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Stolze Brauer: Christian Hölzing (l.) und Alexander Schimmel in ihrer kleinen Heimbrauerei in Daubringen.

Craft-Bier

Neues Bier aus dem Landkreis Gießen - Zwei Freunde stecken dahinter

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Alexander Schimmel und Christian Hölzing haben sich mit dem "Daubringer Hällche" den Traum vom selbst gebrauten Bier erfüllt. Angefangen hat es mit 13 Litern, inzwischen kalkulieren sie mit weit größeren Mengen.

Staufenberg - Acht Kneipen gab es früher einmal in Daubringen. Das ist lange her. Doch vielleicht entwickelt sich das Dorf gerade zu einem Ort, der in den Ohren von Bierkennern verheißungsvoll klingt: Seit 2017 tüfteln Christian Hölzing und Alexander Schimmel hier an ihren eigenen Kreationen und haben ihr "Daubringer Hällche" zur Marktreife gebracht.

Die kleine Heimbrauerei in Daubringen ist übersichtlich: Drei große Metallgefäße stehen auf dem Tisch, ein Kühlsystem sowie verschiedene Malzsorten als Rohstoff daneben. Alles kein Hexenwerk, könnte man als Laie meinen. Doch wenn Hölzing und Schimmel erklären, welche Schritte beim Brauen wann dazugehören, wird es kompliziert: Dann ist vom "Mälzen", "Maischen" und "Hopfen Stopfen" die Rede, von Enzymaktivierung und Aromen. "Es gibt unendlich viele Stellschrauben bei den Ausgangsstoffen", sagt Schimmel voller Begeisterung. Und all diese Schräubchen nehmen Einfluss auf Geschmack und Farbe.

Staufenberg/Gießen: Schuppen als Bier-Labor

Der Schuppen dient quasi als Bier-Labor. Hier feilen sie jedes Wochenende aufs Neue an der Mischung ihrer Kreationen. Um den nächsten Schritt zu gehen, mussten sie den Raum aber verlassen. Wer in Deutschland privat Bier braut, darf es nicht ohne Weiteres verkaufen. "Wir haben das so gelöst, dass wir Rezepte hier entwickeln und dann auf einer externen Anlage in einer Craft-Bier-Brauerei in Mainz brauen", erzählt Hölzing.

Bevor sie sich selbst ans Brauen trauten, haben die beiden an ihrem Geschmack gefeilt, gezielt unterschiedliche Biersorten verköstigt. Beim Öffnen lauschen, riechen, schmecken - all das gehöre dazu, wenn man sich ein Urteil bilden will.

"2017 haben wir dann gesagt: Jetzt machen wir es einfach mal selbst", blickt Schimmel zurück. Gerade einmal 13 Liter kamen beim ersten Sud heraus. "Der Abend vor dem ersten Brautermin - da war ich schon aufgeregt. Klappt das alles?", erinnert sich Hölzing. "Anfängerfehler passieren, aber es waren nur Kleinigkeiten." Schritt für Schritt haben sie den Sud verfeinert, "bis wir im Craft-Bier-Bereich waren", sagt Schimmel.

Die beiden Brauer haben sich Vertraute ins Boot geholt, um den Traum vom eigenen Bier umzusetzen: "Die Optik des Logos war unsere Idee. Entworfen hat es ein Freund, ein anderer hat es gedruckt. Wir haben einige Freunde eingespannt", sagt Hölzing. Für das Logo ließen sich die beiden von einem vierbeinigen Freund inspirieren: "Wir haben einen Ochsen, den ›Urmel aus Krofdorf‹. Mit ihm gehen wir öfters spazieren. So kommt auch das Logo zustande - Hopfen mit Hörnern." In Krofdorf lernten sich die Brauer einst auch kennen, Schimmel wohnt dort. Ihre Partnerinnen haben dort Pferde stehen, so kam der Kontakt zustande.

"Wir haben noch nie etwas dabei gehabt, was nicht geschmeckt hat", sagt Hölzing, "das war alles mindestens okay". Doch welche Variation kommt am besten an? Um das herauszufinden, haben sie eine gemeinsame Geburtstagsfeier im Daubringer Garten als Verköstigung genutzt. Rund 100 Probanden seien zu diesem ersten "Daubringer Hällche-Fest" gekommen. "Es war für jeden etwas dabei", sagt Schimmel. Besonders gut kam das fruchtige Caramuja an - und wurde so zum ersten Produkt, das in den Verkauf ging.

Staufenberg/Gießen: Daubringer Bier schon in Läden und Kneipen

Im Berufsleben sind die beiden alkoholfrei unterwegs: Schimmel stammt aus der Pfalz, ist einst für das Studium der Agrarwissenschaften nach Mittelhessen gekommen. Inzwischen vermarktet er biologisch erzeugte Produkte. Hölzing ist studierter Betriebswirtschaftler und arbeitet als IT-Experte. Eine Verbindung zur heutigen Leidenschaft gibt es aber doch: "Ganz früher habe ich als Bier- und Limokutscher angefangen", sagt Hölzing über seine Ausbildung bei einem Getränke-Großhandel.

In einigen Einkaufsmärkten und Kneipen ist das Daubringer Bier schon für rund drei Euro pro Flasche zu haben. Das sei ein mittlerer Preis für ein Craft-Bier. "Bier kostet in Deutschland nicht das, was es wert ist", findet Hölzing, "aber es muss jeder für sich entscheiden, was er dafür ausgeben will". Das "Hällche" sei jedenfalls nicht zum Betrinken gedacht, sondern als Genussmittel. Das sehen offenbar auch Kenner so: Einem Craft-Bier-Magazin war das "Hällche" kürzlich eine Erwähnung wert.

"Beim ersten Sud aus Mainz sind 177 Kästen rausgekommen, für den Freundeskreis ist es zu viel", sagt Höling. Kürzlich haben sie Nachschub gebraut und auch eine zweite Sorte auf den Markt gebracht, das rauchige Schwarzbier "Nachtschatten".

Von mangelndem Interesse an ihrem Bier kann keine Rede sein, und doch sind Schimmel und Hölzing noch weit davon entfernt, mit Bier ihr täglich Brot zu verdienen. Die Mengen seien noch zu gering, um damit zumindest einen ordentlichen Nebenverdienst aufzubauen, erzählen sie. Doch sie behalten dieses Ziel im Auge. Vorerst bleibt es daher wie gehabt: Im Berufsalltag haben sie mit Bier nichts am Hut. Und freitagabends treffen sie sich weiter im "Hällche", um an neuen Kreationen zu feilen.

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