Auch in Staufenberg wurden die Toleranz-Schilder nun angebracht. FOTO: LKL
+
Auch in Staufenberg wurden die Toleranz-Schilder nun angebracht. FOTO: LKL

"Dieser Einsatz ist mehr denn je vonnöten"

  • vonLena Karber
    schließen

Staufenberg(lkl). Seit einem Jahr zieren sie die Ortseingänge von Lollar, für kurze Zeit waren sie auch in Allendorf zu sehen: Schilder, mit denen sich die Kommunen zu Demokratie, Vielfalt und Toleranz bekennen. Nun ist das Motiv, das 2018 im Kunstleistungskurs der Clemens-Brentano-Europaschule (CBES) unter der Leitung von Michael Kühn entstanden ist, auch in Staufenberg präsent. Fünf Schilder hat der Bauhof an den Ortseingängen angebracht.

Bei der offiziellen Einweihung der Schilder am gestrigen Donnerstag hob CBES-Schulleiter Andrej Keller die Bedeutung der Schule als "demokratische Bildungswerkstatt" hervor: Als UNESCO-Schule und als "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" gehe es an der CBES nicht nur um Sachwissen und Methodenkompetenz, sondern auch um die Vermittlung einer politischen Haltung, die auf demokratischen Werten fuße.

Bürgermeister Peter Gefeller ging auf aktuelle Vorfälle ein, die sich im Kontext der Corona-Pandemie zugetragen haben, um die Bedeutung der Schilder zu unterstreichen. Sich für Werte wie Freiheit, Vielfalt, Toleranz und für die Demokratie einzusetzen sei in einer Zeit, in der Menschen "nationalsozialistisches Gedankengut und den Schutz von Leben und Gesundheit der Gesamtbevölkerung in einen völlig verqueren Zusammenhang stellen, mehr denn je vonnöten", sagte der Rathauschef.

Konkret meinte er damit "Querdenker", die mit dem Slogan "Impfen macht frei" auf eine nationalsozialistische Parole referieren, sowie den Vergleich des Schicksals eines 11-jährigen Mädchens in der Pandemie mit dem von Anne Frank und eine junge Frau aus Kassel, die sich mit Sophie Scholl verglichen hatte.

Den Vorfall in Allendorf, wo jüngst die fünf neu aufgestellen Toleranz-Schilder von Unbekannten entfernt wurden, reihte er in die Liste dieser Ereignisse ein. Es sei "nicht ganz so schlimm, aber schlimm genug", betonte Gefeller. Insgesamt habe sich durch die Reaktionen der Allendorfer und die große Zustimmung für Bewilligung neuer Schilder jedoch gezeigt, dass das Lumdatal mehrheitlich "ein buntes und vielfältiges Tal" sei. Von einem erneuten Diebstahl gehe man nicht aus.

Trotzdem wurden die Schilder in Staufenberg gesichert und die Namen der beteiligten Schülerinnen nicht öffentlich gemacht. Ilse Staude von der Grün-Alternativen Liste, die den Antrag zur Anschaffung der Schilder mit der SPD ins Stadtparlament eingebracht hat, konnte aus eigener Erfahrung bestätigen, dass das der richtige Weg sei, um die jungen Frauen zu schützen. Sie bedankte sich bei der Arbeitsgruppe "Dabei sein in den Gießener Lahntälern", die die Schilder im Rahmen des bundesweiten Programms "Demokratie leben" finanziert hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare