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Die Bauernhof-Kindertagesstätte der Lebenshilfe Gießen in Großen-Buseck steht für die Aufnahme der Kinder bereit. Nur noch die Außenfassade des Gebäudes muss fertiggestellt werden. FOTO: SIW

In den Startlöchern

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Just an dem Tag, zu dem die Landesregierung zur Bekämpfung des Corona-virus die Schließung aller Kindertagesstätten beschlossen hatte, sollte in Großen-Buseck die neue Bauernhof-Kita der Lebenshilfe Gießen an den Start gehen. Doch noch heißt es: "Abwarten."

Es handelt sich um die erste Kindertagesstätte ihrer Art im Landkreis. Der Neubau auf dem Gelände des Bioland-Hofes der Lebenshilfe in Großen-Buseck liegt in unmittelbarer Nähe von Wald und Feld. Er bietet ideale Voraussetzungen für abwechslungsreiche naturnahe Unternehmungen. Für vier Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren sollte am 16. März die Eingewöhnungszeit in der neuen Umgebung beginnen. Eigentlich. Doch nun heißt es erst mal "abwarten".

Das Konzept ist klar. "Mit dem Ziel, langsam Vertrauen zu den Erzieherinnen aufzubauen, sollten die Mütter oder Väter die ersten Tage dabeibleiben. Auch kleinere Geschwister dürfen mitkommen", erklärt Franziska Werthmann, die pädagogische Leiterin. Die Diplom-Ingenieurin der Agrarwissenschaften und Kindheitspädagogin bringt Erfahrungen aus über fünfjähriger Leitung der Bauernhofgruppe der städtischen Kita in Rödgen mit. Gemeinsam mit zwei weiteren Fachkräften möchte sie erreichen, dass die ihnen anvertrauten Kinder eine Beziehung zu Natur und Tier entwickeln und den jahreszeitlichen Zyklus bewusst erleben. "Dies ist eine Grundvoraussetzung für ein hohes Umweltbewusstsein in Zeiten des Klimawandels", betont Werthmann.

Auf dem benachbarten Bioland-Hof bauen Menschen mit Behinderung Gemüse, Kräuter und vieles mehr an, das auf den Märkten in Gießen und Grünberg und bei einem Verkauf ab Hof vermarktet wird. Die Mitarbeiter sollen durch die Kita-Kinder bei ihrer Arbeit nicht gestört werden. Möglich sei jedoch, dass die Kinder beispielsweise beim Gießen oder Umtopfen der Pflanzen helfen. Auf jeden Fall sollen mit dem Nachwuchs eigene Beete angelegt werden, ebenso ein Naschgarten mit Beeren. Die können dann direkt von der Hand in den Mund wandern. Auch eine Bienenweide soll eingesät werden.

"Geplant ist, dass das Essen neben der Kita wächst und dann beim gemeinsamen Frühstück verzehrt wird", sagt Werthmann. Das Mittagessen werde jedoch vom Lebens- hilfe-Küchenbetrieb "LiLo" in Garbenteich angeliefert und in dem vorhandenen Konvektomat fertiggegart.

Mal abgesehen von den Schafen, die im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft (AG) von Schülern der IGS Busecker Tal versorgt werden, gibt es derzeit "noch" keine Tiere am Standort der Kita. Mit einem kleinen Fußmarsch erreicht man jedoch den von Familie Werthmann-Becker betriebenen Bio-Bauernhof in Rödgen mit einer Mutterkuhherde, Schafen, Pferden, Hühnern und Bienen und eigenen Äckern und Streuobstwiesen.

Neben den Tierkontakten und der Einbindung der Kinder in die alltäglichen landwirtschaftlichen Abläufe und dem Kennenlernen von ökologischen Kreisläufen bildet die Nahrungsmittelerzeugung und -herstellung einen weiteren Themenbereich. "Die Kinder sollen wissen, wo die Lebensmittel herkommen und lernen, dass auch die Tiere Bedürfnisse haben", betont Werthmann. Die Küche ist im Gruppenraum integriert, hier soll gekocht und gebacken und Obst und Gemüse eingekocht werden. Die Kinder lernen also nicht nur, wo das Essen herkommt, sondern auch wie man es zubereitet oder haltbar macht.

Bei Erziehern kommt das Konzept sehr gut an. "Ich hatte noch nie so viele Bewerbungen," berichtet die stellvertretende Bereichsleitung Kindertagesstätten bei der Lebenshilfe, Jennifer Seidler. Und das in einer Zeit, in der für andere Kitas händeringend Personal gesucht wird. Insgesamt stehen 20 Plätze für Kinder ab drei Jahren zur Verfügung. Um eine altersübergreifende Gruppe bilden zu können, werden Wechselwünsche begrüßt. Anmeldungen sind über das Online-Portal der Gemeinde Buseck möglich.

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