Ein Idyll - oberflächlich betrachtet: Berufsschäfer Manfred Jauernig (l.) betreut nunmehr die Schafherde von Manfred Hein. Die erdbraunen Tiere, ostpreußische Skudden, reagieren auf Fremde mit Scheu. Meister Reineke aber hat offenbar leichtes Spiel, sich an den Lämmern zu "bedienen".
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Ein Idyll - oberflächlich betrachtet: Berufsschäfer Manfred Jauernig (l.) betreut nunmehr die Schafherde von Manfred Hein. Die erdbraunen Tiere, ostpreußische Skudden, reagieren auf Fremde mit Scheu. Meister Reineke aber hat offenbar leichtes Spiel, sich an den Lämmern zu »bedienen«.

Tierdrama

Tote Lämmer: Was tötete die kleinen Schafe bei Staufenberg?

  • vonVolker Heller
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Im Schutz der Dunkelheit treiben offenbar tierische Unbekannte ihr Unwesen. Ihre Opfer: Schafslämmer. »Tatort« ist ein Solarpark bei Daubringen. Unter begründetem Verdacht steht eine Fuchsfamilie.

Im Schutz der Dunkelheit treiben offenbar tierische Unbekannte ihr Unwesen. Ihre Opfer: Schafslämmer. »Tatort« ist ein Solarpark bei Daubringen. Unter begründetem Verdacht steht eine Fuchsfamilie.

Eher zufällig kam das Thema nun in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung zur Sprache. Zur Jahresmitte 2012 wurde der Solarpark Buchenberg auf dem Gelände der ehemaligen Erdkippe in Daubringen eröffnet. Seitdem steuert die Sonne jährlich einen fünfstelligen Betrag für die Staufenberger Stadtkasse bei. Bürgermeister Peter Gefeller (SPD) nannte dem Parlament den aktuellen Überschuss von 16 600 Euro für 2019. Einen Wermutstropfen dazu lieferte Manfred Hein (Freie Wähler).

Tote Tiere bei Staufenberg: Mehr als 100 Lämmer verloren

Seine momentan 28 Schafe beweiden die 6,5 Hektar große Fläche, damit die Solarmodule nicht beschattet werden. Eine Fuchsfamilie in der Nachbarschaft betrachtet jahraus jahrein die Schaf-Kinderstube offenbar als ihren Selbstbedienungsladen. Hein fragte eher rhetorisch nach, wer ihm diesen Verlust möglicherweise ersetzen würde. Eine Antwort erhielt Hobbyschäfer Hein nicht.

Die rund 30 durch den Fuchs getöteten Lämmer zur Jahresmitte 2020 haben außer Hein scheinbar keine Stimme. Dabei spielt sich auf dem Buchenberg hinter der positiven Energiebilanz seit Jahren ein tierisches Drama im Verborgenen ab. Insgesamt über 100 Lämmer hat Hein verloren. Für den schlauen Fuchs kann er sogar Verständnis aufbringen: Warum sollte dieser bei mickrigen Mäusen darben, wenn er fette Beute leicht erwischen kann?

Schutzzaun ist untauglich

Doch warum wird Meister Reineke das Lämmertöten vergleichsweise so leicht gemacht? Ein wahrer Schildbürgerstreich offenbarte sich beim Ortstermin der Gießener Allgemeinen Zeitung: Der Wildschutzzaun um den Solarpark wurde unsachgemäß montiert. Solche Begrenzungen haben unterschiedliche Maschenweiten, deren Höhe nach oben hin größer wird. Engere Maschen in Bodennähe sollen vor allem den Fuchs abhalten. Am Solarpark sind die engen Maschen aber verkehrt herum, nämlich oben.

Hein erzählt, dass manchmal etwa der Dackel eines Spaziergängers unter dem Zaun durchschlüpfe und den Schafen nachstelle. Das Jagdpersonal zeige wenig Interesse oder argumentiere mit Feststellungen wie »der Fuchs hat Schonzeit« (Jagdzeit vom 15. August bis 29. Februar).

Tote Lämmer bei StaufenbergVerlust liegt bei 40 Euro pro Tier

Der Mainzlarer Berufsschäfer Manfred Jauernig hat mit der Betreuung von Heins Herde mittlerweile die Hauptverantwortung für die Tiere übernommen. Hein will kürzertreten und hilft noch aus.

Jauernig, seit 45 Jahren mit Schafen unterwegs, nennt 40 Euro als Durchschnittserlös für ein Lamm. Multipliziert mit 100 könne jeder den finanziellen Verlust ausrechnen. Ein Schäfer zählt nicht die Stunden, die er den Tieren widmet, aber er hat sehr wohl Fixkosten: Winterfütterung (etwa zwei Tonnen Hafer), Bereitstellen von Trinkwasser, Versicherungen, Impfungen.

Hinzu kommt: Heins Herde besteht aus ostpreußischen Skudden. Das ist die kleinste deutsche Schafrasse. Die Tiere sind auf Landschaftspflege spezialisiert und sie stehen als eine der ältesten Hausschafrassen auf der Roten Liste der bedrohten Haustierrassen.

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