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Für einen riesigen Chor den Takt vorgeben - diese Ehre und Herausforderung steht bald auch Daniela Werner bevor. Das Foto zeigt eine Probe für das Musical über Martin Luther King in Essen im September. Fotos: Stiftung Creative Kirche/jwr

Musical "Martin Luther King"

Mainzlarerin dirigiert Chor mit 1200 Sängern

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Ein Musical über Martin Luther King wird im April in der Wetzlarer Rittal-Arena aufgeführt. Kirchenmusikerin Daniela Werner gibt dann für 1200 Sängerinnen und Sänger den Takt vor.

Mit sehr vielen Sängerinnen und Sängern auf der Bühne zu stehen, ist für Daniela Werner an sich nichts Neues. "Ich habe schon mal bei 300 Sängern mitgesungen und auch mal einen Chor mit 130 Sängern geleitet." Doch die Ausmaße dieses Chorprojekts sind selbst für die erfahrene Kirchenmusikerin eine neue Dimension: Am 4. April werden in der Wetzlarer Rittal-Arena gut 1200 Sängerinnen und Sänger aus 31 Chören der Region im Rahmen des Musicals "Martin Luther King" auf der Bühne einen Chor bilden - und Werner wird sie gemeinsam mit einem Kollegen dirigieren. "Das wird spannend", sagt sie voller Vorfreude, "dirigatisch ist das eine große Herausforderung".

Die riesige Sängerschar wird das Chormusical gemeinsam mit professionellen Solisten und einem Orchester zu Gehör bringen. Die Aufführung ist Teil einer deutschlandweiten Tournee: Der Veranstalter, die Stiftung Creative Kirche, organisiert Auftritte in zwölf Städten. Während Solo-Gesang und Orchesterklänge auf allen Stationen von den gleichen Musikern umgesetzt werden, variieren die mitwirkenden Chöre. Sie kommen aus der jeweiligen Region. "Wir haben ein besonderes Datum erwischt", sagt Werner über den Termin in Wetzlar, "es ist die letzte Aufführung und der Todestag Martin Luther Kings".

Musical über Martin Luther King: Tödliche Schüsse am Anfang

Am 4. April 1968 wurde der US-amerikanische Baptistenprediger und Bürgerrechtler King in Memphis, Tennessee erschossen. Er hat die US-Gesellschaft mit seinem Engagement nachhaltig geprägt, kämpfte mit friedlichen Mitteln gegen soziale Ungleichheit und Rassentrennung. Unvergessen ist seine Rede beim "Marsch auf Washington" im August 1963 mit den berühmten Worten "I have a dream". Das Chormusical "Martin Luther King - Ein Traum verändert die Welt" beginnt mit den tödlichen Schüssen und setzt sich davon ausgehend mit Kings Leben auseinander. "Es ist eine spannende Biografie und immer noch aktuell", sagt Dirigentin Werner.

Wie es sich anfühlt, einem so großen Chor Einsätze zu geben, hat Werner im Oktober erstmals erfahren: Bei einer "Kickoff-Probe" trafen sich alle Chöre. "Wir sind erstmal durch das ganze Stück gegangen", sagt die Mainzlarerin. Vergangenes Wochenende fand eine weitere große Probe statt - für jene, die beim ersten Termin nicht teilnehmen konnten oder sich als Einzelsänger ohne Chor beteiligen. Ansonsten bereiten sich die Chöre selbstständig vor, haben dafür auch Playback-Aufnahmen zur Verfügung gestellt bekommen.

Ob alle gesanglich fit für den großen Tag sind, wird sich im März herausstellen. Dann findet die Hauptprobe statt, die Chöre werden zum ersten Mal auf Solisten und Orchester treffen. Ob das gut geht? Werner ist sich sicher: Es wird klappen. "Ich habe bei den Chorsängern keine Bedenken, die brennen alle dafür", sagt sie. "Die Leute sind konzentriert, gerade wenn es an die Aufführung geht."

Musical über Martin Luther King: Körperliche Herausforderung

Werner selbst wird bei dem Auftritt nicht stimmlich, sondern eher körperlich gefordert sein. Im Gegensatz zu Konzerten mit kleineren Gruppen werde es darauf ankommen, dass sie und ihr Kollege mit großen Bewegungen dirigieren, erläutert sie. Was die Dirigenten gerade tun, soll ja noch auf den hintersten Sängerrängen gut erkennbar sein. Am 4. April finden hintereinander zwei Aufführungen statt. "Das wird auch eine körperliche Herausforderung - mein Training im Fitnessstudio habe ich schon ein bisschen angepasst", verrät Werner lächelnd. Nicht zuletzt sei auch der Gesichtsausdruck der Dirigenten wichtig - abhängig davon, ob gerade zum Beispiel eine Ballade oder ein Gospel gesungen wird.

"Es ist schon ein gewisser Respekt da, weil das Ganze auch damit steht und fällt, dass man die richtigen Einsätze gibt", sagt sie. Bei der Aufführung werden die beiden Dirigenten den Takt über In-Ear-Kopfhörer präsent haben und dann mit ihren Bewegungen an den Chor weitergeben. "Es ist nicht ganz wie Synchronschwimmen, aber es muss schon sehr angeglichen sein", sagt die 46-Jährige.

Anders als bei Projekten ihres Treiser Musicalchores wird sie sich bei diesem Großprojekt aber auf das Dirigieren konzentrieren können und ist nicht auch noch für Organisation, Inszenierung und mehr zuständig.

Musical über Martin Luther King: Eine Ehre für die Dirigentin

Dass sie von Vertretern der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) gefragt wurde, ob sie das Dirigat für das Chormusical übernehmen möchte, empfindet die Kantorin des Dekanats Kirchberg als große Ehre. Auch zwei ihrer Chöre werden teilnehmen: Der Treiser Musicalchor ist schon jetzt am Einstudieren der knapp 20 Titel, bei der "Voice Factory" des Gesangvereins Mainzlar stehen laut Werner im Januar noch ein paar Probentage an. Sie selbst muss allerdings schon jetzt alle Stücke aus dem Effeff kennen.

Es bleibt eine große Herausforderung, doch Werner freut sich vor allem auf ein besonderes Erlebnis. "So viele Individuen zu einem großen Ganzen zu formen, sie alle zu einem Klang zusammenzuführen, um gemeinsam eine Botschaft zu transportieren" - dieser Aufgabe stellt sich die Manzlarerin gern.

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