sehr jung. Aber Sie sind schon länger sehr erfolgreich unterwegs. Wo sehen Sie denn die Firma Bender in zehn Jahren?

DB: Wir wollen vernetzte und intelligente Gesamtlösungen verkaufen, die dem Kunden, einfach gesagt, signalisieren: »Achtung, da kann etwas passieren, guck doch mal etwas genauer dahin.« Das ist der Bereich, in dem wir uns weiterentwickeln wollen. Bei der Ladesäule ist das zum Beispiel schon so. Vom Bezahlsystem bis hin zu der Garantie, dass der Strom ordentlich und sicher fließt, machen wir alles. Das ist es, was der Kunde will.

Herr Bender, Sie sind ja nicht mehr ganz jung. Aber Sie bringen sich weiter stark ein, sind täglich hier. Was treibt sie an?

CB: Ich bin täglich hier, weil es mir nach wie vor Freude bereitet. Diese Begeisterung ist seit meiner Kindheit da, und die möchte ich gerne auch an die neue Generation weitergeben. Das hält mich jung.

Was wünschen Sie im Jubiläumsjahr Ihrem Unternehmen?

CB: Ich war 30 Jahre aktives Mitglied in einer Segel-Crew und vergleiche das Unternehmen sehr oft mit einem Schiff. Daher wünsche ich als Seniorchef meiner Tochter Dorothea und dem Unternehmen allzeit gute Fahrt mit einer sehr guten Mannschaft, die das Schiff auch bei schwerem Wetter auf Kurs hält und sicher in den Hafen bringt.

DB: Ich wünsche mir, dass wir weiter so motivierte Mitarbeiter haben, dass wir als Team, wie mein Vater sagt, mit dem großen Schiff Kurs halten und dabei richtig Freude haben an dem, was wir tun.

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