Blick vom westlichen Lärmschutzwall auf die Freifläche in der Kernstadt von Staufenberg, die ein "Urbanes Gebiet" werden soll. FOTO: VH
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Blick vom westlichen Lärmschutzwall auf die Freifläche in der Kernstadt von Staufenberg, die ein "Urbanes Gebiet" werden soll. FOTO: VH

Wohnbebauung auf Busparkplatz

  • vonVolker Heller
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Staufenberg(vh). In der Stadt Staufenberg wird erstmals ein "Urbanes Gebiet" ausgewiesen. Die seit wenigen Jahren im Baugesetz verankerte Variante eines Mischgebietes hat ihren Ursprung in Berlin. Die rund 2000 Quadratmeter umfassende Fläche in der südlichen Kernstadt liegt an der Straße Am Schiffenweg - schräg gegenüber von Erletz Reisen. Die Firmeninhaber Udo und Juniorchef Sebastian Erletz wollen den bisherigen Busparkplatz für Wohnzwecke umnutzen.

Hierzu muss der bestehende Bebauungsplan geändert werden. Zur Anwendung kommt das vereinfachte Verfahren der Innenentwicklung - Nachverdichtung genannt. Über das Vorhaben hatte der Staufenberger Finanzausschuss schon einmal beraten und wollte vor einem Beschluss nähere Auskünfte des Investors haben.

Im Verlauf der aktuellen Sitzung des Finanzausschusses kamen nun die Fachleute zu Wort: Mathias Wolf vom Planungsbüro Fischer (Wettenberg) und Architekt Roland Keller (Biebertal).

Wall soll bleiben

Zunächst erläuterte Sebastian Erletz, nach dem Wegfall des ehemals benachbarten Betonwerks Rühl (ebenfalls Wohnnutzung) sei der Gedanke gereift, Am Schiffenweg noch mehr freie Fläche dergestalt umzuwandeln. Das Busunternehmen habe eine nunmehr 70-jährige Firmengeschichte in Staufenberg (zwischenzeitlich in Lollar). Mitarbeiter suchten allerdings Wohnraum standortnah. Erletz betonte günstige Voraussetzungen am Standort, da Wohnen, Arbeiten und Einkaufen beieinanderlägen. Auf das freie Grundstück solle ein Gebäude mittig errichtet werden.

Planer Wolf erläuterte die Umgebung Am Schiffenweg. Von Süden her (Robert-Bosch-Straße), einer Gewerbefläche, gelange man in das bisherige Mischgebiet und weiter nördlich (Starenweg) in allgemeines Wohngebiet. Im originären Mischgebiet sei die prozentuale Verteilung von Wohnfläche und Gewerbefläche weitgehend vorgeschrieben, ebenso die Größe der Oberflächenversiegelung. Seit zwei bis drei Jahren verbreite sich die Mischgebiets-Variante "Urbanes Gebiet" vom Prenzlauer Berg in die Republik.

Ein bestimmtes Mischungsverhältnis (Wohnen, Gewerbe) werde dabei nicht vorgeschrieben. Bis zu 80 Prozent des vorhandenen Grundstücks könnten überbaut werden (günstiges Verhältnis der Geschossfläche zum Baugrundstück). In Berlin bestehe die urbane Nutzung vor allem aus Gaststätten. Deshalb beziehe sich das Mischungsverhältnis sogar auf die Stockwerke eines Gebäudes. Im Prenzlauer Berg sei im Erdgeschoss die Kneipe untergebracht, in den Stockwerken Wohnfläche.

Folglich erlaube das Baugesetz im "Urbanen Gebiet" eine etwas höhere Lärmemission als im Mischgebiet, führte Wolf aus. Die Gewerbetreibenden südlich seien wegen dieser Neuheit aber durch Bestandesschutz abgesichert. Der bestehende Lärmschutzwall (nördlich/westlich) am Busparkplatz könne im Bedarfsfall rückgebaut werden.

Architekt Keller informierte, das zu bauende Mehrfamilienhaus verfüge über 14 Wohneinheiten (barrierefrei), verteilt auf zwei Geschosse und ein Staffelgeschoss (zwölf Meter Firsthöhe). Ähnliche Konstruktionen gebe es in der Nachbarschaft bereits. 28 Auto-Stellplätze sind vorgesehen. Ob man den Wall entferne, sollten die Anwohner entscheiden. Klaus Faulenbach (SPD) fand, die Nachbarn hätten sich mit dem Wall unterdessen arrangiert. Man solle ihn belassen. Bürgermeister Peter Gefeller (SPD) wusste, manch Anwohner habe den Wall in sein Grundstück integriert.

Ausschussvorsitzender Reiner Mehler (SPD) wollte bezüglich der kulturellen Nutzungsmöglichkeit vermeiden, dass eine Spielhalle oder Ähnliches Einzug halten könne. Wolf: "Vergnügungsstätten und Tankstellen sind ausgeschlossen." Somit wird die Fläche im Erdgeschoss wohl lautlosem Gewerbe vorbehalten sein. Der Gewerbeanteil müsse wenigstens zehn Prozent der bebauten Fläche ausmachen, gab Wolf zu bedenken. Reines Wohnen sei ja nicht erlaubt.

Unter diesen Umständen (Wall bleibt, keine Vergnügung, lautloses Gewerbe) genehmigte der Ausschuss den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan einstimmig.

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