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Manfred Hein

"Wir wollen konsumieren, aber nichts tun"

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Staufenberg(lkl). Die Corona-Pandemie hat den Alltag aller auf den Kopf gestellt. Das öffentliche Leben steht still, soziale Kontakte haben viele nur noch telefonisch oder online. An dieser Stelle gewähren Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen Einblicke in ihren neuen Alltag. Heute: Manfred Hein, Ortsvorsteher von Staufenberg, Mainzlar und Daubringen, Stadtverordneter der Freien Wähler, tätig im Ortsgericht.

Herr Hein, wie verläuft Ihr Tag normalerweise?

Ich habe ein paar Schafe, die ich versorgen muss. Ansonsten bin ich in meinem Garten oder schaue Fernsehen. Zwischen eins und drei ist Mittagspause. Hinzu kommen Sitzungen und das Ortsgericht.

Und wie sieht Ihr Alltag jetzt aus?

Da ich Pensionär bin, hat sich an meinem Tagesablauf nur geändert, dass die Sitzungen ausfallen. Die Zeit genieße ich jetzt eben zu Hause vor dem Fernseher oder im Garten. Es wenden sich aber auch immer mal wieder Bürger mit Fragen an mich als Ortsvorsteher, aber das läuft sowieso zumeist telefonisch. Für das Einkaufen bin ich auch nicht zuständig, das macht meine Frau.

Was vermissen Sie am meisten?

Es gibt bestimmt viele Leute, die die Geselligkeit vermissen, weil wir viele Veranstaltungen hier im Ort absagen mussten und die bedauern, dass Gaststätten und Eisdielen geschlossen haben, aber ich kann eigentlich nicht sagen, dass mir irgendwas fehlt oder dass mir die Situation auf den Wecker geht. Ich habe nur gewisse Ängste, dass die ganze Versorgung zusammenbricht und viele Pflegekräfte ausfallen, wenn sich das Coronavirus noch weiter ausbreitet. Das ist meine Sorge.

Was ist positiv?

Dass sich die Menschheit mal besinnt und darüber nachdenkt, wie man sich verhalten sollte. Dieses immer weiter, immer mehr, immer größer, das konnte ja auf Dauer nicht gehen. Wenn es dem Menschen zu gut geht, kommt irgendwas. Das war in der Geschichte immer so. Wir sind eine Wohlstandsgesellschaft und wollen nur noch konsumieren, aber nichts tun. Wir haben unsere Jugend schon so weit versaut, dass die sich wahrscheinlich nicht mehr umstellt, aber die Älteren vielleicht noch. Ackerbau und Viehzucht sind die Basis. Und das ist ja alles vernachlässigt worden. Es wird so kommen, dass sich manch einer warm anziehen muss. Jetzt wird der Menschheit mal bewusst, was überhaupt abgeht auf der Welt. FOTO: ARCHIV/KHN

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