age_pohlheim_6431_260121_4c_1
+
Am 14. März bestimmen die Pohlheimer, wie sich zukünftig das zumeist in der Volkshalle in Watzenborn-Steinberg tagende Stadtparlament zusammensetzt.

Streit um Kita-Neubau und Jugendarbeit

  • vonStefan Schaal
    schließen

Mit den Kreuzchen am 14. März bei der Kommunalwahl entscheiden die Pohlheimer auch über einen Kita-Neubau und die zukünftige Jugendarbeit in der Stadt. Wie positionieren sich die Bewerber für das Stadtparlament zu diesen Themen? Und welchen Handlungsbedarf sehen sie noch beim Gewerbegebiet in Garbenteich? Antworten von FW, SPD, CDU, FDP und den Grünen.

?Wie soll der hohe Bedarf an Kita-Plätzen in Pohlheim am besten erfüllt werden?

CDU : In den letzten Jahren wurden gemeinsam mit uns 170 neue Kita-Plätze geschaffen. Für Watzenborn-Steinberg hat die CDU verantwortlich für die Planung eines zentralen Neubaus votiert. Das Gebäude aus den 1950er-Jahren entspricht nicht mehr den Anforderungen und ist marode. Andere Varianten als die eines Neubaus mit je vier Gruppen auf zwei Etagen, sowie einem Raum für Vereine sind in Ermangelung eines weiteren Grundstücks unrealistisch und wären nur über höhere Kita-Gebühren oder Steuern finanzierbar.

SPD : Die Kita-Planungen dürfen nicht weiterhin durch kurzfristige Entscheidungen erfolgen. Vielmehr muss in Zusammenarbeit mit der Fachabteilung des Landkreises ein tragfähiger und langfristiger Bedarfs- und Entwicklungsplan für Pohlheim erarbeitet werden. Dieser Plan soll den Bestand und zukünftige Entwicklungen zum Beispiel bei Baugebieten beinhalten. Schwerpunkt muss sein, für die »Grundversorgung« überschaubare, viergruppige Kitas direkt dort zu planen, wo junge Familien leben, damit die fußläufige Erreichbarkeit überwiegend möglich ist.

FW : Zum derzeitigen Bestand werden weitere Kita-Plätze durch den Neubau in der Kirchstraße entstehen. Aus unserer Sicht ist eine Erweiterung der Betreuungssituation in Garbenteich in naher Zukunft absehbar. Zusätzliche Plätze können entstehen, wenn die von der FW-Fraktion vorgeschlagene »Bauernhofkita« realisiert würde. Grundsätzlich sehen wir in der Vielfalt der Betreuungsformen aus städtischen Kitas, Einrichtungen freier Träger, Waldkita, Bauernhofkita sowie Tagesmüttern und - vätern und deren Zusammenarbeit untereinander die beste Lösung für Pohlheims jüngste Menschen.

Die Grünen : Wir brauchen vor allem Plätze für Kinder unter zwei Jahren. Unser Ziel »Kurze Wege für kurze Beine« muss Priorität erhalten. Kurzfristig wollen wir den Neubau der Kindertagesstätte Kirchstraße vorantreiben. Mittelfristig wollen wir Kitas dort planen, wo die Kinder wohnen. Außerdem wünschen wir uns den Ausbau von Kindertagesstätten zu Familienzentren. Das möchten wir im Neubau an der Kirchstraße und im Rahmen der Sanierung und des Ausbaus der Kita in Garbenteich realisieren.

FDP : Der Bedarf wird sicherlich zu einem Großteil durch den Neubau beziehungsweise die Erweiterung der Kita Kirchstraße gedeckt werden. Auch wenn es Herausforderung geben wird, diese verkehrlich, organisatorisch und für alle vertretbar in das Stadtgeschehen einzubinden, halten wir dies für ein durchaus lösbares Projekt.

?Nach dem Satzungsbeschluss zum Gewerbegebiet Garbenteich-Ost: Was erhoffen Sie sich in Hinblick auf das Gebiet, und wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?

CDU : Mit Herrn Beitlich haben wir einen vertrauensvollen Partner ins Boot geholt. Er hat bei den Planungen die Wünsche der Bürgerschaft berücksichtigt. Es wurde ein guter Kompromiss im Spannungsfeld zwischen Ökologie und Ökonomie gefunden. Die Stadt trägt kein Risiko und kann dennoch im weiteren Verfahren an verschiedenen Stellen mitentscheiden. Wir erhoffen uns mittelfristig viele neue Arbeitsplätze vor Ort, verbunden mit zusätzlichen Steuereinahmen, zum Erhalt und Ausbau der Infrastruktur.

SPD : Durch beharrliche Intervention der SPD konnte erreicht werden, dass der Stadt abgesicherte Mitspracherechte bei der Vermarktung aller Flächen vertraglich eingeräumt worden sind. Neben der Entstehung wohnortnaher Arbeitsplätze und zusätzlicher Steuereinnahmen sind positive ökologische Akzente erzielbar. Hinsichtlich der Verkehrs- und Lärmbelastungen sollte eine Reduzierung angestrebt werden. Hierfür kommt zum Beispiel eine nachhaltig durchdachte Verkehrsführung sowohl in Betracht. Eine Überprüfung möglicher Verbesserungen wird ständig weiterverfolgt.

