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Autokonzert

Drive-in in Treis

  • vonVolker Heller
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Autokinos schießen momentan wie die Pilze aus dem Boden: Autokonzerte dagegen findet man in Cornoa-Zeiten vergleichsweise selten. In Staufenberg-Treis gab es ein organisatorisches Meisterstück.

Es ist lange noch nicht Herbst und auch eher trocken denn feucht. Trotzdem sprießen momentan die Autokinos wie Pilze aus dem Boden. Mutmaßlich jede größere Stadt, die etwas auf sich hält, bietet in der Corona-Krise diesen Freiluft-Ersatz an. Es gelten dabei unverändert die Abstandsregeln von anderthalb Meter - von Auto zu Auto. In Wetzlar hat allerdings soeben der Veranstalter eine Autokino-Veranstaltungsreihe abgesagt, weil der Lahn-Dill-Kreis zwei Meter Abstand vorgegeben hatte. Das hätte sich dann nicht mehr gerechnet.

"Doku Dienstag" und Elferrat aktiv

Wie man im beschaulichen Staufenberger Stadtteil Treis kalkuliert hatte, bleibt somit das Geheimnis der Wagemutigen um "Doku Dienstag", einem Stammtisch, und ihrem Support, dem Elferrat Treis. Doku und Elferrat haben über Pfingsten im Edelgarten vor der Sport- und Kulturhalle Treis von Freitag bis Sonntag das erste Autokonzert im Lumdatal überhaupt auf die Räder gestellt. Eigentlich hätte das Event wie überall sonst ein Autokino sein sollen. Doch: "Die Kosten allein für Filmrechte haben den Ursprungsplan schnell wieder über den Haufen geworfen", erläuterten Dennis Wießner und Philipp Michel auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung.

Musik-Event in 40 Fahrzeugen

Schließlich liege die Kapazität in Treis bei höchstens 40 Autos. An der Hessenhalle in Gießen stehen im Autokino dagegen bis zu 250 Blechkarossen. Aufgeben wollten die Doku-Leute aber nicht; sie legten den Schalter unverzüglich um. Plan B entwickelte in kurzer Zeit ein Eigenleben. Die Motivation, in Corona-Zeiten mit Abstandregeln und Kontaktsperren dennoch ein Gemeinschaftserlebnis zu lancieren, gab den Ausschlag. Wießner: "Überall sind die Leute so angespannt. Wir wollten etwas anbieten, um für Stunden einmal abschalten zu können".

Ehrenamtliche Helfer fanden sich nun zuhauf: Solche, die vor Ort tätig waren, und andere mit Kenntnissen im notwendigen Schriftverkehr.

Etliche Sponsoren mit im Bunde

Die Idee zum Autokonzert und alle begeisterten Helfer benötigten jedoch zwingend den Dritten im Bund: etliche Sponsoren. Rewe-Simon in der Vitalen Mitte lieferte Snacks und teils auch Getränke, Getränkehändler Christopher Starke (Treis) steuerte den Kühlwagen und Getränke für die Helfer bei, Fahrzeugtechnik Hantschel (Allendorf/Lumda) bot einen kostenlosen Notdienst an und stellte ein Startergerät zur Verfügung, Elektro-Hettche (Treis) half mit Stromkabeln und Werkzeug, Matthias Will (Treis) brachte Bauzäune und Absperrungen und Adi Ahlendorf (Marburg) lieferte die Bühne mit Zelt. Das Ordnungsamt der Stadt Staufenberg zeigte sich ebenfalls hilfsbereit.

"...die Finger wund telefoniert"

Zwei Tage habe man sich buchstäblich die Finger wund telefoniert, versicherten die beiden Doku-Vertreter. Dann stand das Event und die notwendige UKW-Frequenz für den Empfang im Auto. Ärgerlich sei die Platzgebühr von 500 Euro für den Edelgarten. Von Freitag morgen um 9 Uhr bis Pfingstmontag um 13 Uhr standen die Organisatoren und ihre Helfer unter Strom. Aufbau, Abbau, Nachtwache bei der Technik schieben: Es waren immer mindestens zwei Personen.

Gottesdienst im fahrbaren Untersatz

Am Freitag spielten die Allendorfer Band M.O.R.Z.E. sowie Dana Maria und Band. Samstag gab es mit Monotypes aus Gießen den Hauptact. Am Pfingstsonntag feierte Pfarrer Andreas Lenz einen Auto-Gottesdienst mit Abendmahl. Am E-Piano musizierte Daniela Werner. Es spielte die Band Afro Kunda, die später auch ein Konzert gab. Der Sonntagabend war den DJs vorbehalten. Am Start: DJ Nienty sowie Mixturez und MaxGoe. Foto: vh

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