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Architekt Nicolai Zinkler (r.) erklärt bei einer Führung durch den Rohbau des neuen Multifunktionshauses Mitgliedern des "Impuls"-Vereins und weiteren Gästen das Konzept und wo alles später seinen Platz findet.

Eine moderne Scheune

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Staufenberg (mmf). Vorsichtig geht es die Treppe nach oben, überall stehen Baugeräte und Dämmmaterial. Dort oben angekommen, liegt einem ein Holzgeruch in der Nase. Ein Blick nach oben zeigt wieso: Das gesamte erste und zweite Obergeschoss ist aus Holz gebaut. In mitten der Baustelle sind Bierzeltgarnituren und Stehtische aufgebaut - das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Marburg-Gießen hatte zusammen mit der Stadt Staufenberg und dem "Impuls"-Verein für Montag zum Rohbaufest des Multifunktionshauses gegenüber des Friedhofs eingeladen.

Im Treppenhaus kann man die meterhohen Wände bestaunen. "Der Flurbereich wurde offen gehalten um einen Scheunencharakter zu erzielen", sagt Bürgermeister Peter Gefeller. "Im dörflichen Bild von Daubringen gibt es viele alte Scheunen", erklärt Architekt Nicolai Zinkler vom Planungsbüro Wahle Zinkler. Der Eingang sei so entworfen worden, dass eine Analogie entsteht, wo der Heuwagen in die Scheune fahre.

Röhrenrutsche vom Obergeschoss

Der Kreisverband Marburg-Gießen wird in dem Multifunktionsgebäude erstmals eine Kindertagesstätte mit Platz für rund 100 Kindern betreiben. "Unser erster Grundsatz ist die Menschlichkeit, und da gehört es dazu, dass wir uns auch um unsere Kinder kümmern", betont Christian Betz vom Kreisvorstand des DRK. Neben den vier Kindergartengruppen im ersten und zweiten Stock möchte das DRK im Erdgeschoss noch das Familienzentrum und Praxisräume betreiben, "um die ärztliche Versorgung zu stärken", sagt Betz. Zudem entsteht in dem Gebäude ein Begegnungszentrum, das der "Impuls"-Verein gerne auch für kulturelle Veranstaltungen nutzen möchte.

Vom ersten Stock aus kommen die Kinder und auch die Besucher des Begegnungszentrum in den Außenbereich. Dieser liegt zwischen dem bereits bestehendem Kindergarten Am Buchenberg und dem neuen Gebäude. Neben einer Terrasse ist ein Sandsee, viel Rasenfläche und eine Röhrenrutsche vom Obergeschoss in den Garten geplant, sagt Sabrina Becker vom Landschaftsarchitekturbüro Sommerlad Haase Kuhli.

"Es ist ein wunderbares Konzept, das ich so im Kreis Gießen nicht kenne", sagt Landrätin Anita Schneider. "Es ist ein ›Leuchtturmprojekt‹ das uns in Staufenberg voranbringt", sagt Gefeller. Generationen könnten miteinander verbunden werden, Kinder von Senioren lernen. "Es ist eine Bereicherung für unsere Gemeinde", sagt er.

Ganz oben, direkt links von der Treppe, kommt man über eine Art Brücke in den Bewegungsraum. Hier haben die Kinder die Möglichkeit, an Sprossenwänden und einem Spieleturm zu toben. In der gesamten Planung haben sich die Architekten von einem Akustiker beraten lassen: "98 Kinder kann man nicht ignorieren", fasst es Zinkler zusammen. Auch bei der Dämmung und beim Hitzeschutz wurde investiert. Wenn dort oben keine Kinder spielen, wolle das DRK den Raum beispielsweise für Erste-Hilfe-Kurse nutzen. Das Projekt liegt insgesamt bei 4,2 Millionen Euro. 640 000 Euro kommen vom Landkreis, 184 000 Euro seien EU-Gelder, sagt Schneider. Geheizt werde mit Pellets und damit CO2-neutral. Alle Beteiligten sind sich sicher, dass das Gebäude bis Ende des Jahres fertiggestellt sei und 2020 eröffnet werden könne.

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