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Der SB-Geldautomat der Volksbank Mittelhessen in der Treiser Hauptstraße soll im Frühsommer abgebaut werden.

Treiser gegen Geldautomaten-Aus

Staufenberg (keh). Über 500 Unterschriften gegen den Abbau des Treiser Geldautomaten der Volksbank Mittelhessen hat der Staufenberger Stadtrat Dieter Preis schon gesammelt. Einen großen Teil des 2200-Seelen-Dorfes habe er bereits abgeklappert, sagt er. Am Ziel ist Preis jedoch erst, wenn er jeden Haushalt aufgesucht hat. Bei den Treisern stößt er auf Zuspruch, sie finden es gut, dass sich einer kümmert.

Mit seiner Initiative will Preis versuchen, etwas zu ändern. Ob es ihm gelingt, wird sich zeigen. Seine Motivation erklärt er so: »Wer nichts macht, der hat schon verloren.«

Vertrauen verloren

Zum Hintergrund: Im September 2020 wurde bekannt, dass die Selbstbedienungs-Filiale, bestehend aus Geldautomat und Kontoauszugdrucker, an der Treiser Hauptstraße im Sommer 2021 abgebaut werden soll. Dann gäbe es keine Möglichkeit mehr, im Ort an Bargeld zu kommen. Das käme gerade für ältere Bürger, die schlecht zu Fuß oder nicht mehr mobil seien, »einer Katastrophe gleich«, meint auch Karl Heinz Leinweber. Eine »Reise« zur nächsten Volksbank-Filiale in die Kernstadt Staufenberg oder in das benachbarte Allendorf sei beispielsweise für Menschen mit Rollator schlichtweg »nicht machbar«. Immerhin sei Treis der zweitgrößte Staufenberger Stadtteil, aber mittlerweile fast »tot«, was die Infrastruktur angehe. Gab es vor einigen Jahren noch zwei Bankfilialen und mehrere kleine Supermärkte, bleiben Treis heute neben den Gaststätten noch zwei Friseure.

Diese Meinung teilt auch Bürgermeister Peter Gefeller, der deutliche Kritik an der Entscheidung der Volksbank Mittelhessen übt. »Wir müssen uns dafür starkmachen, dass die wenige Infrastruktur, die noch da ist, erhalten bleibt«, gibt er gegenüber dieser Zeitung an. Die Unterschriftenaktion von Dieter Preis unterstütze er daher ausdrücklich. Die Bürger von Treis hätten schon einmal auf die Worte der Volksbank Mittelhessen vertraut und seien enttäuscht worden.

Nach der Schließung der Filiale an der Hauptstraße im Jahre 2011 konnten Geld und Kontoauszüge an Automaten im Gebäude gezogen werden. Als das Gebäude dann im Mai 2015 verkauft wurde, sorgten sich vor allem ältere Bürger darum, wie sie in Zukunft an Bargeld kommen sollten.

Abbau im Juli

Eigentlich nur übergangsweise wurde ein mobiler Geldautomat aufgestellt. Die ausreichend häufige Nutzung sprach damals für den Verbleib der SB-Filiale am Standort Hauptstraße. Gerade der Durchgangsverkehr sorge für eine regelmäßige Frequentierung des Automaten, sagte 2015 der zuständige Filialbereichsleiter. In einem Leserbrief hieß es, dass auch Bewohner des oberen Lumdatals den Geldautomaten nutzen würden, da dieser so günstig gelegen sei.

Auf Anfrage bestätigte Dennis Vollmer, Pressesprecher der Volksbank Mittelhessen, warum die SB-Filiale in Treis geschlossen werden soll. Sie stehe auf den letzten Plätzen in einem Ranking der unwirtschaftlichsten Standorte der Volksbank. Zwar sei unbestritten, dass die Filiale wichtig sei, gerade für ältere Bürger. Die Bank habe auch im Austausch mit dem städtischen Seniorenbeirat gestanden, jedoch habe sie 160 Automaten in Mittelhessen zu unterhalten. Deshalb sei es unumgänglich, die unwirtschaftlichen Terminals zu schließen.

Ein genauer Termin für den Abbau der Treiser SB-Filiale stehe noch nicht fest. Derzeitige Planungen gehen von Juli aus, wie der Sprecher bestätigte. Dies habe vor allem technische Gründe, da beispielsweise Kabel gekappt werden müssen, die Kunden würden jedoch in jedem Fall Bescheid bekommen. In der Übergangszeit könnten nichtmobile Kunden Bargeld telefonisch bestellen und sich kostenlos nach Hause »liefern« lassen, so Vollmer.

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