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Mitglieder des Seniorenbeirats und Bürgermeister Peter Gefeller (3. v. l., unten) haben am Donnerstag vor dem Treiser Geldautomaten der Volksbank Mittelhessen demonstriert.

Treiser kämpfen für »ihren« Geldautomaten

Staufenberg (keh). Mittlerweile hat Stadtrat Dieter Preis schon 532 Unterschriften gegen den Abbau des Treiser Geldautomaten der Volksbank Mittelhessen gesammelt. Ende letzter Woche waren es noch knapp 500 (GAZ berichtete). Die Listen präsentierte er bei einer kleinen Demo vor dem Automaten, die der Seniorenbeirat für Donnerstagnachmittag organisiert hatte.

Erwin Heyer, Mitglied des Beirats, kam als Indianer verkleidet zu dem Protest. Auf die Nachfrage ob er sich verkleidet hätte, weil Weiberfastnacht sei, antwortete er: »Ich bin hier, um meine Jagdgründe zu verteidigen, damit uns der letzte Büffel nicht auch noch weggeschossen wird«. Damit spielt Heyer auf die schwindende Infrastruktur in Treis an. Der Staufenberger Stadtteil besaß einst mehrere kleine Supermärkte und zwei Bankfilialen. Heute bleiben den Bürgern neben den Gaststätten noch zwei Friseure.

Solidarität gefordert

Laut Gerhard Amend, ebenfalls Mitglied des Seniorenbeirats, sollten sich coronabedingt nur wenige Personen zum Protest einfinden. Neben den acht Teilnehmern war auch Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller in Treis zugegen. Er findet es schade, dass die Volksbank »nur mit knallharten Zahlen hantiert« und daher den, nach ihrer Aussage, unwirtschaftlichen Selbstbedienungsautomaten im Sommer abschafft.

Laut Gefeller wohne Stadtrat Preis direkt gegenüber des Automaten und könne beobachten, dass dieser häufig frequentiert werde. »Es ist nicht nur alles wichtig, was mit Geld zu tun hat. Es geht auch um Solidarität«, sagt Gefeller. Solidarität wünschen sich vor allem die 625 Treiser Senioren. Für viele ende mit dem Aus des Geldautomaten auch die Möglichkeit, sich selbstständig Bargeld zu besorgen. Eine Fahrt in die Kernstadt oder das benachbarte Allendorf ist für viele schlichtweg unmöglich.

So wie für Hanspeter Gruber, der in doppelter Funktion als Behindertenbeauftragter und Seniorenbeirats-Mitglied an der Demo teilnahm. Bei ihm bestehe »Explosionsgefahr«, was das Thema angehe. Er und die anderen überlegen, ihr Konto bei der Volksbank zu kündigen, sollte der Automat abgebaut werden, sagte Gruber: »Die Volksbank sägt an dem Ast, auf dem sie sitzt.« Gruber ist gehbehindert und sitzt im Rollstuhl. Er wohnt direkt gegenüber vom Geldautomaten und kann dort alleine hinfahren. Noch.

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