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Das Feuerwehrhaus nach dem Umbau Ende der 1990er.

Serie »Lost Places«

Neues Leben für altes Feuerwehrhaus: Staufenberger Gebäude im Wandel

  • vonPatrick Dehnhardt
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Das alte Staufenberger Feuerwehrhaus hat einiges erlebt: Über Jahrzehnte hinweg rückten die Ehrenamtlichen von dort zu ihren Einsätzen aus. Auch in seinem »zweiten Leben« dreht sich nun vieles um Wasser.

Die Freiwillige Feuerwehr und ein Sanitärbetrieb haben einige Gemeinsamkeiten: Bei beiden werden Leitungen verlegt und Armaturen verwendet, geht es darum, Wasser ohne Pannen und Lecks dahin zu bringen, wo es gebraucht wird. Es passt daher sehr gut, dass der Heiztechnik- und Sanitärbetrieb von Jan Reimer im alten Staufenberger Feuerwehrhaus seinen Firmensitz hat.

Viele Staufenberger werden es wissen: Genau genommen ist das alte Staufenberger Feuerwehrhaus gar nicht »das alte«. Denn es gibt noch ein älteres, ein altes Spritzenhaus in Fachwerkbauweise. Erst 1954 zog die Freiwillige Feuerwehr in das Gebäude an der Ecke Bergstraße/Obergasse. Damals bestand es praktisch nur aus der Fahrzeughalle, in der die Umkleide integriert war. In den 1970er-Jahren wurde dann ein Unterrichtsraum angebaut.

Jan Reimer kennt das Gebäude noch aus seiner Zeit als aktiver Feuerwehrmann. »Die Klamotten hingen in der Fahrzeughalle, da haben wir uns beim Alarm schnell umgezogen.« Was damals gang und gäbe war, ist heute aufgrund der Sicherheitsvorschriften nicht mehr gerne gesehen.

Der heute 45-Jährige erlebte auch mit, wie das Feuerwehrhaus Ende der 1990er-Jahre aufgestockt wurde. Damals kümmerte er sich ehrenamtlich um die Heizung und die sanitären Anlagen. »Da kam auch das rote Dach drauf.«

Neues Leben für altes Staufenberger Feuerwehrhaus: Stadt suchte Käufer

2002 legte Reimer die Meisterprüfung ab, 2003 gründete er Heiztechnik und Sanitär Reimer. Er konzentrierte sich bewusst auf das Privatkundengeschäft in der Region. »Bei Großaufträgen in Rhein-Main verdient man vielleicht mehr. Aber so ist es ein gutes Arbeiten in der Nähe. Und die Firma funktioniert gut, weil sie solide Kunden vor Ort hat.«

Der Betrieb florierte - und so suchte Reimer einen neuen Standort. Zunächst wollte er auf einem Grundstück am Zubringer zur B3 neu bauen. Doch dafür gab es keine Genehmigung.

Zur gleichen Zeit wurden die Freiwilligen Feuerwehren von Staufenberg, Mainzlar und Daubringen zusammengelegt. Die drei Orte waren praktisch zusammengewachsen, zudem wollte die Stadt Kosten sparen und nicht mehr drei Feuerwehrhäuser unterhalten, an denen auch noch einige Umbauarbeiten anstanden. 2011 wurde der 2,5 Millionen Euro teure Neubau in der Rathausstraße eingeweiht.

Die Stadt suchte Käufer für die alten Feuerwehrhäuser. Reimer schlug sofort zu. »Das war ein Glücksfall«, sagt er heute. »Ich kannte hier jeden Winkel.« Jedoch hatte die Stadt eine Bedingung: Der Staufenberger Feuerwehrverein bekam das Recht, dauerhaft einen Raum für Vorstandssitzungen und Veranstaltungen nutzen zu können. Da Reimer ohnehin einen Seminarraum für Mitarbeiterschulungen benötigte, war dies eine Win-win-Situation.

Neues Leben für altes Staufenberger Feuerwehrhaus: Spuren der Vergangenheit

Vom alten Gebäude blieben nur die markante Fahrzeughalle mit ihren drei Toren sowie die Fundamente stehen. Letztere musste er teilweise verstärken, um das Haus aufstocken zu können. Eine Halle wurde angebaut, sie dient als Lager. In der ehemaligen Fahrzeughalle ist die Werkstatt des Ausbildungsbetriebs mit zehn Mitarbeitern eingezogen. Die Büros und der Seminarraum sowie die Badausstellung haben in der ersten Etage ihren Platz gefunden. Im Dachgeschoss lebt Reimer mit seiner Familie.

Das alte Feuerwehrhaus war ein schlichter Zweckbau. Reimer machte aus ihm ein architektonisches Kleinod. Der neu errichtete Treppenturm erinnert an einen Schlauchturm. Der Metallzaun entspricht Einfriedungen, die vor rund 100 Jahren in der Vorstadt zu finden waren. Zudem wurde das Dach mit Biberschwanzziegeln gedeckt. Nach dem Umbau sieht das Gebäude nun mehr wie ein Feuerwehrhaus aus als in der Zeit, als es wirklich eines war.

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