Der Missbrauchsskandal von Münster beschäftigte auch die Ermittler im Kreis Gießen.
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Der Missbrauchsskandal von Münster beschäftigte auch die Ermittler im Kreis Gießen.

Prozess

Nach Missbrauchsskandal: Mann aus Kreis Gießen vor Gericht - Verstörende Details

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Im Missbrauchsskandal von Münster beginnt der Prozess. Auch ein Mann aus Staufenberg im Kreis Gießen steht vor Gericht. Sein 5-jähriger Sohn soll eines der Opfer sein.

Update, 12.11.2020, 11.09 Uhr: Im Fall schweren Kindesmissbrauchs unter anderem in einer Gartenlaube beginnt heute (13.30 Uhr) in Münster in Nordrhein-Westfalen der Prozess gegen den Hauptangeklagten und gegen mutmaßliche Mittäter. Darunter ist auch ein 30-Jähriger aus dem Kreis Gießen. Der Hauptangeklagte aus Münster soll seit mindestens 2018 seinen heute elf Jahre alten Ziehsohn immer wieder vergewaltigt und ihn über das Internet anderen Männern für schwere sexuelle Gewalttaten überlassen haben. Er gilt als Schlüsselfigur in dem Missbrauchskomplex Münster mit einer Reihe von Beschuldigten und Opfern aus mehreren Bundesländern, der im Frühsommer ans Licht kam.

Für den ersten Prozesstag am Landgericht Münster ist nach Auskunft eines Gerichtssprechers zunächst die Verlesung der Anklageschrift vorgesehen. Es wird erwartet, dass die Öffentlichkeit zum Schutz der Opfer von diesem Vortrag des Staatsanwalts ausgeschlossen wird. Auch für weitere wesentliche Teile liegen laut Gericht bereits Anträge auf Ausschluss der Öffentlichkeit vor.

Großer Missbrauchsskandal Münster: 5-Jähriges Kind des Kreis-Gießeners als Opfer

In dem nun startenden großen Prozess sitzen gleich fünf Menschen auf der Anklagebank: Mitangeklagt sind ein 30-Jähriger aus Staufenberg im Kreis Gießen, ein 35-Jähriger aus Hannover, ein 42-Jähriger aus Schorfheide in Brandenburg sowie die 45-jährige Mutter des mutmaßlichen Haupttäters. Gemeinsam mit dem Hauptangeklagten sollen die Männer an drei Tagen im April 2020 in der Laube der 45-Jährigen zwei Jungen immer wieder mit K.-o.-Tropfen betäubt und ihnen schwere sexuelle Gewalt angetan haben. Zwei der Männer hatten in dieser Zeit Geburtstag.

Die Opfer sind der damals zehnjährige Sohn der langjährigen Lebensgefährtin des Angeklagten aus Münster sowie das damals fünf Jahre alte Kind des 30-Jährigen aus dem Kreis Gießen. Die Mutter des Hauptangeklagten soll von dem Geschehen in ihrer Hütte in der Kleingartensiedlung gewusst haben. Die Angeklagten haben während der Ermittlungen zu den Vorwürfen geschwiegen.

Großer Missbrauchsskandal Münster: Auch in Gießen laufen Ermittlungen

Erstmeldung, 21.8.2020, 14.04 Uhr: Anfang Juni hatte die Staatsanwaltschaft in Münster Ermittlungen zu einem weitreichenden Missbrauchsskandal öffentlich gemacht. Unter den Opfern ist demnach auch ein Fünfjähriger aus Staufenberg, dessen 30-jähriger Vater gehört zu den Beschuldigten.

Wie Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt (Münster) nun auf Anfrage mitteilt, sitzt der Verdächtige weiter in Untersuchungshaft. Gegen die Mutter des Fünfjährigen bestehe nach wie vor kein dringender Tatverdacht.

Laut Botzenhardt sind im Zusammenhang mit den Münsteraner Ermittlungen derzeit neun Personen in Untersuchungshaft, weitere Ermittlungsverfahren würden in Köln und Kassel geführt. »Die Auswertung der immensen Datenträger« stehe nun im Mittelpunkt, sagte Botzenhardt.

Missbrauchsfall Münster: Auch in Gießen Ermittlungen gegen Mann aus Staufenberg

Zum konkreten Stand der Ermittlungen gegen den 30-Jährigen und der Frage, ob es auch in Staufenberg zu Missbrauchstaten gekommen ist, machte der Oberstaatsanwalt mit Verweis auf das laufende Verfahren keine Angaben. Wann Anklage erhoben werden soll, ist offenbar noch nicht absehbar.

Unterdessen dauern auch in Gießen Ermittlungen gegen den Mann aus Staufenberg an, wie Thomas Hauburger, Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen, auf Anfrage mitteilt. Anlass war eine Anzeige kurz nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe. Ein Vater eines Kindes, das mit dem Fünfjährigen befreundet sein und bei ihm übernachtet haben soll, hatte laut Staatsanwaltschaft die Anzeige erstattet.

In Staufenberg wirken die Nachrichten über den Missbrauchskomplex nach, auch in der Kita, die der Fünfjährige besucht hatte: »Natürlich haben und werden wir auch weiterhin den Vorfall mit dem betroffenen Kita-Team aufarbeiten und zudem diesem, aber auch allen anderen Kita-Teams weitere Fortbildungsangebote unterbreiten«, äußert sich Bürgermeister Peter Gefeller.

Missbrauchsfall Münster: Betreuung für Kita-Team in Staufenberg

Das betroffene Kita-Team habe bereits die Möglichkeit gehabt, sich von einer Psychologin betreuen und beraten zu lassen. Eine Supervision werde gerade abgestimmt und in Kürze steht laut Gefeller die Grundqualifizierung 2.0 zum Thema »Schutz vor Kindeswohlgefährdung« an. »Diese Fortbildung wird übrigens in allen Kitas des Landkreis Gießen angeboten«, so der Bürgermeister weiter.

Für das betroffene Kita-Team werde es noch ein Zusatzangebot geben. Die Zusammenarbeit mit der Kita-Fachaufsicht beim Landkreis sowie mit dem Kreisjugendamt laufe allgemein sehr gut, hebt Gefeller hervor.

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