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Daubringen wird von der Weltgeschichte gestreift

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Manches, was Daubringen früher ausgemacht hat, ist dahin. Doch im Verbund mit den Nachbarn und durch engagierte Akteure ist das Dorf immer in Bewegung. Ein Ortsporträt.

Bis aus "Tagebergen", erstmals Ende des 8. Jahrhundert erwähnt, "Daubringen" wurde, hat das Dorf an der Lumda einiges erlebt. Am kommenden Wochenende feiern die Daubringer, gemeinsam mit Mainzlar, ihr 1225-jähriges Ortsjubiläum. Die Doppelfeier ist kein Zufall, die beiden Nachbarn sind seit jeher eng verbunden.

In Sachen Infrastruktur und Einzelhandel geht es Daubringen wie so vielen kleineren Orten: Vieles ist in den vergangenen Jahrzehnten gewichen. Doch der Ort profitiert davon, dass die Staufenberger Stadtteile bis auf Treis räumlich eng verwoben sind.

Daubringen: Einst acht Kneipen

Kurz hinter der Gemarkungsgrenze, jenseits der Lumda, ist das Gewerbegebiet "Vitale Mitte" auf Mainzlarer Grund schnell erreichbar. Dort soll nun auch ein Ärztehaus entstehen, die Stadtverwaltung ist direkt daneben zu finden.

Von der einstigen Kneipendichte mit rund acht Lokalen ist fast nichts mehr übrig. Kürzlich hat der Verein "Impuls" zum zweiten Mal eine "historische Kneipenwanderung" veranstaltet.

Von "Mellersch", wo einst der Daubringer Bürgermeister sein Stammlokal hatte, über den "Hecht" bis hin zum "Daubringer Eck" prägte über Jahrzehnte eine breite Kneipenkultur das Dorf.

Das ist freilich lange her. Doch die Wanderung auf Spuren ehemaliger Kneipen mit rund 50 Teilnehmern ist ein Beispiel dafür, dass in Daubringen Erinnerungen wach gehalten und Menschen so zusammengebracht werden können.

Daubringen: Verein treibt Dorfentwicklung voran

Der Verein "Impuls", initiiert als kulturpolitischer Arbeitskreis, schaut indes nicht nur auf die Vergangenheit, sondern ist ein Motor der künftigen Entwicklung.

Im Rahmen der Dorferneuerung wird am Buchenberg ab Herbst ein Mehrzweckgebäude entstehen, in dem "Impuls" eine Begegnungsstätte betreibt. Das Deutsche Rote Kreuz plant dort eine Kita und ein Familienzentrum.

Die Gebietsreform der frühen 1970er kostete Daubringen zwar die Eigenständigkeit. Doch der Zusammenschluss mit Staufenberg, Mainzlar und Treis eröffnete auf Dauer neue Perspektiven. Seither sind vor allem Daubringen und Mainzlar enger zusammengerückt, wo genau die Gemerkungsgrenze verläuft, werden heute wohl die wenigsten wissen.

Daubringen: Von der Weltgeschichte gestreift

Immer wieder haben auch die großen Linien der Weltgeschichte im kleinen Daubringen ihre Spuren hinterlassen. Während des 30-jährigen Kriegs belagterten im 17. Jahrhundert verschiedene Heere den Ort und seine Nachbarn, ähnlich gut 100 Jahre später im Siebenjährigen Krieg.

Die Industrialisierung hat das Dorf ebenso geprägt: Die Produktionsstätte der Didier-Werke gehört zwar zu Mainzlar, doch die "Schamott" verschaffte Beginn des 20. Jahrhunderts auch vielen Daubringern Arbeit.

Daubringen: Über Jahrzehnte Zigarren gerollt

Und als Mittelhessen ein "Hotspot" der Zigarrenindustrie war, wurden auch in Daubringen über Jahrzehnte Rauchwaren gerollt – übrigens vor allem von Frauen.

Eine besonders kuriose historische Episode spielte zwischen Daubringen und Alten-Buseck: Vor Beginn des Zweiten Weltkriegs übten deutsche Piloten hier mit Bombenattrappen, ehe sie ihre tödliche Fracht über europäischen Städten abwarfen.

Gegen Kriegsende installierten die Nationalsozialisten dann einen "Scheinflughafen", um alliierte Bomberbesatzungen zu verwirren - mit mäßigem Erfolg. Die Reste der Fliegerattrappen bescherten den Daubringern nach dem Krieg viel Sperrholz.

Im Kalten Krieg übernahm anderes Militär das Gelände zwischen Daubringen und Alten-Buseck. Im NATO-Lager waren unter anderem Atomwaffen stationiert. Zwar wurde das nie offiziell bestätigt, gilt aber als gesichert. Daubringen hat diese Episode unbeschadet überstanden.

Daubringen: Beliebtes Apfelweinfest am Waldrand

Über lange Zeit hinweg war das Dorf einmal im Jahr ein Treffpunkt für ungezählte, vor allem junge Feiernde aus der ganzen Region. Jahr für Jahr fand das "Apfelweinfest" am Waldrand statt.

Die Tradition, mit Karren samt Apfelwein an Himmelfahrt zum Buchenberg zu pilgern, stammt wohl aus den 1930er-Jahren. 2014 war dann Schluss: Dem Gesangverein waren Besuchermengen, Ausmaß und Auflagen zu viel geworden.

Die Kirmes ist ebenfalls Geschichte, doch es gibt andere Veranstaltungen, die die Daubringer zusammenbringen: etwa das Dorffest "rundumdekirchturm", veranstaltet von Vereinen und der evangelischen Kirchengemeinde, sowie das "Entenrennen"

Am Wochenende steht die gemeinsame Jubiläumsfeier an. Dann können die beiden so eng verwobenen Dörfer Daubringen und Mainzlar einmal mehr zeigen, dass sie mehr verbindet als trennt.

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