Reisen

Wenn die Flut aufs Wohnmobil trifft

  • schließen

Esther Vergenz hat einen Reiseführer für Wohnmobil-Touren durch Frankreich geschrieben. Was sie Anfängern und Experten rät.

Traumhafte Landschaften, mittelalterliche Städte, gutes Essen und das Meer. Wenn Esther Vergenz von Frankreich spricht, dann gerät sie schnell ins Schwärmen. Schon zu ihrer Schulzeit hat sich die Staufenbergerin in das Land verliebt, und diese Faszination hat bis heute nicht nachgelassen. Stets dabei auf ihren Reisen: Ehemann Heinz, die Hunde Bijou und Miró und das Wohnmobil.

Es ist bereits Vergenz’ viertes Buch, das zum Thema "Reisen mit Wohnmobil" erscheint. Nach Nordfrankreich, der Auvergne sowie Luxemburg und Belgien geht es dieses Mal an die nordfranzösische Atlantikküste - von der Loire- bis zur Gironde-Mündung. Neben zahlreichen Informationen zu Stell- und Campingplätzen, Wanderwegen und Bademöglichkeiten enthält der Reiseführer alle notwendigen GPS-Daten und Wegbeschreibungen. Sämtliche Informationen wurden von Vergenz in Eigenarbeit zusammengestellt: "Insbesondere die selbstgezeichneten Karten haben für einige schlaflose Nächte gesorgt." Doch wenn man dann das fertige Buch in den Händen halte, "sind die Mühen schnell vergessen".

Begeistert von der Vielfalt

Seit über 20 Jahren bereist Familie Vergenz das Nachbarland regelmäßig. Am Anfang waren das ganz einfache Ausflüge mit Zelt, Angel und viel abgeschiedener Natur. Mittlerweile ist mit dem Wohnmobil etwas mehr an Komfort hinzugekommen. "Geblieben ist die Lust auf Freiheit, Spontanität und ein bisschen Abenteuer", berichtet Ehemann Heinz. Mit dem typischen Hotel-Tourismus kann das Paar hingegen wenig anfangen – zu viele feste Zeiten, zu wenig Flexibilität.

Obwohl die Atlantikküste vielleicht nicht das offensichtlichste Reiseziel in Frankreich ist, zeigt sich die Autorin begeistert über die Vielfalt der Region. Die malerischen Altstädte von La Rochelle oder Périgueux, in den Fels gebaute Dörfer, die unterirdische Kirche von Aubeterre-sur-Dronne und die endlosen Strände der Atlantikküste gehören zu den Höhepunkten. Mitten in der Landschaft lassen sich uralte Steingräber, sogenannte Dolmen, bestaunen. Die Kanälen des Sumpfgebiets Marais Poitevin, auch das "grüne Venedig" Frankreichs genannt, lassen sich ausnahmsweise nur per Boot erkunden.

Vorsicht vor der Flut

Vergenz persönlicher Höhepunkt ist jedoch die Passage du Gois. Bei Ebbe lässt sich die Meerespassage, die zur Île de Noirmoutier führt, sogar mit Wohnmobil überqueren. Setzt die Flut ein, sollte man sich besser beeilen. Nicht umsonst stechen mehrere Rettungsinseln aus dem Meer heraus, um "geflutete" Menschen aufzunehmen.

Einen beklemmenden Anblick bietet hingegen die "Geisterstadt" Oradour-sur-Glane, die zu Kriegszeiten beinahe komplett durch die Nationalsozialisten zerstört worden war. Als Mahnmal lässt sich das Ruinendorf noch heute durchschreiten. Davon abgesehen sind es vor allem die einfachen Momente, die es dem Ehepaar angetan haben. Ein Stellplatz mit Blick aufs Meer, ein Bummel über den Marktplatz oder ein gutes Essen mit Bekannten seien manchmal eben wertvoller als die zehntausendste Kirche. Sogar mit Froschschenkeln und Schnecken könne sie sich anfreunden, "obwohl ihr die Frösche doch ein wenig Leid tun", sagt die Autorin.

Mehr Wohnmobile unterwegs

In den vergangenen Jahren sei ein enormer Zuwachs an Wohnmobilen zu beobachten. Mit zahlreichen preiswerten Stellplätzen (von kostenlos bis zehn Euro) und entsprechender Verpflegung haben sich die französischen Dörfer jedoch bestens darauf eingestellt. Und auch beim Verweilen auf inoffiziellen Plätzen sei man größtenteils nachsichtig und entspannt. Alle "Geheimplätze" möchte sie in ihrem Führer aber nicht verraten: "Sonst sind sie in der kommenden Saison völlig überfüllt."

Generell sind die Wohnmobilfahrer eine ältere Klientel, was wohl auch mit dem Anschaffungspreis für ein solches Fahrzeug zusammenhängt. "Zunehmend sieht man aber auch junge Menschen, die von unterwegs auf dem Laptop arbeiten", berichtet Vergenz. Und die neuen Medien bringen noch weitere Vorteile. Mit Hilfe der sozialen Netzwerke ließe es sich wunderbar mit anderen Reise-Verrückten sowie mit den eigenen Lesern austauschen. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr eine mutige 70-jährige Frau, die sich alleine auf die im Reiseführer beschriebenen Routen begeben hatte.

Insgesamt ist das neue Buch ein sehr persönlicher Reiseführer geworden. "Wenn es uns irgendwo nicht gefällt oder wir mit Hunden nicht willkommen sind, dann schreibe ich das auch so."

Die nächste Reise von Familie Vergenz ist bereits in Planung: "Vielleicht Schweden, weil es dort für die Hunde angenehm kühl ist. Aber wahrscheinlich geht es doch wieder nach Frankreich."

Info

Buchtipp

Esther Vergenz: Mit dem Wohnmobil an die französische Atlantikküste; Teil 1: Der Norden; WOMO-Verlag. ISBN 978-3-86903-266-5, 19,90 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare