garbenteich-grafik-gross_4c
+
Angrenzend an die Autobahn (im Hintergrund) soll sich Industrie niederlassen und in der Mitte Gewerbe. Der Bereich nahe der Wohnbebauung am Admonter Ring (vorne rechts) wird als Mischgebiet ausgewiesen. SKIZZE: FELDMANN ARCHITEKTEN

Entscheidung für Gewerbegebiet in Pohlheim

Startschuss für Garbenteich-Ost - Welches Gewerbe der Investor und die Stadt Pohlheim ausschließen

  • vonStefan Schaal
    schließen

Es ist eine historische Entscheidung für die Stadt Pohlheim: Nach mehr als zwei Jahrzehnten an Planungen, Ideen und Vorhaben für das Gewerbegebiet in Garbenteich hat das Stadtparlament grünes Licht für das Großprojekt gegeben. Welche Unternehmen sich dort niederlassen, bleibt aber offen.

Es geht los. Eine der größten und bedeutendsten Gewerbeflächen im Gießener Land hat am Donnerstagabend grünes Licht erhalten. Nach mehr als zwei Jahrzehnten an Gesprächen, Gerüchten, Planungen und dem zwischenzeitlichen Vorhaben eines Outlet-Centers hat das Pohlheimer Stadtparlament mit einer deutlichen Mehrheit den Satzungsbeschluss für das Gewerbegebiet Garbenteich-Ost verabschiedet.

Auf einer derzeit landwirtschaftlich genutzten Fläche von 25 Hektar soll ein Areal mit Gewerbe und Industrie entstehen. Angrenzend an die A 5 soll sich produzierendes Gewerbe niederlassen, der Bereich nahe der Wohnbebauung am Admonter Ring wird als Mischgebiet ausgewiesen.

Für die Zukunft unserer Stadt ist die Entscheidung von sehr großer Bedeutung.

Michael Wagner

Im April und im Mai will der Investor, die Revikon GmbH, den Kauf für die Grundstücke abschließen, bisher war die GmbH lediglich im Besitz von Optionen auf die Flächen. Ende dieses Jahres soll dann mit dem Bau von Straßen und Kanälen sowie der Verlegung von Leitungen die Erschließung beginnen. Die Revikon GmbH investiert 15 Millionen Euro für die Erschließung und den Kauf der Grundstücke.

Gewerbegebiet Garbenteich: Welches Gewerbe ausgeschlossen wird

Spannend bleibt allerdings die Frage, welche Unternehmen sich in dem Gebiet ansiedeln werden. Bislang stehe nichts fest, erklärt Daniel Beitlich, Geschäftsführer der Revikon GmbH. Auch in den kommenden zwei bis drei Wochen sei noch keine Einigung mit einem Betrieb zu erwarten. »Das Gelände geht jetzt in die Vermarktung.«

In einem am Donnerstag ebenfalls verabschiedeten städtebaulichen Vertrag wurde festgelegt, welches Gewerbe in Garbenteich-Ost ausgeschlossen wird: Das Stadtparlament und der Investor haben vereinbart, dass weder Großlogistik, noch ein Autohof, ein Chemiewerk, Hotels oder andere Beherbergungsbetriebe auf der Fläche entstehen sollen. In dem Vertrag werden außerdem die Herstellung und Lagerung von Schüttgut sowie Spielhallen und Vergnügungsstätten ausgeschlossen.

Gewerbegebiet Garbenteich: Seit 25 Jahren mit Thema beschäftigt

Die Entscheidung für das Gewerbegebiet sei »für die Zukunft der Stadt von sehr großer Bedeutung«, sagte Michael Wagner von der CDU-Fraktion. Das Stadtparlament bringe die Planungen für eine Gewerbefläche zum Abschluss, »die in der Region ihresgleichen sucht.« Neben der Generierung von Gewerbesteureinnahmen sei ein Ziel, dass mehr Menschen, die im Gießener Land leben, auch hier arbeiten, sagte der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Malke Aydin. »80 000 Menschen pendeln aus dem Kreis in das Rhein-Main-Gebiet.«

Ulrich Sann von den Freien Wählern berichtete, er beschäftige sich seit rund 25 Jahren mit Ideen und Planungen für das Gewerbegebiet Garbenteich-Ost. »Ich feiere Silberne Hochzeit.« Er erzählte von einem Gespräch im Jahr 1996 mit dem damaligen Regierungspräsidenten Hartmut Bäumer, der die Fläche in Garbenteich als einziges genehmigungsfähiges Gewerbegebiet bezeichnet habe. Nun komme das Vorhaben zu einem »glücklichen Ende«.

