Sven Iffland
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Sven Iffland

"Die Jugendlichen schicken uns Fotos vom Einkaufen"

  • vonLena Karber
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Staufenberg(lkl). Die Corona-Pandemie hat den Alltag aller auf den Kopf gestellt. Soziale Kontakte haben viele nur noch telefonisch oder online. An dieser Stelle gewähren Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen Einblicke in ihren neuen Alltag. Heute: Sven Iffland, Jugendpfleger der Stadt Staufenberg.

Herr Iffland, wie verläuft Ihr Tag normalerweise?

Ich arbeite im Kinder- und Jugendbüro der Stadt Staufenberg. Vormittags erledige ich Organisatorisches. Normalerweise wäre jetzt viel für die Ferienspiele und den internationalen Jugendaustausch Anfang Juli vorzubereiten. Da wir im Landkreis in den 17 Kommunen viel zusammenarbeiten, finden auch oft Gespräche und Tagungen statt. An den Nachmittagen bin ich in den Jugendzentrum oder bei verschiedenen Projekten mit Jugendlichen in Kontakt. Zudem spiele ich dreimal in der Woche Fußball.

Und wie sieht Ihr Alltag jetzt aus?

Die Jugendräume sind geschlossen und alle Projekte wurden bis auf weiteres auf Eis gelegt. Wir versuchen, über die sozialen Medien mit den Jugendlichen in Kontakt zu bleiben. Aber das persönliche Gespräch kann das nicht ersetzen. Auch bei den Planungen hängen wir ein bisschen in der Luft. Der Krämermarkt wurde bereits abgesagt, die Entscheidung darüber, ob die Ferienspiele und der Jugendaustausch stattfinden, wurden noch nicht getroffen. Anfang Juli sollten bis zu 80 Jugendliche aus Tschechien, Ungarn und Österreich nach Staufenberg kommen, doch Tschechien hat bereits eine lange Ausreisesperre verhängt. Wir sind nun daran zu organisieren, dass das Ganze um ein Jahr verschoben wird. Den Umstand, dass ich zur Zeit wenig tun kann, habe ich genutzt, um alten Urlaub abzubauen. Und da das Fußballtraining ausfällt, sammeln wir als Mannschaft jetzt unsere Laufleistungen in einer Lauf-App. Ich bin mit 35 als einer der Ältesten ganz vorne in der Rangliste . Ich habe gelesen, dass seit der Kontaktsperre viele das Laufen für sich entdecken. Wenn das so rücksichtsvoll geschieht, wie ich es derzeit erlebe, und der Mindestabstand eingehalten wird, finde ich das prima.

Was vermissen Sie am meisten?

Natürlich den Kontakt mit den Jugendlichen und den Kindern in den verschiedenen Projekten. Die kommunale Jugendpflege lebt von der Arbeit in Gruppen und in Projekten.

Was ist positiv?

Ich habe zwei kleine Kinder und eine schwangere Frau zu Hause, die kann ich jetzt mehr unterstützen, weil ich zurzeit viel weniger arbeite. Positiv würde ich auf jeden Fall auch bewerten, dass viele junge Menschen erkennen, dass es gut ist, sich solidarisch zu verhalten. Wir haben die jungen Menschen auch dazu aufgerufen, sich um die Älteren zu kümmern und sehr viele Rückmeldungen bekommen. Die Jugendlichen schicken uns Fotos vom Einkaufen oder stellen sie auf Instagram, um andere zu motivieren, mitzumachen. Außerdem finde ich es überraschend, aber auch positiv, dass sich die meisten Jugendlichen tatsächlich an die Einschränkungen halten. Ich sehe nur ganz, ganz wenige, die sich darüber hinwegsetzen und trotzdem irgendwo treffen. FOTO: PM

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