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Mit täglichem Kurzhanteltraining und viel Disziplin arbeitet Wilfried Schmied an seiner Genesung. FOTO: JWR

Ex-Regierungspräsident

Nach schwerem Unfall: Wilfried Schmied kämpft sich zurück

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Vor sechs Monaten erlitt Wilfried Schmied, früher Hungener Bürgermeister und Regierungspräsident, einen schweren Unfall. Nun arbeitet er mit viel Disziplin an seiner Genesung.

Wilfried Schmied ist niemand, der von sich aus in die Öffentlichkeit drängt. Doch wenn man ihn fragt, wie es ihm geht, berichtet er sehr offen. Und da er im Gießener Land ein bekanntes Gesicht ist, wird er oft gefragt.

Zurzeit braucht Schmied viel Disziplin und Durchhaltevermögen, aber auch Geduld. "Ich bin eigentlich sehr zufrieden mit dem Fortgang der Genesung", sagt der 76-Jährige. Tag für Tag absolviert er ein umfangreiches Fitness-Programm: Morgens 75 Kniebeugen, regelmäßige Spaziergänge, Kurzhanteltraining, Fingerübungen. "Ich weiß nicht, wie viel Tausend Mal ich in letzter Zeit die Hand auf und zu gemacht habe", sagt er. Es ist mühsam, doch er merkt: Stück für Stück geht es voran, kommt die Muskulatur zurück.

Dass er inzwischen wieder laufen kann, teils auch ohne Krücken, davon konnte man vor ein paar Monaten noch nicht ausgehen. Am 4. August war Schmied zu einer sonntäglichen Radtour aufgebrochen. "Ich war nie eine große Sportskanone, aber ab dem 40. Lebensjahr habe ich das Fahrrad entdeckt und bin dann dem Rennrad verfallen."

Schwerer Unfall: Erinnerungen enden am Lumdaer Kreuz

An jenem Tag fuhr er mit dem Rennrad von Treis über Allendorf, Allertshausen und Geilshausen nach Stangenrod, dann bis Weitershain. Schmied mag die Strecke, gerade sonntags, wenn nur wenige unterwegs sind. "Man denkt nicht, dass da mal was passieren könnte."

Schmieds Erinnerungen enden am Lumdaer Kreuz. Kürzlich hat er das von der Staatsanwaltschaft beauftragte Unfallgutachten erhalten, das den Hergang rekonstruiert: "In einer Kurve hat der Motorradfahrer seine Fahrbahn verlassen. Es ging vermutlich um Sekunden", berichtet Schmied. Laut Gutachten erwischte ihn der Fahrer mit seiner Maschine auf dem Rennrad fast frontal. "Wahrscheinlich bin ich mit den Oberschenkeln gegen den Lenker gestoßen und dann gegen das Motorrad geprallt", sagt er. 

Schmied verletzte sich schwer, wurde unter anderem mit mehreren Oberschenkel-, Arm- und Handbrüchen in die Uniklinik geflogen. An drei Tagen in Folge wurde er operiert, hat man ihm erzählt. "Ich muss schrecklich ausgesehen haben, überall Schläuche und Kabel." Auch der Motorradfahrer erlitt schwere Verletzungen. Vor Weihnachten hat er Schmied einen Brief geschrieben, "er sagte, es hätte ihn drei Monate beschäftigt".

Es sei "ein Glück, dass ich mich durch den Unfallschock nicht erinnern kann", sagt Schmied heute mit Blick auf diesen verhängnisvollen Tag. "Irgendjemand hat gesagt, dass ich einen Unfall hatte und nun in der Klinik bin", das weiß er noch.

Sieben Wochen verbrachte Schmied im Krankenhaus, erst auf der Intensivstation in Gießen, dann in Bad Endbach. Seit Ende September ist er wieder zu Hause. "Die Muskulatur war völlig weg. Ich habe acht Kilo verloren und sah aus wie ein Rippengestell."

Nach schwerem Unfall: Viele Genesungswünsche für Wilfried Schmied

In den ersten Wochen nach der Heimkehr merkte er schnelle Fortschritte; Kleinigkeiten, die einem eigentlich selbstverständlich von der Hand gehen, klappten allmählich wieder, etwa Schuhe binden. Nun, erzählt er, werden die merklichen Fortschritte kleiner. "Ich darf nicht nachlassen zu üben", sagt Schmied.

Nach dem Unfall hat er ungezählte Genesungswünsche erhalten, ein ganzes Paket davon erwartete ihn zu Hause. Nach und nach hat er sich mit allen, die ihm etwas geschickt haben, in Verbindung gesetzt. Die guten Wünsche haben Schmied tief berührt, "es gab viele bewegende Momente". Auf dem Sommerfest der CDU in Treis haben sich alle auf der Veranda versammelt, eine Drohne aufsteigen lassen und Schmied eine Grußkarte mit einem Schnappschuss von oben zukommen lassen.

Auch bei der "Tour der Hoffnung", wo Schmied seit vielen Jahren mit Begeisterung mitfährt, wurde an ihn erinnert. Bereits wenige Tage nach dem Unfall hat er Genesungswünsche von seinen Kollegen aus dem Staufenberger Parlament erhalten. Über Fraktionsgrenzen hinweg haben alle unterschrieben, "völlig unerwartet", sagt Schmied.

In der ersten Parlamentssitzung im neuen Jahr war Schmied erstmals wieder dabei. Er bedankte sich herzlich für die Grüße, die Kollegen applaudierten. Selbst für Staufenberg, wo ohnehin ein respektvoller Umgang in der Politik herrscht, war das ein besonderer Moment.

Unfall wirkt nach

Er habe keine Albträume, erzählt Schmied gefasst. Aber natürlich wirkt der Unfall nach. "Ich habe lange gebraucht, bis ich mir das Rennrad in der Garage ansehen konnte." Der Karbon-Rahmen war vom Crash zerbrochen. Ob er sich ein neues Rennrad zulegen wird, weiß Schmied noch nicht, "aber ich will auf jeden Fall wieder Rad fahren". Bis er mit seiner Treiser Seniorengruppe wieder auf längeren Touren unterwegs ist, wird er noch Geduld brauchen. Erstmal gilt es, wieder richtig auf die Beine zu kommen, möglichst so wie vor dem Unfall.

"Der Physiotherapeut meint, ich brauche noch ein halbes Jahr, das sei in meinem Alter ganz normal." Wer weiß, wie es ihm ginge, wenn er sich vor dem Unfall nicht so fit gehalten hätte.

Hin und wieder gibt es Rückschläge, gerade hat sich Schmied eine Zerrung zugezogen, "aber es geht aufwärts". Zwischendurch muss er sich Pausen gönnen. Doch langweilig wird ihm vorerst nicht, in Staufenberg geht es momentan um den Etat. "Da liegt der Haushaltsplan, ich bin dabei, den ein bisschen zu sezieren", sagt Schmied lächelnd.

Ein halbes Jahr liegt der Unfall nun zurück. Der 4. August werde für ihn ein besonderes Datum bleiben, sagt Schmied. "Ich kann jetzt einen zweiten Geburtstag feiern."

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