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Unter den Opfern des schweren sexuellen Missbrauchs ist auch ein Junge aus Staufenberg. ARCHIVFOTO: JWR

Zwölf Jahre Haft für 31-jährigen Staufenberger

  • Jonas Wissner
    VonJonas Wissner
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Staufenberg/Münster (jwr/dpa). Im Juni 2020 hatte die Nachricht gerade in Staufenberg für Entsetzen und Fassungslosigkeit gesorgt: Ermittler in Nordrhein-Westfalen deckten einen weit ausgedehnten Missbrauchskomplex auf. Auch ein Mann aus Staufenberg geriet ins Visier und wurde in Haft genommen, sein damals fünfjähriger Sohn gehörte zu den Opfern.

»Ich kann es nicht verstehen«, äußerte sich ein Staufenberger damals - und der Umstand, dass der Missbrauch dem Umfeld des Verdächtigen nicht aufgefallen sein soll, ließ manche ratlos zurück.

Nun steht dem Vater eine langjährige Haftstrafe bevor: Das Landgericht Münster hat am Dienstag vier Männer und eine Frau im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex von Münster verurteilt, unter ihnen auch der 31-jährige Staufenberger. Wegen schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern soll der Mann für zwölf Jahre ins Gefängnis.

Über Tage hinweg schwer missbraucht

Das Gericht ordnete für ihn wie auch für die anderen drei angeklagten Männer außerdem Sicherungsverwahrung an und folgte weitgehend den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Die Mutter des 28-jährigen Hauptangeklagten soll wegen Beihilfe für fünf Jahre hinter Gitter. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Insgesamt wurden durch die Ermittler mehr als 50 Tatverdächtige identifiziert, von denen derzeit etwa 30 in Haft sitzen. Der Sohn des Staufenbergers und ein anderer Junge waren laut den Ermittlungen unter anderem im April 2020 in einer Gartenlaube in Münster über drei Tage hinweg immer wieder mit K.-o.-Tropfen betäubt und schwer sexuell missbraucht worden.

»Das Urteil ist eine wichtige Botschaft, dass unser Rechtsstaat funktioniert«, äußerte sich Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller, selbst Jurist, am Dienstag auf Anfrage. Soweit er es aus der Distanz beurteilen könne, sei das Strafmaß angesichts einer möglichen Höchsstrafe von 15 Jahren »angemessen«, wenngleich auch die Taten des Staufenbergers »nicht wiedergutzumachen« seien. »Ich hoffe, dass durch Ermittlungsdruck und bessere technische und personelle Möglichkeiten der Behörden, auch ins Darknet einzusteigen, solche furchtbaren Straftaten zumindest besser verfolgt werden können«, so Gefeller weiter. Es brauche eine digitale Aufrüstung gegen Cyber-Kriminalität, um auch der Verbreitung von Kinderpornografie zu begegnen.

»Natürlich machen wir uns alle Gedanken« - aber selbst in Münster habe offenbar nichts von außen auf die Taten in der Gartenlaube hingedeutet, so Gefeller mit Blick auf die Aufmerksamkeit des Umfelds. In Staufenberg sei nun das komplette Kita-Personal zum Thema Kindeswohlgefährdung weitergebildet worden. Der betroffene Junge befinde sich seines Wissens in Obhut des Jugendamtes.

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