Jacqueline Herrmann liest im Kulturcafé. FOTO: VH
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Jacqueline Herrmann liest im Kulturcafé. FOTO: VH

Von heiter bis nachdenklich

  • vonVolker Heller
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Staufenberg(vh). Aus Schweden kommen bekannterweise Krimiserien mit teils skurrilen Typen. Doch dann schrieb Fredrik Backmann, Schwedens erfolgreichster Autor 2013, den Roman über ein als frühreif betiteltes Kind, Elsa, und eine anscheinend kindische Oma, die wohl keinen Namen hat, dafür umso mehr Symbolfunktion: "Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid". Im Kulturcafé Daubringen herrschte Sprachlosigkeit. Jacqueline Herrmann hatte nämlich gefragt, wer den Roman bereits kenne - kaum jemand.

Die Vorlesefrau vergab erstmal das Kompliment, dies sei "das schönste Ambiente fürs Lesen". Barbara Pohl-Hondrich vom Veranstalter, dem Verein Impuls, nickte dankbar. Bei Kaffee und Kuchen und mit genügend Corona-Abstand lauschte man dem Vortrag.

Der Leseeinstieg sorgte für Heiterkeit, sodass der Unkundige meinen musste, die Witzeffekte würden sich nun endlos ausdehnen. Nach einer Lüftungspause schob Herrmann jedoch die Heiterkeit beiseite und wählte Textstellen aus, die nachdenklich stimmten.

Autor Backmann behandelt tatsächlich ein Paradox: Das Kind ist einerseits anders als die meisten Gleichaltrigen, kommt altklug daher mit ungehörigem Wissensdurst. Im selben Atemzug konzentriert sich seine Psyche auf sich selbst, Elsa ist eine Ich-AG. Sie hat keine Freunde, Oma ist der alleinige Ansprechpartner. Jene ist keinesfalls altersverwirrt, wenn sie etwa nachts in den Zoo einsteigt oder "Kacke" auf Polizisten wirft (ist eigentlich nur Erde). Oma war Ärztin, hat für Ärzte ohne Grenzen die Welt bereist.

Sie erhebt nun die außergewöhnliche Enkelin, mit der andere Erwachsene kaum klar kommen, nicht zur Außenseiterin, sondern zur Superheldin im Märchenreich Miamas. Eben dort darf Elsa sein wie sie ist. Oma, die bald an Krebs sterben wird, bereitet sie noch auf ihre größte Heldentat vor: Wie komme ich mit den Menschen meiner Umgebung zurecht.

Peter Herrmann hat passend zur Lesung Stücke für Gitarre/Bass und Querflöte komponiert, damit versüßten beide den Lesespaß.

Die deutsche Übersetzung "Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid" erschien 2015 beim Fischer Krüger Verlag. Die Originalausgabe "Min mormor hälsar och säger förlat" erschien 2013 im Verlag Forum, Stockholm.

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