Zu konkreten Plänen für den Standort Mainzlar gibt es von RHI Magnesita weiter keine klaren Aussagen.
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Zu konkreten Plänen für den Standort Mainzlar gibt es von RHI Magnesita weiter keine klaren Aussagen. (Archivfoto)

RHI Magnesita in Staufenberg-Mainzlar

Knapp 130 Arbeitsplätze bedroht: Ist Standort im Kreis Gießen doch noch zu retten?

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Der Betriebsrat geht davon aus, dass das Werk von RHI Magnesia in Staufenberg-Mainzlar Ende Juni geschlossen wird, doch Bürgermeister Peter Gefeller sieht Anlass für Hoffnung.

Wie lange wird im Mainzlarer Werk von RHI Magnesita mit noch knapp 130 Mitarbeitern weiter produziert? Während der Betriebsrat, wie berichtet, davon ausgeht, dass die Schließung Ende Juni seitens des Wiener Konzerns beschlossene Sache ist, übt sich Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller (SPD) in Optimismus: Angesichts bisheriger Mitteilungen von RHI Magnesita habe er »hoffnungsvolle Zweifel« daran, dass dieses Datum belastbar sei, sagte Gefeller am Mittwoch auf Anfrage. Schon mehrmals sei zuletzt von einer Schließung in Kürze die Rede gewesen, »aber das Werk läuft immer noch«.

Die Qualität der Produktion in Mainzlar sei bekannt, es ist laut Gefeller das einzige chromfrei produzierende RHI-Werk. Er bezweifle, dass man die Fertigung binnen weniger Monate verlegen könne.

130 Arbeitsplätze in Gefahr: Betriebsrat glaubt an Werksschließung in Staufenberg im Juni

Gleichwohl sei die Stadt in dieser Frage »nicht blauäugig«. Wenn die strategische Entscheidung für eine Schließung beschlossen sei, könne eine Kommune dies nicht verhindern. Der Beschluss eines Bebauungsplans für das Areal im Dezember sei wichtig gewesen: »Wir haben jetzt einen Fuß in der Tür und sagen, was bauplanungsrechtlich geht und was nicht.« Oberstes Ziel sei im Fall der Schließung, »wieder produzierendes Gewerbe hinzubekommen - eine zweite Langsdorfer Höhe wird es nicht geben«. Der Fokus der Stadt richte sich auf Arbeitsplätze vor Ort und die Einnahme von Gewerbesteuer. Man suche nun das Gespräch mit dem Konzern, der über das Bauleitverfahren schon in Kenntnis gesetzt sei.

Betriebsratsvorsitzender Michael Schwarz rechnet inzwischen mit einer Werksschließung zum 30. Juni. »Wir befürchten, dass es entschieden ist«, sagte er am Mittwoch. Drei mögliche weitere Verhandlungstermine zum Interessenausgleich würden nun abgestimmt. »Wir müssen jetzt die soziale Abfederung durchsetzen und wollen, dass gemeinsam über den Interessenausgleich und einen Sozialplan verhandelt wird.«

Drohende Werksschließung von RHI Magnesita in Staufenberg: Betriebsrat will eine Transfergesellschaft

Ziel sei eine Transfergesellschaft, um Mitarbeiter für künftige Jobs zu qualifizieren - möglichst mit zwölf Monaten Laufzeit. Diesbezüglich seien die Mitarbeiter weiter »kampfbereit«, sagte Schwarz und fügte hinzu: »Das Unternehmen braucht uns noch mindestens bis Juli.« Die Arbeitnehmervertreter müssten bei der Wahl einer Transfergesellschaft ein gewichtiges Wort mitsprechen.

Auch die Staufenberger CDU bedauert die sich abzeichnende Werksschließung. Man trete dem Management-Beschluss »mit Unverständnis gegenüber«, äußert sich CDU-Vorsitzender Christian Knoll in einer Mitteilung. Die CDU werde »auch weiterhin alles in die Waagschale werfen, um diesen profitabel produzierenden Standort zu erhalten«. Unabhängig von der Entscheidung des Konzerns stünden aufgrund des Bebauungsplans die Chancen gut, an dem Standort weiterhin produzierendes Gewerbe anzusiedeln. Man setze alles daran, »dass alle Parteien und Listen in dieser Frage mit einer Stimme sprechen und zwischen die politischen Akteure kein Blatt Papier passt«.

Die Auskünfte des Konzerns bleiben derweil ähnlich vage wie bisher. Zum Zeitplan und der Transfergesellschaft äußerte sich die Pressestelle in Wien auf Anfrage nicht konkret. Erstmals ist nun aber von einer »Nachnutzung« die Rede: Man sei bestrebt, »die bestmögliche Lösung für die Gemeinde zu finden«.

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