Stock nur »Dezernent für Rest-Gesundheitsamt«

  • vonStefan Schaal
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Gießen (srs). Landrätin Anita Schneider hat bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie innerhalb der Kreisverwaltung mehr Kompetenzen als bisher bekannt war. Bereits im April vergangenen Jahres hat sie auch Verantwortung für Bereiche des Gesundheitsdezernats übernommen.

Schneider ist seitdem für das Themengebiet der Hygiene und damit auch für den Schutz und die Bekämpfung der Pandemie innerhalb des Gesundheitsdezernats verantwortlich. Die entsprechenden Kompetenzen hat der Hauptamtliche Kreisbeigeordnete Hans-Peter Stock abgegeben.

Bekannt wurde dies nun eher per Zufall durch ein Schreiben Stocks an die Redaktion dieser Zeitung. »Warum ich mich in Sachen Pandemie öffentlich erklären soll, erschließt sich mir nicht«, betont er darin. Er sei in dieser Frage »nicht zuständiger Dezernent«. Stock erklärt, er sei seit April vergangenen Jahres nur noch »Dezernent für das Rest-Gesundheitsamt«.

Stock: Aufgaben in Hintergrund getreten

Dort allerdings seien die Themen im Rahmen der Bekämpfung der Pandemie »nahezu ausnahmslos in den Hintergrund getreten«. Stock berichtet, er habe stattdessen zeitgleich die Aufgabe der Bauaufsicht übernommen.

Stock ist außerdem Dezernent für Abfallwirtschaft, Jugend, Soziales und Familien sowie das Veterinärwesen und den Verbraucherschutz.

Die Gießener Allgemeine Zeitung hatte in einem Kommentar mangelhafte Kommunikation der Landrätin und Stocks kritisiert. Stock wehrte sich, widersprach - und nährt nun mit seinem Schreiben, in dem er erst jetzt auf den Wechsel in den Kompetenzen zwischen ihm und der Landrätin hinweist, weitere Zweifel an der Kommunikation in der Krise.

Auf Schneiders Schultern ruht unterdessen in Fragen der Pandemie die alleinige Hauptverantwortung in der Kreisverwaltung, was den Schutz vor und die Bekämpfung der Corona-Pandemie angeht. Der Landkreis sucht bekanntlich seit dreieinhalb Jahren einen Leiter für das Gesundheitsamt. Auf Nachfrage hatte Schneider kürzlich erklärt, für die Besetzung des Postens sei insbesondere das Gesundheitsdezernat unter Stocks Leitung zuständig.

Grund für die lange Vakanz seien auch die bisherigen Gehaltsvorstellungen der Bewerber, sagte Schneider. Mit Zustimmung des Kreisausschusses wurde daher das Gehalt für die Leitung des Gesundheitsamts aufgestockt. Jetzt sei der Posten finanziell mit einem Oberarzt vergleichbar. Für Kandidaten, die für die Aufgabe in Betracht komen, sei es nun schwer, mitten in einer Pandemie an ein neues Amt zu wechseln, berichtete Schneider. »Sie wollen das Amt kennernlernen und müssen dann gleichzeitig noch eine Krise bewältigen.«

Landrätin Schneider und Dr. Anja Hauri, Leiterin des Fachdiensts Hygiene im Gesundheitsamt, hatten sich im Gespräch mit dieser Zeitung kürzlich für einen harten Lockdown ausgesprochen.

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