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Während die Teilnehmer üben, macht es sich Therapiehund Leopold bequem.

Leckerlis für Leopold

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Seit einigen Monaten schon besteht die Kooperation zwischen dem Sportverein 1899 Staufenberg und der Seniorenresidenz. Einmal in der Woche leitet Bärbel Wallenfels die älteren Menschen an. Es geht um geistige und körperliche Mobilität. Und mittendrin: Leopold, der Therapiehund.

Es ist dann doch kein ganz gewöhnlicher Anblick, der sich an diesem Freitagvormittag in der Seniorenresidenz Haus Staufenberg bietet. Die älteren Menschen sitzen in einem Stuhlkreis zusammen, erst lehnen sie sich entspannt zurück. Auf Kommando richten sie sich auf und werfen Küsschen in die Luft. Nacheinander sollen sie alle möglichen Körperteile dazu anspannen. Erst den Po, dann den Bauch und schließlich die Schultern zurücknehmen - bis sie ganz aufrecht sitzen. "So kriegen wir eine gute Figur", ruft Bärbel Wallenfels. Einige in der Runde schmunzeln bei den Worten.

Wallenfels ist die Übungsleiterin der beiden Gymnastikgruppen des Hauses. Immer freitags übt sie jeweils eine Dreiviertelstunde mit den Senioren. Für Außenstehende mag das nicht unbedingt nach klassischem Sport aussehen. Doch es geht um geistige und körperlicher Mobilisierung, und das alles im Rahmen der Möglichkeiten der Bewohner. "Sie sind mit Spaß dabei und lachen viel", sagt Heimleiterin Bianca Krell. Auch das ist ja ein durchaus positiver Effekt.

Ein sehr bereicherndes Angebot nennt Krell die beiden Kurse. Dass sie überhaupt zustande gekommen sind, hat auch etwas mit Bürgermeister Peter Gefeller zu tun. Im Frühsommer hatte er Krell den Kontakt zum Sportverein 1899 Staufenberg vermittelt. So nahm die Kooperation ihren Lauf.

Es sind in der Mehrzahl Frauen, die sich an diesem Freitagvormittag eingefunden haben. Männer und Gymnastik - da ändert sich wohl auch im Alter nur wenig. Die meisten winken dankend ab. Heimleiterin Krell erzählt, viele der Teilnehmer seien jede Woche dabei. Für die Senioren sei es schön, mit anderen in einer Gruppe zu üben, sagt sie. Es ist das Gemeinschaftsgefühl, das sie stärkt. Es geht nicht um Leistung. Es geht um ein Zusammensein und darum, mit kleinen Übungen das eigene Wohlbefinden zu verbessern.

Dass alle Übungen im Sitzen stattfinden, liegt auf der Hand. "Viele sind immobil und können nicht stehen", sagt Krell. Manche sind auf einen Rollstuhl angewiesen, alle haben körperliche Einschränkungen. Gut durchzuführen sind aber Atemübungen, sagt Krell. Und auch kleine Rätsel baut Übungsleiterin Wallenfels immer wieder ins Training ein. Der kognitive Part sei ein wichtiger Teil der Übungsstunde, sagt sie.

Mittlerweile halten die Teilnehmer Handtücher in ihren Händen. Sie sollen die Stoffenden zusammenführen, die Tücher falten. Ein gutes Training für Koordination und Feinmotorik der Finger. Wallenfels sagt, in diesem geschützten Rahmen und mit der kleinen Gruppengröße von nicht mehr als zwölf Senioren könne sie gut auf die Bedürfnisse der Einzelnen eingehen.

Und dann kommt Leopold ins Spiel, die heimliche Attraktion der Übungsstunde. Der dreijährige Therapiehund ist knapp ein Meter groß, ihren "reinrassigen Mischling" nennt ihn Wallenfels. Seit acht Wochen schon bringt sie ihn mit zu den Einheiten in der Seniorenresidenz.

Einige wenige haben noch immer etwas Respekt vor Leopold, den meisten aber ist er gut vertraut. Im Stuhlkreis geht Wallenfels umher, jedem der Teilnehmer steckt sie ein Leckerli zu. Auf ihr Kommando läuft der Hund los und sucht die kleinen Gaumenfreuden. Manche machen es ihm einfach und strecken die Hand aus, andere lassen den Hund erst einmal suchen. Es ist auffällig, wie oft er dabei gestreichelt wird, liebevoll, fast schon zärtlich.

Heimleiterin Krell sagt, vor allem für die an Demenz erkrankten Teilnehmer sei das besonders wertvoll. "Viele Bewohner hatten früher Haustiere", erzählt sie. "Und der Kontakt mit Tieren wie Leopold weckt Erinnerungen."

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