Markus Leukel
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Markus Leukel

"40 Prozent der Menschen leben von täglichen Einnahmen"

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
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Staufenberg/Mindelo(ik). Die Corona-Pandemie hat den Alltag aller auf den Kopf gestellt. Nicht nur hierzulande. An dieser Stelle gewähren Menschen, die aus dem Gießener Land stammen, mittlerweile aber in anderen Ländern eine Heimat gefunden haben, Einblicke in ihren neuen Alltag. Heute: Markus Leukel aus Staufenberg-Treis, der seit 2010 in der Hafenstadt Mindelo auf den Kapverdischen Inseln lebt.

Herr Leukel, wie verläuft Ihr Tag normalerweise?

Das kann ich gar nicht sagen, weil ich so viele verschiedene Sachen mache. Es gibt reine Musiktage mit Proben, Unterricht und Konzerten hier in Mindelo. Es gibt Tage, an denen ich mit Touristen unterwegs bin. Und außerdem Bürotage und natürlich auch Tage, an denen ich gemeinnützige Projekte betreue. Und wenn ich dann auf Konzerttournee in Europa bin, sieht es wieder anders aus.

Und wie sieht Ihr Alltag jetzt aus?

Es gibt einige Aktivitäten, die nun komplett wegfallen. Bis auf Weiteres kommen erst mal keine Touristen auf die Kapverden. Livekonzerte und Musikunterricht sind zumindest noch bis zum Ende des nationalen Notstands ausgesetzt, der endet aber Anfang Mai und dann muss man schauen, was wieder erlaubt wird. Die Vormittage verbringe ich nun im Proberaum und übe drei bis vier Stunden - jeden Tag. Nachmittags bin ich mit meiner Frau meistens in den Außenbezirken von Mindelo unterwegs. Wir haben dadurch einen guten Einblick, was den Familien so fehlt. In unserem großen Freundeskreis in Deutschland und in der Schweiz gibt es sehr viele, die den Menschen hier vor Ort gerne helfen würden. Die überweisen mir Geld, mit dem ich dann die besonders bedürftgen Familien unterstützen kann, in erster Linie mit Lebensmitteln. Dazu muss man wissen, dass in Mindelo etwa 40 Prozent der Menschen von ihren täglichen Einnahmen leben. Sie verkaufen Selbstgebackenes oder bringen frischen Fisch in die Vororte oder verdingen sich als Tagelöhner. All das findet im Moment nicht statt wegen der Quarantäne. Das heißt im Klartext: Die Menschen haben keine Einnahmen.

Was vermissen Sie am meisten?

Keine Konzerte mehr zu spielen, das ist schon sehr schlimm. Auch die Wandertouren mit kleinen Touristengruppen vermisse ich.

Was ist positiv?

Ich habe nun noch mehr Zeit zum Üben, das genieße ich unglaublich, deswegen wird es mir auch nicht langweilig. Das ist ja das Schöne am Musikmachen: Man wird nie "fertig".

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