FW : Durch den städtebaulichen Vertrag werden die Stadtverordneten vom Investor durch den Bürgermeister und die Verwaltung über die Verhandlungen mit ansiedlungswilligen Unternehmen kontinuierlich informiert. Durch Beschlüsse in der Stadtverordnetenversammlung kann direkt auf die Auswahl der Unternehmen und damit auch die Qualität der dort entstehenden Arbeitsplätze Einfluss genommen werden. Wir sehen unsere Ideen und Wünsche im Hinblick auf Lärmschutz, Parkraumgestaltung, Anbindung an den ÖPNV, Durchgrünung des Plangebiets sowie eine Überquerungsmöglichkeit der Landstraße für Fußgänger und Fahrradfahrer gewährleistet.

Die Grünen : Wir fordern, dass Energieberater bei der Planung eingesetzt werden, um maximale Energieeinsparung und Eigenproduktion erneuerbarer Energien zu erreichen. Die bestehenden - unzureichenden - Auflagen dürfen nicht verwässert werden. Die Umsetzung erforderlicher Maßnahmen für Naherholung, Artenschutz, Lärmschutz und Busführung muss vollständig erfolgen. Wir setzen uns jetzt noch offensiver für eine umfassende Verkehrsentlastung in den Stadtteilen Garbenteich und Dorf-Güll ein.

FDP : Die Erschließung des Gesamtgebietes sollte alsbald wie möglich beginnen und der strukturell wichtige Übergang zwischen bestehender Wohnbebauung und angrenzender Mischgebietsfläche städtebaulich verwirklicht werden. Leider konnte sich die FDP mit der Forderung eines sozialverträglichen Kaufpreises für die geplante Wohnbebauung nicht durchsetzen - der Investor wird sich daher an seinen Taten messen lassen müssen, vertretbare Lösungen, sowohl für die Gewerbeansiedlung als auch für die Wohnbebauung zu ermöglichen. Hierbei besteht in jedem Fall Handlungs- und Korrekturbedarf.

?Was sollte die Stadt unternehmen, um Jugendliche und Jugendarbeit stärker zu fördern?

CDU: Pohlheim verfügt über ein qualifiziert besetztes Kinder- und Jugendbüro, welches die Bedarfe der Jugend kennt und bereits heute vielfältige Angebote erstellt. Viele Kinder und Jugendliche besuchen nachmittags die Angebote der Vereine oder nutzen die Betreuungsmöglichkeiten in den Schulen. Hier gilt es zu unterstützen und zu vernetzen. Weitere Möglichkeiten zu Verbesserungen wollen wir mit dem neuen Jugendparlament oder mit den Jugendlichen direkt besprechen und Chancen zur Umsetzung ausloten.

SPD : Die SPD fordert seit Jahren eine aktivere Jugendarbeit. Wir schlagen einen hauptberuflichen Sozialarbeiter zur Konzepterstellung der Jugendarbeit und zum Aufbau eines Jugendzentrums vor. Die SPD fordert außerdem die Benennung eines Jugendbeauftragten, die Einrichtung eines Forums, wo Jugendliche ihre Interessen vortragen können, und die Errichtung eines Jugendzentrums mit einem breiten Angebot im Rahmen der offenen Jugendarbeit. Schließlich soll die Jugendarbeit mit den Initiativen des Kreises und gegebenenfalls anderen Kreiskommunen vernetzt werden.

FW : Die Jugendlichen sollten zu Beginn nach ihren Wünschen und Ideen befragt werden. Danach stellen wir uns eine gemeinsame Diskussion und anschließende Umsetzung bestimmter Inhalte vor. Durch Installation eines »virtuellen Jugendzentrums« könnten den jungen Menschen auf einfache Art und Weise Beteiligung und Einfluss gewährt werden. Dabei könnten Mitarbeiter der Stadt auf vorhandene praktische Erfahrungen aus anderen Städten oder aus dem wissenschaftlichen Bereich zurückgreifen. Eine wissenschaftliche Begleitung durch Fachbereiche der Universität in Gießen, wäre eine gute synergetische Möglichkeit, ein erfolgreiches Konzept für selbstbestimmte Jugendarbeit zu gestalten.

Die Grünen : Wir wollen mit möglichst vielen Jugendlichen ins Gespräch kommen, um die Beteiligung zu ermöglichen, die sie selbst vorschlagen. Unter Einbindung der bereits vorhandenen Ressourcen (Jugendtreffs, Jugendpflege, Schulsozialarbeit) möchten wir ein Klima schaffen, das Jugendliche motiviert, sich einzubringen. Sie sollen die städtischen Gremien beraten dürfen, möglicherweise in Form eines Jugendbeirates mit Rede- und Antragsrecht. Bestehende Strukturen wie Schülervertretungen sind zu nutzen.

FDP : Die Jugendarbeit sollte über eine Kooperation an einen freien Träger der Wohlfahrtspflege vergeben und in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Vereinen und zum Beispiel der Freiwilligen Feuerwehr und anderen auf die Belange der Jugend in der Stadt angepasst werden. Diese verfügen über das entsprechende Knowhow und verwenden bewährte Konzepte. In einer solchen Kooperation können Leistungen definiert und per Verwendungsnachweis transparent abgerechnet werden. Pauschale Vergütungen ohne genauen Kostennachweis, wie mit der Lebenshilfe praktiziert, lehnen wir ab.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare