Über die Zukunft des Werks in Mainzlar führen RHI Magnesita und der Betriebsrat nun Gespräche.
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Über die Zukunft des Werks in Mainzlar führen RHI Magnesita und der Betriebsrat nun Gespräche.

Rund 130 Arbeitsplätze

Werksschließung im Kreis Gießen: „Bleibeprämie“ für Mitarbeiter bei RHI Magnesita in Mainzlar?

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Bis Anfang 2022 sollen bei RHI Magnesita in Staufenberg-Mainzlar (Kreis Gießen) alle Arbeitsplätze wegfallen. Unternehmen und Betriebsrat verhandeln über Details.

Update vom Freitag, 12.03.2021, 10.05 Uhr: Am Mittwoch hat eine weitere Verhandlungsrunde über den Interessenausgleich bezüglich des Mainzlarer Werks von RHI Magnesita stattgefunden. Das in Wien ansässige Unternehmen plant, wie berichtet, den Traditionsstandort für die Produktion feuerfester Schamottsteine zu schließen, die Produktion in den beiden Tunnelöfen soll ab Juli heruntergefahren werden.

Laut einer Mitteilung des Mainzlarer Betriebsratsvorsitzenden Michael Schwarz an die Belegschaft wäre das Unternehmen »grundsätzlich bereit, eine Bleibeprämie, das heißt eine Motivationszahlung, für die Mitarbeiter bis zum Ende der Produktion zu zahlen«. Über deren Ausgestaltung werde man am Montag weiter verhandeln, so Schwarz.

Werksschließung im Kreis Gießen: Sozialplan soll folgen

Sobald man in den Verhandlungen Einverständnis über den Interessenausgleich erzielt habe, »werden wir möglichst rasch mit dem Betriebsrat einen für alle annehmbaren angemessenen Sozialplan entwickeln«, äußert sich RHI Magnesita. Man sei sich nach wie vor bewusst, »dass die Veränderung besonders für die Mitarbeiter nicht einfach ist, und werden sie so gut wie möglich unterstützen«. Aktuell sind Schwarz zufolge noch 124 Mitarbeiter im Mainzlarer Werk beschäftigt, laut Betriebsrat plant das Unternehmen den Abbau aller Arbeitsplätze bis Ende Januar 2022.

Werksschließung im Kreis Gießen: Nun äußert sich RHI Magnesita zu Plänen für Staufenberg

Erstmeldung vom Freitag, 05.03.2021, 5 Uhr: Staufenberg - Die Schließungspläne für das Mainzlarer Werk von RHI Magnesita (ehemals Didier, auch bekannt als »Schamott«) werden nun konkret. Nachdem der Betriebsrat nach der Verhandlungsrunde über Sozialplan und Interessenausgleich am Montag informiert hatte, das Unternehmen wolle die Produktion in den beiden Tunnelöfen im Juli beenden, bestätigt der Wiener Konzern dies nun auf Anfrage: »Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, da Mainzlar ein Werk mit langer Tradition und Bedeutung für uns und die Region ist«, äußerte sich eine Sprecherin am Donnerstag. Man habe am Montag »mit dem Betriebsrat über den vorgesehenen Fahrplan für die kommende Zeit gesprochen, um den geplanten weiteren Ablauf im Detail transparent zu machen«.

Aus für »Schamott« im Kreis Gießen: Transfergesellschaft in Planung

Der Betriebsrat hatte darauf gedrungen, eine Transfergesellschaft einzurichten, auch um den Mitarbeitern am Standort (aktuell knapp 130) Qualifizierung für die Zeit nach der Schließung zu bieten. »Wir sind uns bewusst, dass die Veränderung besonders für die Mitarbeiter nicht einfach ist und werden sie so gut wie möglich unterstützen«, heißt es dazu aus Wien.

Daher habe das Unternehmen »der Einrichtung einer Transfergesellschaft in enger Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit gerne zugestimmt«. Nun sei geplant, gemeinsam mit dem Betriebsrat »möglichst rasch« einen »für alle annehmbaren angemessenen Sozialplan« zu entwickeln.

Zur Forderung nach einer »Bleibe-Motivationsprämie«, um Mitarbeiter bis zu Stilllegung im Betrieb zu halten, äußert sich RHI Magnesita nicht. Im Laufe der vergangenen Monate hatten mehrere mögliche Schließungsdaten im Raum gestanden, dies sorgte bei der Belegschaft für große Unsicherheit. Sowohl Betriebsrat als auch Vertreter der Staufenberger Kommunalpolitik hatten wiederholt betont, dass das Mainzlarer Werk wirtschaftlich gut dastehe, mitunter auch komplizierte Aufträge von anderen Standorten übernehme. Umso größer war und ist die Irritation über die geplante Schließung des Traditionsstandorts für die Produktion feuerfester Schamottsteine.

RHI Magnesita im Kreis Gießen schließt: Verweis auf den Weltmarkt

»Die Entscheidung hat nichts mit der Qualität der Arbeit unserer Belegschaft zu tun, die stets beste Leistung gezeigt hat«, schreibt das Unternehmen - und verweist erneut auf internationale Zusammenhänge: Es solle vermehrt in Regionen produziert werden, in denen sich Werke von Kunden befinden. Daher investiere man »in die Digitalisierung und Modernisierung bestehender Produktionsstätten oder es kommt zu Verschiebungen der Produktionskapazitäten«. Die Corona-Folgen hätten diesen Trend »erheblich verstärkt«.

Für Mainzlar stehen die Zeichen nun auf Schließung statt auf Modernisierung. Warum gerade dieses Werk geschlossen wird, bleibt fraglich - und ebenso, wie es mit dem Werksgelände weitergehen soll. Die Stadtverordnetenversammlung hatte im Dezember einen Bebauungsplan für das Areal beschlossen, um bei einer Nachnutzung planungsrechtlich Einfluss nehmen zu können. Laut Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller hat sich kürzlich ein von RHI beauftragter Rechtsbeistand gemeldet, die Stadt warte nun auf weitere Gespräche mit dem Konzern. Zu Plänen für eine Nachnutzung oder einen Verkauf macht das Unternehmen mit Verweis auf laufende Gespräche keine Angaben.

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