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Kai Krieger setzt ein Logo auf die Fassade des neuen Anbaus der Treiser Kita am Edelgarten.

Sieben muntere Kinder

  • VonVolker Heller
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Staufenberg (vh). Die Fassade des Treiser Kindergarten-Anbaus am Edelgarten leuchtete bisher in einem recht langweiligen Weiß. Doch damit ist jetzt Schluss. Ein unverwechselbares Logo ziert nun die Wand unter dem Dachgiebel. Soeben hat Dr. Kai Krieger ein ansprechendes Graffiti-Kunstwerk daraufgesetzt. Es zeigt sieben muntere Kinder, eine Weltkugel, einen Marienkäfer, Wolken, Blumen.

Krieger, diesmal Solist, kennen die meisten als Teil des Urban-Art-Kollektivs 3Steps in Gießen. Das Logo transportiert offensichtlich eine am Edelgarten seit langem schon praktizierte Integration.

Logo transportiert soziale Botschaft

Der zusätzliche Schriftzug »Willkommen« über dem mittleren Fenster meint daher Menschen mit und ohne Behinderung, dunkler und heller Hautfarbe und verschiedener internationaler Herkunft. Insofern trifft die Graffiti-Kunst in idealer Weise auf die Interessen des Demokratie-Projekts »Dabeisein« und wird von diesem finanziell gefördert.

Kita-Leiterin Karin Müller-Kubatz und ihrem Team ist das eine Herzensangelegenheit, betrachtet man die räumliche Nähe zur Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge. Abgesehen davon gibt es vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration einen Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder bis zehn Jahren mit Stichworten wie soziale Kompetenz, künstlerische Kinder oder Werteorientierung.

Rein formal ist die Kita am Edelgarten also ebenfalls auf der sicheren Seite. Und sie zeigt es mit ihrem Logo jetzt auch ganz unverhohlen. Kai Krieger führte die verschiedenen Spraydosen derart exakt und zielgerichtet, dass man getrost sagen kann, er male mit der Spraydose. Kaum jemand würde nämlich das Graffiti-Kunstwerk auf Anhieb als solches erkennen. Einer wie er gibt auch Botschaften weiter: Über die Wichtigkeit des Künstlerberufs oder Farbästhetik bei Kindern.

Krieger hat etwas mitzuteilen und ist wohl nicht von ungefähr im Auftrag der Bundesregierung als Fellow-Botschafter für Kultur- und Kreativwirtschaft unterwegs. Insofern es seine Zeit zulässt.

Apropos Zeit: Gäbe es mehr davon, Krieger würde vielleicht auch mal ein Kinderbuch illustrieren. Freies Arbeiten ist eigentlich seine Berufung. Eine Auftragsarbeit mit Vorgaben macht er selten und wenn, dann muss ein guter Grund vorliegen. So wie in Treis. Die Motive und Figuren auf der Kita-Fassade hat er zunächst mit grauen Linien vorgesprüht. Krieger hat das Oberthema und motivische Vorgaben zudem als Farbzeichnung auf DIN A4 umgesetzt. Mit diesem Blatt in der linken Hand setzte er das Vorhaben um.

Für die Kita-Kinder hatte er grundierte Holzplatten mitgebracht. Jene malten Farbkombinationen darauf. Wenn Kinder aus eigenem Empfinden Farbe verteilten, sei dies »stets ästhetisch gut«. Sie entschieden sich »für das Leben«. Schwarz käme nur selten vor. Das Logo transportiert demnach außer der sozialen Botschaft einen ästhetischen Anreiz, der nebenbei noch den eigenständigen Wert einer künstlerischen Arbeit dokumentiert. Müller-Kubatz spricht vom »Impuls nach außen setzen«. Sie und ihr Team hätten sich zum Ziel gesetzt, »wer hier reinkommt, soll die Grundzüge unseres Handelns erkennen«. FOTO: VH

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