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Dialoge mit einem Bass

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
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Not macht erfinderisch und Kreative bisweilen noch eine Spur kreativer. Peter Herrmann, "Bassprofessor" vom Lollarer Kirchberg, zog sich mitten in der Coronakrise in sein Studio zurück - und legte sechs Wochen später ein eigenes Album vor: "Dialogue - Duets with a Bass Guitar" wird am 6. Dezember im Livestream vorgestellt.

Livekonzerte sind noch für geraume Zeit passé, größere Musikerformationen können nicht mehr gemeinsam proben - Vorschrift ist Vorschrift. Die Kasse klingelt "bei Künstlers" längst nicht mehr, und die vom Staat in Aussicht gestellte Unterstützung lässt auf sich warten. Corona eben.

Peter Herrmann ist Bassist, Gitarrist, Komponist und Musikproduzent. Er ist Initiator unzähliger Bands und Projekte. Vor allem im Bereich der Weltmusik hat er sich einen Namen gemacht. Schon lange komponiert und arrangiert der 59-Jährige in seinem Studio auf dem Kirchberg bei Lollar Musik für Theater, Verlage, Bands und Solokünstler. Viele seiner Ideen entstehen auf seinem Hauptinstrument, der Bassgitarre. Und die beherrscht er meisterlich. Auf dem vermeintlich eher behäbigen Instrument hat er sich Techniken erarbeitet, die weit über den üblichen Einsatzbereich hinausgehen. Und macht damit den Bass zu einem Soloinstrument.

Herrmann entlockt den vier Saiten perkussive Klänge, die eine komplette Rhythmusgruppe ersetzen. Nicht selten glaubt man, drei Instrumente gleichzeitig zu hören. Mit Hilfe von Flageollettönen erweitert er den Tonumfang des Instruments nach oben, was mal wie ein E-Piano oder -wenn er sein Freeze-Pedal einsetzt - wie eine Synthesizerfläche klingt. Bei seinem Akkordspiel in hohen Lagen glaubt man fast eine Bossa-Nova-Gitarre zu hören. Nun hat er ein Album mit vorwiegend eigenen Kompositionen veröffentlicht.

Neben drei Solostücken sind das Duette mit Akkordeon, Querflöte, Gitarre, Posaune, Schlagzeug, Percussion und Stimme.

Release-Konzert aus der Treiser Kirche

Für die 14 Duette auf dem Album hat sich Herrmann etliche hochkarätige Musiker, zumeist langjährige Freunde, zu den Aufnahmen nach Hause ins eigene Studio geholt. Bei "Mrs. Robinson" von Simon & Garfunkel etwa bedient Tim Potzas die Pedal-Steal-Guitar, die "Bohemian Rhapsody" von Queen setzt Herrmann mit Michael Diehl an der Akustikgitarre in Szene. "The Chicken" von Pee Wee Elis wird zusammen mit Fallou Sy an der Djembe interpretiert, ebenso Stevie Wonders "I Wish". Überraschen lassen darf man sich auch von einer superschönen, bisher unveröffentlichten Duoaufnahme von "The Light at the End" mit Mark Gillespie. "Ein alter Hut": Bei der gleichnamigen musikalischen Partie ist Ehefrau Jacqueline mit Querflöte dabei. Das Line-up auf dem Album ergänzen Jürgen Schuld (Percussion), Daniel Schild (Drums), Andreas Jamin (Posaune/Trombone) und Helmut Fischer (Akkordeon).

Das Release-Konzert für das neue Album findet am Sonntag, 6. Dezember, im Livestream auf YouTube aus der Kirche in Staufenberg-Treis statt. Peter Herrmann wird auf Einladung der Evangelischen Kirchengemeinde Treis einige seiner Duette live mit Gästen präsentieren. Um 13 Uhr geht’s gemeinsam mit Helmut Fischer und Jacqueline Herrmann los. Sie werden um 14.30 Uhr von Andreas Jamin und Moritz Weissinger (Drums) abgelöst, ab 16 Uhr spielt Herrmann gemeinsam mit Gerd Stein. Das Publikum daheim am Schirm darf schöne Musik und das Leuchten der zweiten Adventskerze genießen. COVERFOTO: STEPHAN KLEMENT

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