Auftritt im Finale

Frech und laut: RockZone lässt es im „The Voice Kids“-Finale ein letztes Mal krachen

  • vonStefan Schaal
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Als erste Rockband überhaupt hat es RockZone aus dem Kreis Gießen in das Finale von „The Voice Kids“ geschafft. Fast wären sie gar nicht bei der TV-Show angetreten, erzählen sie im Gespräch.

Update, 26.04.2021, 11.21 Uhr: Gewonnen haben sie nicht, doch gerockt auf jeden Fall: Beim Finale von „The Voice Kids“, das am gestrigen Sonntagabend (25.04.2021) auf Sat1 ausgestrahlt wurde, performten Oskar, Ruben und Arian den Song „Chop Suey!“ von System of a Down performt und sorgten damit für Begeisterung. Obwohl die Jungs aus Staufenberg und Lollar, die zunächst im Team von Silbermond-Frontfrau Stefanie Kloß waren, nach einem sogenannten „Steal Deal“ für das Team von Wincent Weiss antraten, gab es großes Lob aus dem Lager der „Fantastischen 4“. „Wenn RockZone diese Staffel The Voice Kids gewinnen würde, dann wäre diese Welt ein ganz großes Stück besser!“, befand Bandmitglied Michael Beck nach dem Auftritt. „Und lauter“, fügte Moderator Thore Schölermann an.

In der dreieinhalbstündigen Show waren insgesamt zwölf Finalisten und Finalistinnen mit selbst ausgewählten Songs gegeneinander angetreten. Zudem hatte jedes Team einen gemeinsamen Auftritt und es gab ein gemeinsames Medley aller Teams zusammen mit Mark Forster. Beim Auftritt von „Team Wincent“ sorgten die Musiker mit dem Song  „Teenage Dirtbag“ von Wheatus für gute Stimmung. Dabei wurde deutlich, dass der Spaß und das gemeinsame Musik machen in der Show im Vordergrund standen. Die zehnjährige Henriette trug bei dem Auftritt sogar ein Fan-Shirt der Staufenberger Band.

Letztendlich durften dann die Zuschauer über den Gewinner von „The Voice Kids“ 2021 entscheiden und stimmten mehrheitlich für den 15-jährigen Egon aus Berlin, der einen Pokal sowie einen Plattenvertrag erhält. Doch auch für die Jungs von RockZone war die Teilnahme an der Show sicherlich ein Gewinn, schließlich haben sie viele neue Fans und tolle Erfahrungen gesammelt. „Sie wurden von Tag zu Tag frecher, aber zum Glück auch besser“, berichtete Coach Wincent Weiss schmunzelnd über die Zusammenarbeit. (lkl)

„Uns wird in unseren Unperfektheiten geholfen“, sagt Oskar (M.), der mit Ruben (l.) und Arian (r.) im Finale von „The Voice Kids“ steht.

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RockZone bei „The Voice Kids“: Vor allem wollen sie Spaß haben

Erstmeldung, 24.04.2021, 09.41 Uhr: Ein Sturm zieht auf. In die Stille hinein donnert ein Schlagzeug, Gitarrenklänge setzen ein. Der 13 Jahre alte Oskar brüllt: „Killing in the name of“. Gerade noch hat auf der selben Bühne ein Mädchen prinzessinengleich eine Ballade gesungen, nun verzieht die zuhörende Stephanie Kloß, Sängerin der Band Silbermond, verwundert das Gesicht, ihre Augen werden immer größer, „Ho“, ruft sie, als drei Jungs aus Staufenberg und Lollar mit hartem Rock die Bühne der Fernsehshow „The Voice Kids“ und die Wohnzimmer von mehr als zwei Millionen Zuschauern erobern.

Ortswechsel. Oskar, Ruben und Arian haben auf einer Terrasse im Süden Staufenbergs Platz genommen. Die Sonne scheint, es ist ein lauer Frühlingsabend. Mit ihren Eltern plaudern die 13 und 14 Jahre alten Musiker über das Halbfinale der TV-Show, durch das sie nun ins Finale am heutigen Sonntag eingezogen sind, und über ihre Band RockZone. Plötzlich fällt Oskar, dem Sänger und Gitarristen, fluchend ein: „Ich habe heute vergessen, meine Musik-Hausaufgaben abzugegeben.“

Im nächsten Moment reißt Ruben, der Schlagzeuger, das Gespräch an sich. „Wir haben etwas zu erzählen, das viel wichtiger ist als The Voice“, sagt er. „Wir haben einen neuen Proberaum gefunden.“ Ihre Songs werden sie künftig in Grünberg im Jugendzentrum einstudieren. In den bisherigen Räumen sei es zu eng geworden. Nachbarn hätten sich wegen der Lautstärke beschwert.

RockZone heute im Finale

Am heutigen Sonntag ist die Band RockZone ab 20.15 Uhr im Finale der SAT1-Show »The Voice Kids zu sehen.

Zurückgelehnt sitzen die jungen Musiker auf ihren Stühlen, schwätzen ziehen sich gegenseitig auf - und schnell wird klar: Ums Gewinnen geht es ihnen in der TV-Show nicht unbedingt. Vor allem wollen sie Spaß haben. Und hin und wieder andere mit ihrer Musik verblüffen.

RockZone bei „The Voice Kids“: „Unglaublich wertschätzend“

Als sie einmal „Kiling in the name“ von Rage against the Machine während einer Probe der Show in der nicht jugendfreien Originalversion spielen und voller Inbrunst „Fuck you“ schreien, rümpfen Eltern anderer Kandidaten die Nase. Beschwerden habe es nicht gegeben, erzählt Oskar. „Das haben die sich nicht getraut.“

Im Gegensatz zu den meisten anderen Kindern die bei „The Voice Kids“ auftreten, haben sich die drei Jungs aus Staufenberg und Lollar nicht selbst beworben. Eine Agentur hat sie im Sommer vergangenen Jahres angeschrieben. Sie sagten zunächst ab. „Die Show war mir zu poppig und zu kommerziell“, sagt Oskar. Zuvor hätten sie auf einem Konzert gemeinsam mit den Spermbirds, einer Hardcore-Punkband, gespielt. „Das hätte nicht zusammengepasst.“

Die Agentur fragte mehrere Wochen später nochmal an. „Es war Sommer. Wir hatten nichts zu tun“, erzählt Ruben. Sie seien dann doch nach Köln gereist. „Wegen Corona sind mehrere Konzerte ausgefallen“, erzählt Oskars Mutter Julia. „Wir haben gedacht: Wir ermöglichen den Kindern einen Auftritt und fahren wieder heim.“ Überraschend sei die Band in die nächste Runde gekommen. „Das Ding hat Flügel bekommen.“

Die „Flügel“ spüren die drei Musiker vor allem in den sozialen Netzwerken, wo sich mehr und mehr Fans bei ihnen melden. Kürzlich, nachdem sie in der Show „Big in Japan“ gespielt haben, habe der Sänger von Alphaville ihre Instagram-Seite besucht, erzählt Oskar. Von Mitschülern und Freunden komme indes überraschend wenig. „Corona“, sagt Oskars Vater Sven. „Wenn sie sich auf dem Schulhof treffen würden, wäre das sicher anders.„“

Dass Casting-Shows in der Kritik stehen, ist den Eltern bewusst. Kinder und Jugendliche würden dort unter Druck gesetzt, heißt es. Auch sie hätten die Teilnahme ihrer Söhne zunächst mit Vorsicht begleitet. „Aber es läuft dort unglaublich wertschätzend ab“, berichtet Oskars Vater. „Jedes Kind wird gefeiert, ob es weiter kommt oder nicht“ stimmt ihm seine Frau zu. Sie spüre außerdem, dass die Teilnahme den drei Teenagern „ein breiteres Kreuz“ verliehen habe. Die drei Jungs hätten Spaß an der Musik. „Wir unterstützen sie darin. Wir haben nicht vor, aus ihnen ein zweites Tokio Hotel zu machen.“

RockZone bei „The Voice Kids“: Verträge stundenlang durchgeackert

Vor ein paar Jahren haben die drei Musiker erklärt, niemals an einer Casting-Show teilzunehmen. Darauf angesprochen erklärt Oskar, es handle sich bei „The Voice Kids“ um „keine Casting-, sondern um eine Musikshow“. Proben stünden im Mittelpunkt. Über die Teilnehmer werde nicht geurteilt, „Uns wird in unseren Unperfektheiten geholfen.“ Der Sänger und Gitarrist ergänzt: Bei „Deutschland sucht den Superstar“ würden die schlechteren Talente deutlich mehr in der Show gezeigt, um Quote zu machen. „Bei The Voice dagegen die besseren.“

Auch bei „The Voice“ müsse man als Teilnehmer Verträge unterschreiben, räumt Rubens Vater Marc ein. „Aber das sind keine Knebelverträge. Da ist kein Interesse, uns über den Tisch zu ziehen.“

Gut drei Jahre ist es inzwischen her, als Oskar und Ruben, damals Fünftklässler am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium, sich den Proberaum der Schulband anschauten. Noch am selben Tag gründeten sie eine Band und schrieben kurz darauf eigene Songs. Ihr Vorbild war anfangs Nirvana. „Wir sind nicht süß. Wir sind cool“, betonten sie damals wenige Monate nach der Bandgründung im Gespräch mit dieser Zeitung.. Angesprochen auf das Zitat legt Bassist Arian Widerspruch ein. Zum Scherz hebt er die Arme wie ein Muskelprotz. „Wir sind cool? Ich bin heiß.“ (srs)

Rubriklistenbild: © pv

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