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Das Hochwasser-Rückhaltebecken an der Landesstraße zwischen Treis und Allendorf/Lumda harrt der Fertigstellung.

Schleppender und teurer Becken-Bau

  • Jonas Wissner
    VonJonas Wissner
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Staufenberg (pm/jwr). Wer in letzter Zeit zwischen Treis und Allendorf unterwegs war, dem dürfte eine größere Baustelle am Straßenrand samt Tempolimit aufgefallen sein. Ein echter Baufortschritt ist indes kaum zu erkennen. »Was ist da eigentlich los beim Bau des Hochwasser-Rückhaltebeckens zwischen Treis und Allendorf?«, fragt Bürgermeister Peter Gefeller nun in seiner Wochenkolumne - und liefert die Antwort gleich mit.

Kosten: 4,1 Mio. Euro

Aus Gefellers Sicht gibt es für den schleppenden Fortgang trotz des schon seit Jahren vorliegenden Planfeststellungsbeschlusses mehrere Gründe. »Alleine schon die besondere Bauart des Hochwasser-Schutzdammes als komplett überströmbares Bauwerk ohne Freibord hat einen extremen Mehraufwand erfordert«, erläutert der Bürgermeister. »Viele sprichwörtliche Steine mussten bis zum Baubeginn aus dem Weg geräumt werden.« Die Anlage in Treis »mit ihrer besonderen Bauform« gehöre zu den ersten ihrer Art in Hessen, dies habe zusätzliche statische Nachweise nötig gemacht. Zudem, so Gefeller, müssten Förderrichtlinien eingehalten werden, was nach wie vor einen »sehr zeitaufwendigen Rücksprache- und Abstimmungsbedarf mit den Landesverantwortlichen« nach sich ziehe.

Die Errichtung des Spezialbauwerks erfordert Zeit, aber auch eine Menge Geld: Die voraussichtlichen Kosten für die Errichtung des Beckens belaufen sich Gefeller zufolge alles in allem auf 4,1 Millionen Euro. »Das ist viel Geld, welches der Wasserverband Lumdatal aus meiner Sicht völlig zurecht als zukunftsweisende Maßnahme in den Hochwasserschutz des unteren Lumdatals investiert.« Die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz habe dies als Notwendigkeit »mehr als deutlich aufgezeigt«.

Das neue Becken bei Treis könne »im Vollstau« rund 95 000 Kubikmeter Wasser zurückhalten, das entspricht laut Gefeller etwa 530 000 gefüllten Badewannen. Die Dammhöhe im Bereich des Durchlassbauwerks werde 5,30 Meter betragen, im Hauptteil dagegen lediglich 1,80 Meter. Der Standort sei so gewählt, »dass die höchste Schutzwirkung für die Unterlieger ab Treis erreicht wird und gleichzeitig für die Oberlieger bis Allendorf keine Rückstauprobleme auftreten«.

Laut Gefeller war im Februar offizieller Baubeginn. Seither habe es Verzögerungen gegeben, nicht zuletzt witterungsbedingt: Weil sich unterhalb des Dammkörpers »sehr wasserempfindlicher Auenlehm« befinde, habe mit Blick auf den diesmal vergleichsweise nassen Frühling und Sommer der Baubeginn immer wieder verschoben werden müssen. Gefeller: »Die Hoffnung bestand darin, eine länger anhaltende Trockenperiode ausnutzen zu können. Diese Hoffnung verwirklichte sich in diesem Jahr leider nicht.«

Zudem führe Staunässe im Bereich des Baufeldes noch immer zu Problemen. Bei wechselndem Wetter könne das Areal nicht mit schwerem Gerät befahren werden. Um der Gefahr von Hochwasser und Starkregen während der Bauphase zu trotzen, habe die ausführende Firma Faber & Schnepp vorgeschlagen, das Bauwerk in einer »Fertigteil-Mischbauweise« zu errichten, so Gefeller. »Dieser Vorschlag musste zunächst durch das mit der Bauüberwachung betraute Ingenieurbüro Unger und Grohmann geprüft und mit der Aufsichtsbehörde beim Regierungspräsidium Gießen abgestimmt werden.« Inzwischen seien mehrere »Probefelder« angelegt worden. Nun stünden die Begutachtung und - so Gefellers Hoffnung - dann die Freigabe des »hochwassersicheren Dammbaumaterials« an.

Die Maßnahme sei sehr aufwändig, weil es »um die Gewährleistung eines maximalen Hochwasserschutzes« gehe, der »von jedem neu vorgeschlagenen Dammbaumaterial eine hohe Wasserundurchlässigkeit« fordere. »Den Verantwortlichen des Wasserverbandes Lumdatal, aber auch des beauftragten Fachbüros ist bewusst, dass der aktuelle Bautenstand in der Außenwirkung unglücklich ist«, räumt Gefeller ein.

Allerdings werde sich die Hochwassergefahr durch Starkregenereignisse in Folge des Klimawandels verschlimmern. Umso wichtiger, »jede Entscheidung in ihrer Tiefe genau abzuwägen und einen Bau nicht bei widrigen Wetterbedingungen durchzusetzen«.

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