Gewerbegebiet Garbenteich: Deutliche Mehrheit für Großprojekt

27 Abgeordnete stimmten für den Satzungsbeschluss bei fünf Enthaltungen. Gegen das Großprojekt votierten Peter Alexander von der SPD-Fraktion sowie Eckart Hafemann und Simone van Slobbe von den Grünen. Fragen zur zukünftigen Verkehrsbelastung seien noch nicht geklärt, sagten Hafemann und Alexander. Hafemann kritisierte, über das Großprojekt sei unzureichend öffentlich informiert worden. Vor dem Hintergrund der Pandemie hatte es keine Informationsversammlung gegeben. Der Investor und die Stadt hätten sich aber auch nicht um eine Informierung per Internet bemüht. Hafemann bemängelte, dass der städtebauliche Vertrag unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutiert wurde, er sprach von »Hinterzimmer-Diplomatie«.

Für das Projekt plädierte auch Fabian Schäfer von der FDP-Fraktion. Reimar Stenzel von der Fraktion der Grünen erklärte, Naturschutz sei wichtig, doch entstünden wichtige Arbeitsplätze, daher enthalte er sich. Für die Anbindung des Gewerbegebiets an den öffentlichen Nahverkehr müsse noch Geld in die Hand genommen werden. Stenzel hatte zu Beginn der Sitzung beantragt, die Entscheidung zu verschieben und für 25. Februar eine Sondersitzung einzuberufen, um in Ruhe zu diskutieren. Der Vorschlag fand allerdings keine Mehrheit.

Gewerbegebiet Garbenteich: Investor reagiert auf Kritik

Zur Kritik, über das Projekt sei nicht genügend öffentlich diskutiert worden, sagte Investor Beitlich, es habe Gespräche auch gesondert mit der Bürgerinitiative Garbenteich gegeben. »Wenn die Gegner aber nichts auf der Fläche wollen, ist kein Kompromiss möglich.«

PLÄNE UND GERÜCHTE SEIT 2000

- Oktober 2000: Pläne für ein Gewerbegebiet in Garbenteich-Ost werden im Pohlheimer Bauausschuss diskutiert. Kurz darauf regt sich gegen das Vorhaben Widerstand des Gießener Magistrats. Pohlheims Bürgermeister Karl-Heinz Schäfer (SPD) stellt daraufhin klar, dass man an dem Gebiet festhalte, dort aber kein großflächiger Handel vorgesehen sei. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Hartmut Lutz berichtet, dass eine Firma aus dem Elektronikbereich auf der Fläche bis zu 400 neue Arbeitsplätze schaffen will.

- September 2004: Bürgermeister Schäfer erklärt, dass das Gewerbegebiet Garbenteich-Ost kommen werde, wenn ein Investor gefunden wird. Danach wird es ruhig um das Vorhaben.

- Mai 2016: Investor Jörg Fischer bestätigt, dass er und Geschäftspartner Frank Smajek das Gebiet erschließen wollen. Kurz darauf gründen Anwohner eine Bürgerinitiative. Sie wollen die Gewerbefläche verhindern. Gerüchte um eine Großmetzgerei kommen auf.

- Oktober 2017: Fischer und das Unternehmen Neinver präsentieren Pläne für ein Outlet-Center. Anvisiert sind 13 000 bis 14 000 Quadratmeter Verkaufsfläche und eine Investitionssumme von 85 Millionen Euro.

- August 2018: Es kommt zu einem Bürgerentscheid: Eine Mehrheit von 54,9 Prozent spricht sich gegen die Outlet-Pläne aus. Doch das Ergebnis reicht nicht, weil das Quorum von 25 Prozent knapp verfehlt wird.

- Juni 2019: Die Investoren erklären die Outlet-Pläne für gescheitert.

- Dezember 2019: Fischer und Smajek steigen aus, die Gießener Revikon GmbH übernimmt. Projektentwickler Daniel Beitlich kündigt an, dort klassisches Gewerbe ansiedeln zu wollen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare