In Mainzlar wurde die Produktion heruntergefahren. Auch darüber ist die Staufenberger Kommunalpolitik parteiübergreifend sehr besorgt.
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In Mainzlar wurde die Produktion heruntergefahren. Auch darüber ist die Staufenberger Kommunalpolitik parteiübergreifend sehr besorgt.

Protest gegen befürchtete Werksschließung

Großer Arbeitgeber bei Gießen: Zahlreiche Jobs in Gefahr - Doch nun gibt es Hoffnung

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Kürzlich wurde die Produktion bei RHI Magnesita in Mainzlar gedrosselt,150 Jobs könnten auf dem Spiel stehen. Die Staufenberger Kommunalpolitik drängt nun auf den Erhalt des Standorts.

Die Situation bei RHI Magnesita, dem früheren Didier-Werk und auch als die »Schamott« bekannt, sorgt in ganz Staufenberg für große Sorge. Kürzlich hatte, wie berichtet, die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie auf »Warnsignale« aufmerksam gemacht: Der langjährige Werksleiter wurde freigestellt, zwei Azubi-Verträge vorzeitig aufgekündigt. Einer der zwei großen Hochöfen in Mainzlar wird seit Anfang September heruntergefahren.

Die Staufenberger Kommunalpolitik setzt nun fraktionsübergreifend ein deutliches Zeichen gegen eine befürchtete Teilschließung des Werks: Der Haupt- und Finanzausschuss (HFA) hat am Dienstagabend auf Anregung von SPD und Grün-Alternativer Liste eine Resolution zum Erhalt des Werks einstimmig gebilligt.

Man unterstütze die Bemühungen des Bürgermeisters und des Magistrats, »sich auf allen Ebenen für den Erhalt des Standorts Mainzlar« einzusetzen, heißt es in der Resolution, über die das Parlament noch abstimmen soll. Und weiter: »Das Werk Mainzlar ist ein wichtiger Arbeitgeber und Steuerzahler in Staufenberg, schreibt schwarze Zahlen und verfügt über innovative Technologien bei der Produktion feuerfester Steine.« Eine (Teil-)Schließung würde laut Resolution zu »erheblichen negativen Auswirkungen auf die gesamte Region« führen. Man fordere daher die Verantwortlichen bei RHI auf, »die angekündigten Schritte sowie eventuelle weitere einschränkende Maßnahmen für das Werk in Mainzlar zu überdenken beziehungsweise wieder rückgängig zu machen«.

Sorge um die »Schamott«: Lage »mehr als kritisch«

Fasse man die Indizien zusammen, »dann ist es schon mehr als kritisch«, sagte Bürgermeister Peter Gefeller in der Sitzung. Es gehe um 150 Stellen in Mainzlar, mit Zulieferern sehe er rund 600 Arbeitsplätze gefährdet. RHI sei in den vergangenen Jahren bis heute »ein mehr als zuverlässiger Gewerbesteuer-Zahler« - und dies spreche dafür, dass das Werk wirtschaftlich gut dastehe. Der Konzern hält sich laut Gefeller aber weiter bedeckt: Die Begründung für die Schritte in Mainzlar - ein durch die Corona-Pandemie ausgelöster Einbruch bei den Aufträgen - habe er aus dieser Zeitung erfahren. Dass der Ofen nur »temporär« stillgelegt werde, bezweifle er: »So einen großen Ofen wieder hochzufahren, kostet mehrere Hunderttausend Euro - das spricht nicht für temporär.« Insgesamt leuchte ihm nicht ein, dass die drastischen Maßnahmen mit der Corona-Situation begründet werden, sagte Gefeller. RHI fertige Steine für die Glas- und Zementindustrie, beide Branchen seien »wenig von Corona beeinträchtigt«. Er vermute dahinter eher eine strategische Entscheidung, »aber da sind wir im Bereich der Spekulationen«.

»Ich kann mir Mainzlar ohne Didier einfach nicht vorstellen, da hängen ganze Familien dran«, so Gefeller, »da müssen wir aktiv werden«. Auch auf höherer politischer Ebene steigt der Druck: Laut Gefeller wollen Ministerpräsident Volker Bouffier und Kanzleramtschef Helge Braun das Gespräch mit dem Konzern suchen, ebenso Landrätin Anita Schneider. Auch Hessens Wirtschaftminister Tarek Al-Wazir sei »eingeschaltet«.

»Das Thema geht uns alle an«, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Claus Waldschmidt. Es sei zu befürchten, die Ofen-Stilllegung könne »der Anfang vom Ende der RHI in Mainzlar« sein. Doch die Staufenberger Politik will alle Hebel in Bewegung setzen, um das zu verhindern - Ausgang offen.

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