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Vollkornprodukte, viel Grünzeug, Hülsenfrüchte und fermentierte Lebensmittel: damit fördert man "gute" Darmbakterien. Alexandra Renkawitz hat ein Buch darüber geschrieben. FOTO: US

Strategie für einen gesunden Darm

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Die Zuckerkrankheit ist auf dem Vormarsch. Immer öfter leiden auch junge Menschen an "Altersdiabetes". Alexandra Renkawitz ist überzeugt, dass Stoffwechselstörungen ihren Ursprung im Darm haben. Nun hat die Ernährungswissenschaftlerin und Heilpraktikerin aus Eberstadt ein Buch geschrieben: "Diabetes besiegen mit einem gesunden Darm".

Wer bei Alexandra Renkawitz am Besprechungstisch sitzt, darf nicht mit Plätzchen rechnen. Zum Knabbern werden geröstete Kichererbsen und Azuki-Bohnen gereicht, zu trinken gibt es Wasser mit einem Schuss Kombucha, einem fermentierten Schwarztee-Trunk. Schmeckt alles gut. Und ist auch noch gut für den "gut", so lautet das englische Wort für Darm. Denn darum geht es der Ernährungswissenschaftlerin und Heilpraktikerin aus Eberstadt: um einen gesunden, ausgewogen besiedelten Darm.

Jetzt hat Renkawitz gemeinsam mit der Internistin und Homöopathin Dr. Ulrike Keim ein Buch veröffentlicht: "Diabetes besiegen mit einem gesunden Darm" ist seit Anfang Januar auf dem Markt.

Renkawitz hat in Gießen Ernährungswissenschaften studiert. Aber dass die Ursachen für viele Stoffwechselerkrankungen im Darm liegen könnten, war an der Uni kein Thema. Was Bakterien zu leisten vermögen, hat die 53-Jährige durch die Arbeit ihres Mannes erfahren. Der ist Umweltingenieur und setzt bei der Sanierung von Badeteichen auf Milchsäurebakterien. "Interessant", fand das Renkawitz und stellte sich die Frage "Was können die denn noch?" Nach jahrelanger Beschäftigung mit der Materie weiß sie: Eine ganze Menge.

Die Eberstädterin ist überzeugt, dass bei vielen Stoffwechselerkrankungen der Schlüssel zur Gesundung in einer Korrektur und Revitalisierung der Bakteriengesellschaft im Darm liegt. "Wie Sie Ihre guten Darmbakterien stärken und wieder gesund werden", heißt der Untertitel ihres Buches.

Die Idee zu dieser Publikation hatte Co-Autorin Ulrike Keim. Und so entwickelten die beiden Frauen, die sich beim Zweitstudium für Komplementäre Medizin in Frankfurt/Oder kennengelernt hatten, gemeinsam ein Exposé. "Damit wollte ich 2018 auf der Frankfurter Buchmesse hausieren gehen", erinnert sich Renkawitz. Das war dann gar nicht nötig. Gleich der erste Verlag, bei dem sie vorstellig wurde, biss an. Der zur Thieme-Gruppe gehörende Trias-Verlag nahm die beiden Autorinnen unter Vertrag.

Für Laien und Fachleute

Den medizinischen Part übernahm Keim. Sie erklärt, wie und warum ein geschädigter Darm zu Insulinresistenz führt. Doch das ist kein unabänderliches Schicksal. In den folgenden Kapiteln erläutert Renkawitz, wie man auf Basis einer gründlichen Analyse des Darmbioms die "guten Bakterien" wieder anfüttern kann. Dazu hat sie eine Strategie entwickelt und ihr einen pfiffigen Namen verpasst: GutBalance.

"Wir wollten das Buch so schreiben, dass Laien es verstehen, aber auch ihre Ärzte etwas damit anfangen können", erzählt Renkawitz. Die ersten Reaktionen seien durchweg positiv. Kürzlich war sie auf dem Niederrhein-Kongress für Komplementärmedizin: "Da ist es mir förmlich aus der Hand gerissen worden."

Zielgruppe des Buchs sind vor allem Typ-2-Diabetiker. Früher bezeichnete man die Krankheit als "Altersdiabetes", aber inzwischen erkranken daran auch immer mehr junge Leute. "Das liegt an unserer Lebensweise, dem Überangebot an Nahrungsmitteln, den vielen Fertiggerichten und ständigem Snacken", erläutert Renkawitz.

"Treiben Sie mehr Sport, essen Sie weniger Zucker" - dieser Rat helfe oft nicht, bedauert die Ernährungsberaterin, die viel mit Diabetikern arbeitet. Beim Typ-2-Diabetes seien die "guten" Darmbakterien, die eine Zuckerkrankheit verhindern können, von "schlechten" verdrängt worden. Deshalb rät sie zu einer grundlegenden Änderung von Ernährungs- und Lebensweise nach dem GutBalance-Prinzip. "Es funktioniert", versichert Renkawitz. Sogar bei Patienten, die bereits Insulin spritzen müssen, habe sie deutliche Verbesserungen beobachten können.

Aber so weit sollte man es besser gar nicht kommen lassen. Wer vollwertige Lebensmittel mit vielen grünen Anteilen und Hülsenfrüchten verzehrt, ausreichend große Pausen zwischen den einzelnen Mahlzeiten einlegt oder, noch besser, gelegentlich fastet, ist auf alle Fälle schon mal auf dem richtigen Weg.

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