Vier Trümpfe gegen das Minus im Wald

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Staufenberg(vh). Dem Staufenberger Stadtwald geht es nicht besser als anderen. Der soeben aufgestellte Zehn-Jahres-Plan ist wegen allgegenwärtiger Schadensereignisse schon wieder Makulatur. Ein Zuschuss von 18 000 Euro wird für 2020 kalkuliert. Revierförster Stefan Schreiber erläuterte dem Finanzausschuss, tendenziell rechne er mit bis zu 40 000 Euro jährlichem Minus. Staufenberg kann aber vier Trümpfe ziehen: Windpark, Ökopunkte, Holzkontor und Manfred Heins Schafe.

Der Windpark mit drei "Mühlen" rückt, nachdem der Rotmilan mutmaßlich nicht gefährdet ist, ein Stück näher und damit Pachteinnahmen, die Fehlbeträge ausgleichen würden. Waldflächen, die Ökopunkte einbringen, sind vorhanden. Die Hälfte des Kontos wird derzeit veräußert. 400 196 Punkte für jeweils 41 Cent (164 080 Euro) werden an die Gemeinde Ebsdorfergrund verkauft. Dort entsteht das interkommunale Gewerbegebiet, Staufenberg ist beteiligt. Der Holzverkauf über das in Lollar ansässige Holzkontor läuft reibungslos und zu besseren Verkaufserlösen als woanders. Insbesondere für die durch Trockenheit geschädigte Buche werden noch Vorjahrespreise erzielt. Das Kontor vermarktet den Einschlag von Lollar, Staufenberg und Buseck. Bürgermeister Peter Gefeller dankte Geschäftsführer Gerald Weber. Förster Schreiber sprach von einem wahrscheinlichen Totalverlust der zurzeit 90 Hektar Fläche mit Fichte. Aufzuforsten sei ein hoffentlich klimastabiler Mischwald.

Mischwald statt Monokultur

Mindestens drei oder vier Baumarten sollen künftig auf einer Fläche stehen statt bisheriger Monokultur. Etwa Traubeneiche, Spitzahorn, Vogelkirsche, Linden, Elsbeere und, als bewährte fremdländische Arten, Roteiche und Esskastanie. Bezüglich der Buche wird auf knapp 40 Hektar Naturverjüngung angestrebt. Bei den Nadelhölzern will Schreiber auf Fichten verzichten und Weißtanne sowie Douglasie bevorzugen. Von "Bauchschmerzen" sprach der Forstmann in Bezug auf die Rehwilddichte. Rehe knabbern gerne an Jungbäumen und vorzugsweise den Endtrieb von Jungpflanzen ab. Solche Verbissschäden seien im Revier Staufenberg deutlich seltener als in Treis. Wolle man auf teuren Einzelschutz oder Gatterbau verzichten, müsse der Abschuss erhöht werden. Falls Vorgaben bereits erfüllt würden, seien diese zu hinterfragen. Dank der Wolle von Heins Schafherde (beweidet Solarpark Daubringen) kostet Einzelschutz nur den Arbeitslohn. Unbehandelte Wolle um die Gipfelknospe gewickelt ist ein altbewährtes Verfahren.

Heinz-Jürgen Schmoll, er vertrat das Forstamt Wettenberg, hatte für den Laien einen Tipp parat, denn Rehe seien scheu und könnten nicht 100-prozentig gezählt werden. Eine Ricke mit nur einem Kitz lasse auf hohe Wilddichte schließen. Ricken mit Zwillingskitzen oder mehr seien Indiz für niedrige Wilddichte.

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