Urteil

Nach gescheitertem Diebstahl in Staufenberg: Mit Bewährung zurück in die Heimat

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Vier Diebe aus Südamerika wollten einen Uhrenhändler bestehlen, doch die Polizei hatte sie schon im Visier. Am Freitag standen drei von ihnen vor Gericht.

"Lo siento mucho." Es tue ihnen sehr leid, sagten die Angeklagten vor dem Amtsgericht übereinstimmend. Am Ende kamen sie einigermaßen glimpflich davon – auch, weil sie ihren geplanten, aber erfolglosen gemeinsamen Diebstahl zugegeben hatten. In Handschellen und von mehreren Justizangestellten bewacht hatten die zwei Frauen und ein Mann den Saal betreten, verlassen konnten sie ihn als vorbestrafte, aber freie Menschen.

Über die Tat hatte diese Zeitung bereits vor Monaten berichtet: Zwei Männer und zwei Frauen aus Südamerika hatten auf einer Uhrenmesse in Frankfurt Ausschau nach möglichen Opfern gehalten. Sie folgten einem Händler aus Staufenberg mit einem gemieteten Auto bis zu dessen Wohnort und warteten, bis er sein Fahrzeug verließ. Dann zerschlug laut Anklage einer der Männer die Seitenscheibe des Pkw, um an die Uhren im Wert von knapp 80 000 Euro zu kommen. Als die Alarmanlage des Autos ertönte, versuchte er zu fliehen.

Was das Quartett nicht wusste: Auf der Messe waren Polizeibeamte in Zivil unterwegs, um ein Auge auf Diebstähle zu haben. Ihnen waren die Südamerikaner aufgefallen – und sie nahmen die Verfolgung auf. Als die Straftäter sich dann am Auto des Händlers zu schaffen machten, griffen die Fahnder zu, nahmen die verhinderten Diebe in Staufenberg fest – teils zu Fuß türmend, teils im Fluchtwagen wartend.

Weiter Weg bis Staufenberg

Der vierte Beteiligte wird sich am Mittwoch im einem gesonderten Verfahren den Vorwürfen stellen müssen. Auf der Anklagebank saßen am Freitag ein 41-jähriger Ecuadorianer sowie eine Peruanerin, Jahrgang 1988, und eine 1995 geborene Kolumbianerin. In ihrer Heimat hatten sie sich mit Tätigkeiten in der Gastronomie über Wasser gehalten.

Drei Angeklagte samt Anwälten, fünf Wachtmeister, eine Dolmetscherin: Auf der Anklagebank und drum herum war es recht eng. Die Beschuldigten wirkten ruhig, geradezu schüchtern, gaben über ihre Anwälte den versuchten Diebstahl zu. Der Mann und eine der Frauen hätten ein "Techtelmechtel" gehabt, sagten die Anwälte. Am 10. Oktober, elf Tage vor der Tat, flogen sie von Mexiko nach Paris, dann weiter nach Frankfurt.

Meine Mandantin war eigentlich nur als weibliche Begleitung unterwegs – zur Tarnung

Einer der Anwälte

Die andere Frau reiste laut ihrem Anwalt bereits im April des Vorjahres zu einer Tante nach Spanien. Über eine Freundin in Hamburg sei sie dann mit dem zweiten Mann in dem Quartett in Kontakt gekommen. Zu viert traf sich die Gruppe offenbar erst in Frankfurt. "Dann haben die Männer das ausbaldowert", beschrieb der Anwalt. "Meine Mandantin war eigentlich nur als weibliche Begleitung unterwegs – zur Tarnung." Sie habe keine feste Aufgabe gehabt, "aber ihr war klar, dass der Begleiter etwas Verbotenes macht".

"Man muss alle gleich behandeln"

Ob die Angeklagten ähnliche Taten im Ausland begangen haben, weiß die Staatsanwaltschaft nicht. Es handle sich um "ein typisches Verfahren im Bereich der organisierten Kriminalität", sagte Oberstaatsanwalt Frank Späth. Der Tatvorwurf laute auf bandenmäßigen Diebstahl, doch eine Bandenstruktur sei nicht nachweisbar. Es gehe nicht um eine Bagatelle. Jedoch halte er eine Bewährungsstrafe für angemessen, denn: "Man muss alle gleich behandeln und bei Bundesbürgern würde man auch über eine Bewährungsstrafe nachdenken."

Die Verhandlung dauerte keine zwei Stunden. Nachdem die Anklage verlesen war, bat der Vorsitzende Richter die Prozessbeteiligten ins Richterzimmer zu einem Rechtsgespräch. Das Ergebnis: Man einigte sich vorab auf Bewährungsstrafen zwischen ein und zwei Jahren. Zeugen wurden nicht gehört.

Das Gericht verurteilte die Angeklagten zu Bewährungsstrafen zwischen einem Jahr und zwei Monaten bis zu einem Jahr und acht Monaten – jeweils wegen gemeinschaftlichen versuchten Diebstahls in einem besonders schweren Fall. Dabei spielte auch eine Rolle, dass sie in Deutschland nicht vorbestraft sind und seit Oktober in Untersuchungshaft sitzen.

Haftbefehle aufgehoben

Im Fall des Mannes ist auch eine Strafe wegen Fahrens ohne Führerschein inbegriffen. Eine der Angeklagten wurde außerdem für einen Diebstahl an einer 82-Jährigen in Bernburg (Sachsen-Anhalt) verurteilt. Die Bewährung läuft drei Jahre und wurde ohne Auflagen ausgesprochen. Die Haftbefehle wurden aufgehoben.

Sie wussten, was Sie tun und dass das verboten ist

Richter Jürgen Seichter zu den Angeklagten

"Das Gericht hatte den Eindruck, dass Sie wussten, was Sie tun und dass das verboten ist", sagte Vorsitzender Richter Jürgen Seichter, der das Urteil mit zwei Schöffen fällte. Seichter: "Sie sind hier in einem fremden Land. Wenn man zu Gast ist, muss man sich eigentlich besonders an Gesetze halten – zumal, wenn sie auf der ganzen Welt gelten." Dagegen hätten die Angeklagten "krass verstoßen". Nach eigenen Angaben wollen alle drei nun Deutschland verlassen – "das kann ich Ihnen nur anraten", sagte Seichter.

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